Kurzarbeitergeld: Auswirkun... / 4 Berechnung der Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung

Für das durch die Kurzarbeit ausgefallene Arbeitsentgelt wird – entsprechend der in § 106 SGB III getroffenen Definition – für die Beitragsberechnung ein fiktives Entgelt berücksichtigt. Dabei ist von

  • dem Unterschiedsbetrag zwischen dem Bruttoarbeitsentgelt, das ohne den Ausfall erzielt worden wäre (Sollentgelt), und
  • dem Bruttoentgelt, das tatsächlich erzielt worden ist (Istentgelt),

auszugehen. Von diesem Unterschiedsbetrag sind 80 % als Ausgangswert zur Beitragsberechnung heranzuziehen.

4.1 Ermittlung des fiktiven Arbeitsentgelts

Bei der Ermittlung des fiktiven Entgelts bleiben sowohl beim Sollentgelt als auch beim Istentgelt Einmalzahlungen außer Betracht. Außerdem sind beim Sollentgelt Vergütungen für Mehrarbeit (Überstunden) nicht zu berücksichtigen. Als Istentgelt gilt das im Kurzarbeitergeld-Anspruchszeitraum tatsächlich erzielte Brutto-Arbeitsentgelt, zuzüglich aller ihm zustehenden Entgeltanteile.

 

Hinweis

Rundung des Kurzarbeitergeldes betrifft nicht die Beitragsberechnung

Das Sollentgelt und das Istentgelt sind für die Berechnung des Kurzarbeitergeldes auf den nächsten durch 20 teilbaren Euro-Betrag zu runden. Dies gilt aber nicht für die Beitragsberechnung.

 

Praxis-Beispiel

Ermittlung des fiktiven Entgelts

 
Sollstunden für Juli 2020 188
Tatsächlich geleistete Stunden 90
Stundenlohn 37 EUR
Sollentgelt (37 EUR × 188 Std.) 6.956 EUR
Istentgelt (37 EUR × 90 Std.) 3.330 EUR
Begrenzung Sollentgelt auf Beitragsbemessungsgrenze Arbeitslosenversicherung 6.900 EUR
Ausfallentgelt (6.900 EUR – 3.330 EUR) 3.570 EUR
80 % des Ausfallentgelts (Bemessungsentgelt) 2.856 EUR
Ausgangswert insgesamt (3.330 EUR + 2.856 EUR) 6.186 EUR

Kann das Sollentgelt nicht hinreichend bestimmt werden, ist auf das durchschnittliche in den letzten 3 abgerechneten Entgeltzahlungszeiträumen erzielte Entgelt abzustellen.

4.2 Begrenzung auf die Beitragsbemessungsgrenze

Das Soll-Entgelt ist nach den Festlegungen der Spitzenorganisationen der Sozialversicherungsträger für die Ermittlung des Ausfallentgelts nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze zu berücksichtigen. Übersteigt das so ermittelte gesamte beitragspflichtige Entgelt (tatsächlich gezahltes Entgelt zzgl. 80 % des Ausfallentgelts) die Beitragsbemessungsgrenze, sind die Beiträge zuerst aus dem tatsächlichen Entgelt (Istentgelt) bis zur Beitragsbemessungsgrenze zu ermitteln. Verbleibt dann noch Raum bis zur Beitragsbemessungsgrenze, so sind die Beiträge aus dem verbleibenden Differenzbetrag zwischen Beitragsbemessungsgrenze und Istentgelt zu ermitteln.

 

Praxis-Beispiel

Fortsetzung zu Ermittlung des fiktiven Entgelts

 
    KV/PV RV
Sollentgelt 6.968 EUR    
Istentgelt 3.330 EUR    
Ausfallentgelt (begrenzt auf Beitragsbemessungsgrenze) 3.570 EUR    
80 % des Ausfallentgelts (Fiktiventgelt) 2.856 EUR    
Beitragsbemessungsgrenze 2020   4.687,50 EUR 6.900 EUR
Beitragsberechnung aus Istentgelt   3.330 EUR 3.330 EUR
Beitragsberechnung aus dem Fiktiventgelt
(KV/PV: 4.687,50 – 3.330 = 1.357,50 < 2.856 EUR)
(RV: 6.900 – 3.3330 = 3.570 > 2.856)
  1.357,50 EUR 2.856 EUR

Ergebnis: Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sind aus 4.687,50 EUR (3.330 + 1.357,50) und zur Rentenversicherung aus 6.186 EUR (3.330 + 2.856) zu berechnen.

4.3 Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld

Verschiedene tarifvertragliche Regelungen sehen Zuschüsse des Arbeitgebers zum KuG vor. Zuschüsse zum KuG und Saison-KuG sind dem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsentgelt nicht zuzurechnen, soweit sie zusammen mit dem KuG 80 % des Unterschiedsbetrags zwischen dem Sollentgelt und dem Istentgelt nicht übersteigen.

4.4 Aufbringung der Beiträge

Die Beiträge sind in allen Versicherungszweigen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils zur Hälfte aufzubringen, soweit sie auf das tatsächlich erzielte Arbeitsentgelt (= Istentgelt) entfallen. Lediglich den Zuschlag zur Pflegeversicherung für Kinderlose über 23 Jahre trägt der Arbeitnehmer allein.

Die auf das fiktive Arbeitsentgelt entfallenden Beiträge sind vom Arbeitgeber in voller Höhe alleine (KV = 14,6 %/14,0 % zzgl. Zusatzbeitragssatz) zu tragen. Den ggf. anfallenden Zuschlag zur Pflegeversicherung für Kinderlose über 23 Jahre trägt die Bundesanstalt für Arbeit.

 

Praxis-Beispiel

Fortsetzung zur Ermittlung des fiktiven Entgelts

Berechnung der KV-, PV-, RV- und ALV-Beiträge; Zusatzbeitragssatz der Krankenkasse: 1,1 %

 
  KV/PV RV/ALV
Beitragsberechnung aus Istentgelt 3.330,00 EUR 3.330,00 EUR
Beitrag zur KV (inkl. Zusatzbeitrag) – insgesamt (AG + AN) 522,82 EUR  
     
Beitrag zur PV – insgesamt (AG + AN) 101,56 EUR  
Beitrag zur RV – insgesamt (AG + AN)   619,38 EUR
Beitrag zur ALV – insgesamt (AG + AN)   83,26 EUR
Beitragsberechnung aus dem "Rest" von 80 % des Sollentgelts 1.357,50 EUR 2.856,00 EUR
Beitrag zur KV – ausschließlich AG (inkl. Zusatzbeitrag) 213,12 EUR  
Beitrag zur PV – ausschließlich AG 41,40 EUR  
Beitrag zur RV – ausschließlich AG   531,22 EUR
Beitrag zur ALV – entfällt   ./.

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