Jobticket / 2.7.3 Vollamortisation mit Jobticket

Für den Fall, dass die Prognose zum Zeitpunkt der Hingabe der Fahrberechtigung ergibt, dass die Summe aus den genannten Einzelkomponenten die Kosten der Fahrberechtigung erreicht oder übersteigt (prognostizierte Vollamortisation mit § 3 Nr. 15 EStG), ist die Arbeitgeberleistung insgesamt steuerfrei.

Die Arbeitgeberleistung ist in einem solchen Fall vorrangig als Reisekosten nach § 3 Nr. 13 oder Nr. 16 EStG i. H. d. prognostizierten ersparten Kosten für Einzelfahrscheine, die ohne Nutzung der Fahrberechtigung während deren Gültigkeitsdauer anfallen würden, steuerfrei und im Übrigen nachrangig als Jobticket steuerfrei nach § 3 Nr. 15 EStG.

Auf den Umfang der späteren tatsächlichen Nutzung und die darüber hinausgehenden privaten Nutzungsmöglichkeiten kommt es nicht an.

Tritt die prognostizierte Vollamortisierung aus unvorhersehbaren Gründen (z. B. Krankheit oder Verschiebung von Dienstreisen) nicht ein, ist eine Nachversteuerung nicht vorzunehmen.

Ändern sich die der Prognose zugrunde liegenden Annahmen grundlegend (z. B. Wechsel vom Außendienst in den Innendienst) hat eine Korrektur und ggf. für den noch nicht abgelaufenen Gültigkeitszeitraum zu erfolgen.

 
Praxis-Beispiel

Prognostizierte Vollamortisation mit Jobticket

Ein Arbeitgeber überlässt seinem Arbeitnehmer eine BahnCard 100, die er zum Preis von 4.400 EUR erworben hat. Nach der Prognose des Arbeitgebers betragen die ersparten Kosten der Einzelfahrscheine für Dienstreisen im Gültigkeitszeitraum 3.000 EUR. Der reguläre Preis der Jahresfahrkarte für die Strecke zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte des Arbeitnehmers hätte 1.600 EUR betragen. Tatsächlich ergeben sich im Laufe der Gültigkeitsdauer für Dienstreisen des Arbeitnehmers aus unvorhersehbaren Gründen nur ersparte Kosten der Einzelfahrscheine i. H. v. 2.500 EUR.

Ergebnis: Die Prognose des Arbeitgebers zum Zeitpunkt der Hingabe der Fahrberechtigung ergibt Folgendes:

 
Ersparte Kosten für Einzelfahrscheine 3.000 EUR
+ regulärer Verkaufspreis der Fahrberechtigung (Wohnung – erste Tätigkeitsstätte) + 1.600 EUR
  4.600 EUR
Kosten der BahnCard 100 > 4.400 EUR

Die BahnCard 100 ist daher i. H. v. 3.000 EUR steuerfreier Reisekostenersatz. Der verbleibende Betrag bleibt als Jobticket steuerfrei.

 
BahnCard 100 4.400 EUR
Abzgl. steuerfreier Reisekostenersatz - 3.000 EUR
Als Jobticket steuerfrei 1.400 EUR

Auf den Umfang der tatsächlichen Nutzung sowie die private Nutzungsmöglichkeit kommt es nicht an. Dass die prognostizierte Vollamortisation tatsächlich nicht eingetreten ist, ist unerheblich und führt weder zu einer Nachversteuerung noch zu einer Änderung der als Jobticket steuerfreien Arbeitgeberleistungen. Es bleibt somit bei der zu bescheinigenden steuerfreien Arbeitgeberleistung i. H. v. 1.400 EUR.

 
Tatsächlich ersparte Kosten für Einzelfahrscheine 2.500 EUR
Zzgl. regulärer Verkaufspreis der Fahrberechtigung (Wohnung – erste Tätigkeitsstätte) + 1.600 EUR
  4.100 EUR
Kosten der BahnCard 100 < 4.400 EUR

Wird entgegen der Prognose bei Hingabe der Fahrberechtigung die BahnCard 100 aus unvorhersehbaren Gründen tatsächlich in größerem Umfang für Auswärtstätigkeiten eingesetzt, führt auch das zu keiner Änderung der Prognose, d. h. es bleibt somit auch bei den zu bescheinigenden Arbeitgeberleistungen i. H. v. 1.400 EUR. Etwas anderes gilt nur, wenn die der Prognose zugrunde liegenden Annahmen sich grundlegend ändern.

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