Kurzfristige Beschäftigung / 4.2 Zeitgrenze von 90 Kalendertagen

Bei der Zusammenrechnung treten an die Stelle des Zeitraums von 3 Monaten 90 Kalendertage (5-Tage-Woche), wenn die Vorbeschäftigungen keine vollen Kalendermonate umfassten. Sind Beschäftigungen mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von weniger als 5 Tagen und Beschäftigungen von 5 oder mehr Arbeitstagen zusammenzurechnen, ist einheitlich von dem Zeitraum von 70 Arbeitstagen auszugehen.

Beschäftigung vom 1.3.2020 bis 31.10.2020

Ausnahmeregelung: Wurde die Beschäftigung vom 1.3.2020 bis 31.10.2020 ausgeübt, traten an die Stelle von 5 Monaten 150 Kalendertage bei einer 5-Tage-Woche, sofern die Vorbeschäftigungen keine vollen Kalendermonate umfassten. Für zu berücksichtigende Beschäftigungen, die wöchentlich an weniger als 5 Tagen ausgeübt wurden, war von 115 Arbeitstagen auszugehen.

 
Praxis-Beispiel

Mehrere Aushilfsbeschäftigungen (Beschäftigung vom 1.3.2020 bis 31.10.2020)

Eine Hausfrau nahm eine vom 22.7.2020 bis 30.9.2020 befristete Aushilfstätigkeit auf (5-Tage-Woche). In der Zeit vom 13.5.2020 bis 29.5.2020 und vom 21.11.2019 bis 12.12.2019 war sie ebenfalls befristet beschäftigt (jeweils 5-Tage-Woche).

Ergebnis: Für die Prüfung der Zeitgrenze war neben der zu beurteilenden Beschäftigung vom 22.7.2020 bis 30.9.2020 die Vorbeschäftigung vom 13.5.2020 bis 29.5.2020 zu berücksichtigen, weil diese für sich allein gesehen ebenfalls kurzfristig war.

 
13.5.2020 bis 29.5.2020 = 17 KT  
22.7.2020 bis 30.9.2020 = 70 KT  
insgesamt: 87 KT  

Die Beschäftigung vom 22.7.2020 bis 30.9.2020 war versicherungsfrei, weil unter Berücksichtigung der Vorbeschäftigung vom 13.5.2020 bis 29.5.2020 die Zeitgrenze von 150 Kalendertagen nicht überschritten wurde. Die Beschäftigung vom 21.11.2019 bis 12.12.2019 durfte bei der Zusammenrechnung nicht berücksichtigt werden, weil sie nicht im Kalenderjahr 2020 ausgeübt wurde.

 
Praxis-Beispiel

Mehrere Aushilfsbeschäftigungen

Eine Hausfrau nimmt eine vom 1.11.2021 bis 29.12.2021 befristete Aushilfstätigkeit auf (5-Tage-Woche). In der Zeit vom 6.1.2021 bis 20.1.2021 und vom 21.11.2020 bis 12.12.2020 war sie ebenfalls befristet beschäftigt (jeweils 5-Tage-Woche).

Ergebnis: Für die Prüfung der Zeitgrenze ist neben der zu beurteilenden Beschäftigung vom 1.11.2021 bis 29.12.2021 die Vorbeschäftigung vom 6.1.2021 bis 20.1.2021 zu berücksichtigen, weil diese für sich allein gesehen ebenfalls kurzfristig war.

 
6.1.2021 bis 20.1.2021 = 15 KT  
1.11.2021 bis 29.12.2021 = 59 KT  
insgesamt: 74 KT  

Die Beschäftigung vom 1.11.2021 bis 29.12.2021 ist versicherungsfrei, weil unter Berücksichtigung der Vorbeschäftigung vom 6.1.2021 bis 20.1.2021 die Zeitgrenze von 90 Kalendertagen nicht überschritten wird. Die Beschäftigung vom 21.11.2020 bis 12.12.2020 darf bei der Zusammenrechnung nicht berücksichtigt werden, weil sie nicht im Kalenderjahr 2021 ausgeübt wurde.

 
Praxis-Beispiel

Welche Zeitgrenze gilt?

Ein Einzelhändler stellt jeweils eine Aushilfe A und B ein:

Aushilfe A arbeitet den gesamten Januar von Montag bis Samstag. Außerdem hat sie bereits den gesamten November die Zeit zwischen Ausscheiden einer Mitarbeiterin und Neueinstellung einer Vollzeitkraft zum 1.12. überbrückt. Auch hier war sie an 6 Wochentagen beschäftigt.

Aushilfe B wird für die Zeit vom 1.2.2021 bis 25.2.2021 und arbeitet jeweils Montag bis Donnerstag. Sie ist außerdem schon fest für die Inventur Ende November mit jeweils einer 5-Tage-Woche eingeplant.

Ergebnis: Für die Beurteilung, ob für Aushilfe A Versicherungsfreiheit vorliegt, ist der 3-Monatszeitraum maßgebend. Maßgebend für die Beurteilung, ob Versicherungsfreiheit für Aushilfe B vorliegt, ist hier der 70-Arbeitstage-Korridor.

 
Praxis-Beispiel

Welche Zeitgrenze gilt (Beschäftigung vom 1.3.2020 bis 31.10.2020)?

Ein Einzelhändler stellt für den Sommerschlussverkauf Aushilfe A und B ein:

Aushilfe A arbeitet den gesamten August von Montag bis Samstag. Außerdem hat sie bereits den gesamten März die Zeit zwischen Ausscheiden einer Mitarbeiterin Ende Februar und Neueinstellung einer Vollzeitkraft zum 1.4. überbrückt. Auch hier war sie an 6 Wochentagen beschäftigt.

Aushilfe B beginnt erst am 5.8. und arbeitet bis zum 26.8. jeweils von Montag bis Donnerstag. Sie ist außerdem schon fest für die Inventur Ende Oktober mit jeweils einer 5-Tage-Woche eingeplant.

Ergebnis: Für die Beurteilung, ob für Aushilfe A Versicherungsfreiheit vorliegt, ist der 5-Monatszeitraum maßgebend.

Maßgebend für die Beurteilung, ob Versicherungsfreiheit für Aushilfe B vorliegt, ist hier der 115-Arbeitstage-Korridor.

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