Krankgeschrieben und trotzd... / 2 Die Fürsorgepflicht von Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Auch wenn keine versicherungsrechtlichen Nachteile zu befürchten sind, ist der Arbeitgeber dennoch aufgrund seiner Fürsorgepflicht gehalten, für den Erhalt der Gesundheit seiner Mitarbeiter Sorge zu tragen. Aus diesem Grund sollte er jeweils prüfen, ob der Mitarbeiter, der vorzeitig seine Arbeit aufnimmt, tatsächlich den Eindruck macht, wieder einsatzfähig zu sein. Ist dies der Fall, kann er sofort wieder beschäftigt werden. Wenn der Arbeitnehmer vorzeitig die Arbeit wieder aufnimmt, hat dies also versicherungsrechtlich keine nachteiligen Auswirkungen. Eine vorherige Abstimmung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist auch hier sicherlich hilfreich.

Aber auch der Arbeitnehmer hat eine Fürsorgepflicht. Wenn absehbar ist, dass ein Beschäftigter mit der vorzeitigen Arbeitsaufnahme seine Genesung gefährdet oder gar den Krankheitszustand verschlimmert, sollte er natürlich die Dauer der voraussichtlichen AU abwarten, um erst danach zu entscheiden, ob er die zuletzt ausgeübte Erwerbstätigkeit tatsächlich wieder ausüben kann. Insoweit ist eine gewisse Fürsorgepflicht des Arbeitnehmers genauso erforderlich wie diejenige des Arbeitgebers. In der überwiegenden Anzahl von Fällen sollte es gelingen, ein beiderseitiges Einvernehmen hierüber herzustellen.

 
Praxis-Beispiel

Wegeunfall trotz Krankschreibung

Martin M. ist Verkäufer und Teamleiter im örtlichen Kaufhaus von A-Stadt. Nach einem Skiunfall ist er zwar mit einer Kniegelenks-Orthese weitestgehend stabilisiert, kann aber seine überwiegend stehende Tätigkeit noch nicht wieder ausüben. Vom behandelnden Arzt ist er noch 3 Wochen krankgeschrieben. Während dieser Zeit findet bei seinem Arbeitgeber eine wichtige Personalversammlung statt, weil ein neuer Zuschnitt der Verkaufsteams festgelegt werden soll. Es besteht grundsätzliche Teilnahmepflicht für alle Beschäftigten.

Auch Martin M. möchte unbedingt an der Versammlung teilnehmen. Er wird von seiner Ehefrau zum Betrieb gefahren. Nach der 3-stündigen Versammlung nimmt auf dem Nachhauseweg ein Fahrradfahrer den Eheleuten die Vorfahrt. Es kommt zum Unfall, bei dem sich Martin M. eine Gehirnerschütterung zuzieht, weil er durch das Bremsmanöver seiner Ehefrau gegen einen Holm am Fahrzeug schlägt.

Martin M. ist auf der Fahrt und während des Aufenthalts bei seinem Arbeitgeber gesetzlich unfallversichert. Der Unfall auf dem Rückweg von der Personalversammlung ist als versicherter Wegeunfall i. S. d. § 8 Abs. 2 SGB VII zu werten, denn es handelte sich um einen mit der versicherten Tätigkeit zusammenhängenden Weg von dem Ort der Tätigkeit.

 
Praxis-Tipp

Eine vorherige Kontaktaufnahme sorgt für Klarheit

Wenn Beschäftigte während der Krankschreibung vorzeitig die Arbeit wieder aufnehmen möchten, empfiehlt sich eine vorherige Kontaktaufnahme mit dem Arbeitgeber, um darüber Einvernehmen herzustellen.

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