Innere Kündigung / 1 Innere Kündigung – der stille Rückzug

Die innere Kündigung eines Mitarbeiters bedeutet die innere (emotionale) Verabschiedung vom Unternehmen, unter Beibehaltung des Arbeitsplatzes. Innere Emigranten nehmen ihren Arbeitseinsatz und ihr Engagement bewusst, aber stillschweigend zurück; sie distanzieren sich vom Betriebsgeschehen und verhalten sich weitgehend passiv. Auf eine äußere (formale) Kündigung wird verzichtet, entweder aus Angst vor den mit einem Arbeitsplatzwechsel verbundenen Änderungen oder weil die Betreffenden befürchten, keinen anderen Arbeitsplatz zu finden und sich finanziell nicht verschlechtern möchten.

Wer sich einmal innerlich gegen sein bisheriges Unternehmen entschieden hat, wird kaum mehr große Initiative entwickeln oder Einsatzbereitschaft zeigen. Das Verhalten solcher Mitarbeiter wird eher zu einer weiteren Verschlechterung des Betriebsklimas und einer Demotivation anderer Mitarbeiter führen.

Die innere Kündigung ist ein Problem aller Mitarbeiterkategorien. Schätzungen über das Ausmaß der inneren Kündigung reichen von 20-60 % der Mitarbeiter. Eine Studie der Fachhochschule Rheinland-Pfalz hat ergeben, dass durchschnittlich 24 % der Mitarbeiter sich innerlich vom Unternehmen verabschiedet haben. Noch deutlicher sind die Werte der jährlich durchgeführten Gallup-Studie. Danach haben 15 % der Mitarbeiter keine emotionale Bindung an ihr Unternehmen und verhalten sich destruktiv. Nur 15 % der Beschäftigten verfügen über eine hohe emotionale Bindung und sind bereit, sich engagiert für ihren Arbeitgeber und dessen Ziele einzusetzen. Die Mehrheit der Arbeitnehmer (70 %) weist nur eine geringe emotionale Bindung mehr auf und leistet häufig nur "Dienst nach Vorschrift".

Der Anteil unzufriedener Mitarbeiter nimmt in der Hierarchie von oben nach unten zu. Die häufig anzutreffende Annahme, dass die innere Kündigung vorwiegend ein Problem älterer Mitarbeiter ist, trifft nicht zu. Eine Untersuchung des Münchner Psychologen Lutz von Rosenstiel zeigt, dass die innere Kündigung bei allen Alterskategorien anzutreffen ist, auch bei Berufsanfängern. Bei Hochschulabsolventen hängt die Arbeitszufriedenheit in den ersten Berufsjahren vor allem davon ab, ob der Einzelne an bedeutenden Projekten beteiligt wird, ob er Gelegenheit hat, sich positiv darzustellen und wie gut es gelingt, Kontakte zu wichtigen Personen im Unternehmen aufzubauen. Werden diese Ziele nicht erreicht, kommt es zu Enttäuschungen, zu fortschreitender Resignation und letztendlich zur inneren Kündigung bereits am Anfang des Berufslebens.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge