Krankgeschrieben und trotzd... / 1 Kein Beschäftigungsverbot während der Krankschreibung

Es kommt immer wieder zu Fällen, in denen ein erkrankter Arbeitnehmer vor Ablauf der Krankschreibung seine Arbeit wieder aufnehmen möchte. Beispielsweise, weil der Arbeitnehmer, schneller als in der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung prognostiziert, wieder gesund ist oder weil der Grund der Krankschreibung die Tätigkeit nicht beeinträchtigt. Vielfach wird angenommen, dass die Mitarbeiter in diesen Fällen weder unfall- noch krankenversichert sind.

Folgende Interpretation hält sich fälschlicherweise nachhaltig:

  • "Wenn Ihnen dann etwas passiert, müssen Sie alles selbst zahlen."
  • "Als Arbeitgeber darf ich Sie während einer Arbeitsunfähigkeit (AU) gar nicht beschäftigen, weil ich mich dann haftbar mache."

Oft verweigern Arbeitgeber deshalb die vorzeitige Wiederaufnahme der Arbeit. Stattdessen wird der Arbeitnehmer aufgefordert, zum Arzt zu gehen und sich "gesundschreiben" zu lassen. Aber im deutschen Gesundheitswesen gibt es keine "Gesundschreibung."

 

Wichtig

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kein Arbeitsverbot

Fakt ist jedoch, dass eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kein Arbeitsverbot beinhaltet. Vielmehr bescheinigt der Arzt nur die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit, ohne dass dieser Zeitraum auch tatsächlich voll ausgeschöpft werden muss.

Keine versicherungsrechtlichen Nachteile

Der Versicherungsschutz in der gesetzlichen Unfallversicherung umfasst für Arbeitnehmer sämtliche Tätigkeiten, die Bestandteil des arbeitsvertraglichen Beschäftigungsverhältnisses sind oder den Interessen des Arbeitgebers dienen. Entgegen weit verbreiteter Meinungen besteht deshalb auch dann Versicherungsschutz, wenn ein Mitarbeiter trotz Krankschreibung seine Arbeit vorzeitig wieder aufnimmt. Auch wenn sich dann der Gesundheitszustand wieder verschlechtern sollte, bleibt der Versicherungsschutz in der gesetzlichen Unfallversicherung ebenso wie in der Krankenversicherung erhalten.

Der Arbeitnehmer ist natürlich berechtigt, für die gesamte Dauer der Krankschreibung der Arbeit fernzubleiben. Eine vorzeitige Arbeitsaufnahme setzt immer die Freiwilligkeit und das Einverständnis des Mitarbeiters voraus.

Auch die Wege sind versichert

Der Versicherungsschutz in der gesetzlichen Unfallversicherung umfasst auch die Wege von und zum Betrieb. Wenn ein Beschäftigter während der Krankschreibung vorzeitig seine Arbeit wieder aufnehmen möchte, ist damit auch der Weg zur Arbeitsaufnahme während der Arbeitsunfähigkeit versichert. Allerdings empfiehlt sich eine vorherige Kontaktaufnahme zwischen Arbeitgeber und Beschäftigtem. Sollte es nämlich auf dem Weg zur erstmaligen Arbeitsaufnahme zu einem Unfall kommen, herrscht Klarheit, dass es sich dabei um einen versicherten Wegeunfall handelt.

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