Jobticket / 2.7 Prognoseberechnung bei Auswärtstätigkeiten oder Familienheimfahrten

2.7.1 Amortisationsprognose

Sollte die Fahrberechtigung für den Personenfernverkehr (z.  B. eine BahnCard), die ganz oder teilweise die Voraussetzungen für die Steuerbefreiung der Fahrkostenzuschüsse nach § 3 Nr. 15 EStG erfüllt, auch für Fahrten im Rahmen von Auswärtstätigkeiten oder für eine Familienheimfahrt pro Woche im Rahmen der doppelten Haushaltsführung genutzt werden, ist die Arbeitgeberleistung, soweit sie auf diese Fahrten entfällt, nach § 3 Nr. 13 oder Nr. 16 EStG steuerfrei. Die Steuerfreistellung für Reisekosten (im öffentlichen Dienst[1] bzw. in der Privatwirtschaft[2]) hat Vorrang gegenüber der Steuerfreistellung als Jobticket[3].

Für diesen Fall räumt die Finanzverwaltung dem Arbeitgeber die Möglichkeit ein, im Rahmen einer Prognoseberechnung zu prüfen, ob die Fahrberechtigung bereits bei Hingabe insgesamt steuerfrei belassen werden kann.[4]

Maßstab für die Amortisationsprognose ist der Vergleich zwischen den Kosten der vom Arbeitgeber ausgereichten Fahrberechtigung und der Summe aus

  • den ersparten Kosten für Einzelfahrscheine, die ohne Nutzung der Fahrberechtigung während deren Gültigkeitsdauer für die steuerlich begünstigten Fahrten nach § 3 Nr. 13 oder Nr. 16 EStG (Fahrten im Rahmen einer Auswärtstätigkeit oder eine Familienheimfahrt pro Woche im Rahmen der doppelten Haushaltsführung) anfallen würden und
  • je nach Fallgestaltung dem regulären Verkaufspreis einer Fahrberechtigung für die Strecke zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, zu einem Sammelpunkt oder zu einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet für den entsprechenden Gültigkeitszeitraum.

Je nachdem, ob die Summe der vorgenannten Einzelkomponenten die Kosten der vom Arbeitgeber ausgereichten Fahrberechtigung erreicht oder überschreitet (Vollamortisation alleine durch Reisekosten[5] bzw. Vollamortisation mit Jobticket[6]) oder nicht erreicht (Teilamortisation[7]) bzw. der Arbeitgeber auf die Amortisationsrechnung verzichtet, ergeben sich die nachstehenden lohnsteuerlichen Konsequenzen.

2.7.2 Vollamortisation alleine durch Reisekosten

Für den Fall, dass die Prognose zum Zeitpunkt der Hingabe der Fahrberechtigung ergibt, dass die Summe aus den ersparten Kosten für Einzelfahrscheine, die für Fahrten im Rahmen einer Auswärtstätigkeit oder eine Familienheimfahrt pro Woche im Rahmen der doppelten Haushaltsführung anfallen würden, die Kosten der Fahrberechtigung erreicht oder übersteigt (prognostizierte Vollamortisation ohne § 3 Nr. 15 EStG), stellt die Überlassung der Fahrberechtigung an den Arbeitnehmer keinen steuerpflichtigen Arbeitslohn dar. Auf die darüber hinausgehenden Nutzungsmöglichkeiten kommt es dann nicht mehr an.[1]

 
Praxis-Beispiel

Vollamortisation alleine durch Reisekosten

Der Arbeitgeber überlässt seinem Arbeitnehmer eine BahnCard 100, die er zum Preis von 4.400 EUR erworben hat. Nach der Prognose des Arbeitgebers betragen die ersparten Kosten der Einzelfahrscheine für Auswärtstätigkeiten im Gültigkeitszeitraum 4.500 EUR.

Ergebnis: Die ersparten Kosten für Einzelfahrscheine übersteigen die Kosten der BahnCard 100. Die Überlassung der Fahrberechtigung an den Arbeitnehmer stellt keinen steuerpflichtigen Arbeitslohn dar.[2] Der Anwendung der Steuerbefreiungsvorschrift des § 3 Nr. 15 EStG bedarf es im vorliegenden Fall nicht.

Tritt die prognostizierte Vollamortisierung aus unvorhersehbaren Gründen (z. B. Krankheit oder Verschiebung von Dienstreisen) nicht ein, ist keine Nachversteuerung vorzunehmen.

Ändern sich die der Prognose zugrunde liegenden Annahmen grundlegend (z. B. Wechsel vom Außendienst in den Innendienst), hat eine Korrektur und ggf. Nachversteuerung unter Berücksichtigung für den noch nicht abgelaufenen Gültigkeitszeitraum zu erfolgen.[3]

2.7.3 Vollamortisation mit Jobticket

Für den Fall, dass die Prognose zum Zeitpunkt der Hingabe der Fahrberechtigung ergibt, dass die Summe aus den genannten Einzelkomponenten die Kosten der Fahrberechtigung erreicht oder übersteigt (prognostizierte Vollamortisation mit § 3 Nr. 15 EStG), ist die Arbeitgeberleistung insgesamt steuerfrei.

Die Arbeitgeberleistung ist in einem solchen Fall vorrangig als Reisekosten nach § 3 Nr. 13 oder Nr. 16 EStG i. H. d. prognostizierten ersparten Kosten für Einzelfahrscheine, die ohne Nutzung der Fahrberechtigung während deren Gültigkeitsdauer anfallen würden, steuerfrei und im Übrigen nachrangig als Jobticket steuerfrei nach § 3 Nr. 15 EStG.

Auf den Umfang der späteren tatsächlichen Nutzung und die darüber hinausgehenden privaten Nutzungsmöglichkeiten kommt es nicht an.

Tritt die prognostizierte Vollamortisierung aus unvorhersehbaren Gründen (z. B. Krankheit oder Verschiebung von Dienstreisen) nicht ein, ist eine Nachversteuerung nicht ...

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