Italien / 1.4 Ausübung der Tätigkeit in Italien

Grundsätzlich wird der Arbeitslohn nur im Wohnsitzstaat Deutschland besteuert. Übt der Arbeitnehmer seine Tätigkeit aber in Italien aus, kann, wenn noch weitere Voraussetzungen vorliegen, der Tätigkeitsstaat Italien den Arbeitslohn besteuern. In Deutschland wäre der Arbeitslohn dann steuerfrei.

Der Ort der Arbeitsausübung ist grundsätzlich der Ort, an dem sich der Arbeitnehmer zur Ausführung seiner Tätigkeit persönlich aufhält. Unerheblich ist, woher oder wohin die Zahlung des Arbeitslohns geleistet wird oder wo der Arbeitgeber ansässig ist. Der Arbeitnehmer muss sich also für die Ausführung seiner Tätigkeit persönlich in Italien aufhalten.

1.4.1 Tätigkeit in Italien für einen in Deutschland ansässigen Arbeitgeber

Hat der Arbeitnehmer seinen Wohnsitz in Deutschland und übt seine Tätigkeit in Italien für einen in Deutschland ansässigen Arbeitgeber aus, wird der Arbeitslohn im Tätigkeitsstaat Italien besteuert, wenn sich der Arbeitnehmer dort insgesamt länger als 183 Tage während des betreffenden Steuerjahres aufhält (183-Tage-Frist). Im Wohnsitzstaat Deutschland ist der Arbeitslohn dann steuerfrei. Andernfalls wird der Arbeitslohn nur in Deutschland besteuert.

Aufenthalt länger als 183 Tage

Entscheidend ist die Dauer des Aufenthalts, nicht die Dauer der Ausübung der beruflichen Tätigkeit. Es kommt darauf an, ob der Arbeitnehmer an mehr als 183 Tagen in Italien anwesend ist. Dabei ist auch eine nur kurzfristige Anwesenheit an einem Tag als voller Aufenthaltstag zu berücksichtigen. Es muss sich nicht um einen zusammenhängenden Aufenthalt handeln, mehrere Aufenthalte sind zusammenzurechnen.

Volle Aufenthaltstage

Als volle Tage des Aufenthalts in Italien werden z. B. mitgezählt:

  • Tage der Ankunft und der Abreise, auch zwischenzeitlich, z. B. bei Wochenendheimfahrten,
  • alle Tage der Anwesenheit in Italien unmittelbar vor, während und unmittelbar nach der Tätigkeit, z. B. Samstage, Sonntage, gesetzliche Feiertage,
  • Tage der Anwesenheit in Italien während Arbeitsunterbrechungen, z. B. bei Streik, Aussperrung, Ausbleiben von Lieferungen oder Krankheit, es sei denn, die Krankheit steht der Abreise des Arbeitnehmers entgegen und er hätte ohne sie die Voraussetzungen für die Steuerbefreiung in Italien erfüllt,
  • Urlaubstage, die unmittelbar vor, während und nach oder in einem engen zeitlichen Zusammenhang mit der Tätigkeit in Italien verbracht werden.

Keine Aufenthaltstage

Nur Tage, die ausschließlich außerhalb von Italien verbracht werden, unabhängig davon, ob aus beruflichen oder aus privaten Gründen, werden nicht mitgezählt. Auch reine Transittage, also Tage der Durchreise, werden nicht mitgezählt.

 

Praxis-Beispiel

Wochenendheimfahrten

Arbeitnehmer A hat seinen Wohnsitz in Deutschland. Für seinen in Deutschland ansässigen Arbeitgeber ist A mehrere Monate lang jeweils von Montag bis Freitag in Italien tätig. Während dieser Zeit reist A an jedem Freitag nach der Arbeit zu seiner Familie nach Deutschland und kehrt jeweils am Sonntag wieder nach Italien zurück.

Ergebnis: Für die Berechnung der Aufenthaltsdauer nach der 183-Tage-Frist sind mitzuzählen

  • die Tage von Montag bis Donnerstag, da sich A an diesen Tagen in Italien aufhält, und
  • die Freitage und Sonntage, da sich A an diesen Tagen zumindest zeitweise in Italien aufhält.

Nicht mitzuzählen sind die Samstage, da sich A an diesen Tagen nicht in Italien aufhält.

 

Praxis-Beispiel

Urlaub

Arbeitnehmer A hat seinen Wohnsitz in Deutschland. Für seinen in Deutschland ansässigen Arbeitgeber ist A vom 2.1.-26.6. in Italien tätig. Während dieser Zeit hält sich A vom 7.-10.3. zu einem Urlaub in Deutschland auf. Vom 18.-24.5. macht A Urlaub in Italien. Nach Ende seiner Tätigkeit verbringt A vom 27.6.-12.7. noch einen weiteren Urlaub in Italien.

Ergebnis: Für die Berechnung der Aufenthaltsdauer nach der 183-Tage-Frist sind mitzuzählen

  • die Tage des Urlaubs vom 18.-24.5., da die Tage während der Tätigkeit in Italien verbracht werden, und
  • die Tage des Urlaubs vom 27.6.-12.7., da die Tage unmittelbar nach der Tätigkeit in Italien verbracht werden.

Nicht mitgezählt werden die Tage des Urlaubs vom 7.-10.3., da sich A an diesen Tagen nicht in Italien aufhält.

Aufenthalt im Steuerjahr

Relevanter Zeitraum für die Berechnung der 183-Tage-Frist ist das Steuerjahr. Steuerjahr ist in Deutschland das Kalenderjahr, also die Zeit vom 1.1. bis zum 31.12. jeden Jahres. In Italien ist dies ebenfalls so. Während dieses Zeitraums muss sich der Arbeitnehmer insgesamt länger als 183 Tage in Italien aufhalten. Die Aufenthaltstage müssen somit für jedes Steuerjahr gesondert ermittelt werden.

 

Praxis-Beispiel

Aufenthalt im Steuerjahr

Arbeitnehmer A hält sich für seine Tätigkeit vom 1.4.-10.10.2018 in Italien auf, Arbeitnehmer B hält sich vom 1.10.2018-10.4.2019 in Italien auf.

Ergebnis: Arbeitnehmer A erfüllt die 183-Tage-Frist im Steuerjahr 2018. Arbeitnehmer B erfüllt die 183-Tage-Frist weder im Steuerjahr 2018 noch im Steuerjahr 2019.

1.4.2 Tätigkeit in Italien für einen in Italien ansässigen Arbeitgeber

Hat der Arbeitnehmer seinen Wohnsitz in Deutschland und übt seine Tätigkeit in Italien für einen in Italien ansässigen Arbeitgeber aus, wird der Arbeitslohn im Tätigkeitss...

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