Jahresarbeitsentgeltgrenze:... / 3.3 Mehrfachbeschäftigte

Wenn ein Arbeitnehmer für mehrere Arbeitgeber tätig ist, sind für die Ermittlung des regelmäßigen Jahresarbeitsentgelts die Arbeitsentgelte aus allen dem Grunde nach krankenversicherungspflichtigen Beschäftigungen zusammenzuzählen.

3.3.1 Hauptbeschäftigung/Hinzutritt einer oder mehrerer versicherungspflichtiger Beschäftigungen

Wenn zu einer Hauptbeschäftigung eine (für sich betrachtet versicherungspflichtige) Zweitbeschäftigung hinzukommt und durch das Arbeitsentgelt aus beiden – oder mehreren – Beschäftigungen die Jahresarbeitsentgeltgrenze überschritten wird, endet die Krankenversicherungspflicht erst mit Ablauf des Kalenderjahres. Sie endet jedoch nur, wenn das regelmäßige Arbeitsentgelt auch die Jahresarbeitsentgeltgrenze des kommenden Jahres übersteigt.

3.3.2 Krankenversicherungspflichtige Hauptbeschäftigung/Hinzutritt geringfügiger Beschäftigung

Das Arbeitsentgelt aus einer neben der krankenversicherungspflichtigen Beschäftigung ausgeübten geringfügig entlohnten Beschäftigung ist nicht auf die Jahresarbeitsentgeltgrenze anzurechnen. Nur wenn neben der krankenversicherungspflichtigen Beschäftigung mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen ausgeübt werden, ist das Arbeitsentgelt aus der zweiten und ggf. weiteren geringfügig entlohnten Beschäftigung auf die Jahresarbeitsentgeltgrenze anzurechnen. Durch Aufnahme einer zweiten geringfügig entlohnten Beschäftigung neben der krankenversicherungspflichtigen Beschäftigung kann es daher zu einem Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze kommen.

 
Praxis-Beispiel

Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze durch Aufnahme eines (weiteren) Minijobs

Der Arbeitnehmer H übt seit mehreren Jahren eine versicherungspflichtige Beschäftigung bei Arbeitgeber B aus. Am 1.4.2020 nahm Herr H eine geringfügig entlohnte Beschäftigung bei Arbeitgeber L gegen ein Entgelt von monatlich 100 EUR auf sowie ab dem 1.7.2021 eine weitere geringfügig entlohnte Beschäftigung als Hausmeister gegen ein Entgelt von monatlich 350 EUR bei Arbeitgeber F.

Ergebnis: Zur Prüfung, ob Herr H krankenversicherungspflichtig ist, wird das Jahresarbeitsentgelt ermittelt. Herr H ist in seiner Hauptbeschäftigung bei Arbeitgeber B versicherungspflichtig zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Bei den beiden übrigen Beschäftigungen handelt es sich jeweils um geringfügig entlohnte Beschäftigungen, weil das Arbeitsentgelt aus den einzelnen Beschäftigungen 450 EUR nicht übersteigt. Da die geringfügig entlohnte Beschäftigung bei Arbeitgeber L zuerst ausgeübt wird, erfolgt keine Zusammenrechnung mit der Hauptbeschäftigung bei Arbeitgeber B. Daher bleibt die geringfügige Beschäftigung bei der Arbeitgeber L versicherungsfrei zur Kranken- und Pflegeversicherung; sie ist jedoch rentenversicherungspflichtig. Die Beschäftigung als Hausmeister beim Arbeitgeber F ist dagegen mit der versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zusammenzurechnen.

In der Arbeitslosenversicherung werden geringfügig entlohnte Beschäftigungen nicht mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet, sodass die Beschäftigungen bei den Arbeitgebern L und F versicherungsfrei in der Arbeitslosenversicherung sind.

 
Arbeitgeber B  
Monatliches Arbeitsentgelt 4.800 EUR
Urlaubsgeld 1.000 EUR
Weihnachtsgeld 2.400 EUR

Arbeitgeber F

Monatliches Arbeitsentgelt
350 EUR
Berechnung des regelmäßigen Jahresarbeitsentgelts ab 1.7.2021
Arbeitgeber B  
Jährliches Gesamtbruttoentgelt 12 × 4.800 EUR = 57.600 EUR
+ Urlaubsgeld 1.000 EUR
+ Weihnachtsgeld 2.400 EUR
Summe: 61.000 EUR
Arbeitgeber F  
Jährliches Gesamtbruttoentgelt 12 × 350 EUR = 4.200 EUR
Regelmäßiges JAE aus beiden Beschäftigungen 65.200 EUR

Durch die Aufnahme der geringfügig entlohnten Beschäftigung zum 1.7.2021 bei Arbeitgeber F wird die Jahresarbeitsentgeltgrenze 2021 überschritten.

Herr H scheidet frühestens zum 31.12.2021 aus der Krankenversicherungspflicht aus, da sein regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die Jahresarbeitsentgeltgrenze des Jahres 2021 (= 64.350 EUR) überschreitet. Die zum 1.7.2021 aufgenommene Beschäftigung als Hausmeister ist bis zum 31.12.2021 kranken-, pflege- und rentenversicherungspflichtig. Die Krankenversicherungspflicht endet allerdings nur dann zum 31.12.2021, wenn das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt auch die Jahresarbeitsentgeltgrenze des Jahres 2022 überschreitet.

3.3.3 Krankenversicherungsfreie Hauptbeschäftigung/Hinzutritt einer oder mehrerer geringfügiger Beschäftigungen

In den Fällen, in denen ein wegen Überschreitens der Jahresarbeitsentgeltgrenze krankenversicherungsfreier Arbeitnehmer eine geringfügig entlohnte Beschäftigung aufnimmt, ist diese geringfügig entlohnte Beschäftigung krankenversicherungsfrei. Sie wird nicht mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet. Allerdings sind pauschale Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung zu entrichten. Zur Rentenversicherung ist zusätzlich ein Arbeitnehmerbeitragsanteil zu zahlen.

 
Praxis-Beispiel

Freiwillig krankenversicherter Arbeitnehmer übt mehrere Minijobs aus

Ein Arbeitnehmer ist seit 2011 freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert. Er übt eine Hauptbeschäftigung bei Arbeitgeber X (38 Std. gegen ein monatliches Arbeitsentgelt von aktuell 5.500 EUR) aus und nahm am 1.2.2019 eine geringfügig entlohnte Beschäftigung bei Arbeitgeber Y auf...

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