HR als Business-Partner & B... / 2 Probezeit

Autorin: Gabi Hanreich, Rechtsanwältin, München

2.1 Definition

Probezeit ist die Zeitspanne, in der geprüft wird, ob die Zusammenarbeit mit dem Mitarbeiter verlängert bzw. fortgesetzt werden soll. Die Probezeit kann durch eine Anstellung auf Probe oder durch eine Festlegung der Probezeit im Arbeitsvertrag vereinbart werden.

2.2 Sinn und Zweck

Egal, ob die Probezeit durch eine Anstellung auf Probe oder vorgeschaltet in einem unbefristeten Arbeitsvertrag vereinbart wird, sie dient dazu, den Mitarbeiter "zu erproben". Und natürlich auch als Orientierungsphase für den Mitarbeiter, der abprüft, ob er sich für den richtigen Arbeitgeber entschieden hat.

Nutzen Sie die Probezeit, um sicherzustellen, dass der/die neue/r Mitarbeiter/in die richtigen Kompetenzen für die Aufgabe mitbringt und sich gut in das Unternehmen einbringt. Versorgen Sie ihn mit spannenden Aufgaben, in welche er seine Talente einbringen kann und das Gefühl hat, geschätzt zu werden. Auch Sie müssen sich "verkaufen". Eine weniger als optimale Passung von Stelle und Mitarbeit verursacht dem Unternehmen im Verlauf der Folgejahre mehr Kosten, als diejenigen, die bei Kündigung und erneuter Stellenbesetzung entstehen.

Weiterführende Informationen zu den rechtlichen Vorgaben und Gestaltungsmöglichkeiten finden Sie hier.

2.3 FAQ's: Die wichtigsten Fragen und Antworten - Personaler

1. Für welche Dauer sollte eine Probezeit vereinbart werden?

Gesetzlich existiert für die Dauer der Probezeit keine Festlegung von Mindest- und Höchstgrenzen. Es gilt der allgemeine Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Danach kann bei einfacheren Tätigkeiten von einer dreimonatigen Dauer ausgegangen werden. Bei qualifizierteren Tätigkeiten wird in der Regel eine Probezeit von sechs Monaten vereinbart. Unverhältnismäßig ist die Vereinbarung einer Probezeit, wenn der Mitarbeiter zuvor im Rahmen eines Ausbildungsverhältnisses beschäftigt wurde. Etwas anderes gilt, wenn die neue Tätigkeit ein geändertes Aufgabenfeld beinhaltet.

 

Optional, sofern eine entsprechende tarifvertragliche Regelung Anwendung findet:

Soll der Mitarbeiter jedoch im Tarifkreis eingestellt werden, so ist zu beachten, dass der xy-Tarifvertrag (einschlägiger Tarifvertrag) vorschreibt, dass die Probezeit x Monate nicht überschreiten darf.

 

Optional, sofern das Kündigungsschutzgesetz im Betrieb Anwendung findet:

Von der Festlegung einer Probezeit über sechs Monate ist regelmäßig abzusehen, da nach Ablauf der sechsmonatigen Wartezeit der gesetzliche Kündigungsschutz eintritt. Eine erleichterte Loslösung vom Mitarbeiter ist danach nicht mehr möglich.

2. Welcher Urlaubsanspruch besteht während der Probezeit?

Auch in der Probezeit wird ein Urlaubsanspruch erworben. Allerdings entsteht dieser erst nach vierwöchiger ununterbrochener Dauer des Arbeitsverhältnisses. Der volle Anspruch auf den Jahresurlaub wird nach sechs Monaten erworben. Scheidet der Mitarbeiter vorher aus, kann er den anteiligen Urlaub verlangen.

3. Wie kann reagiert werden, wenn innerhalb der Probezeit noch keine abschließende Bewertung angegeben werden kann?

Bei einem unbefristeten Arbeitsvertrag mit vorgeschalteter Probezeit lässt sich eine Verlängerung dadurch erreichen, dass der Arbeitsvertrag vor Ablauf der Sechsmonatsfrist mit einer überschaubaren, längeren Frist (diese Kündigungsfrist sollte vier Monate nicht überschreiten) gekündigt und für den Fall der Bewährung eine Wiedereinstellungszusage gegeben wird. Anstelle der Kündigung ist auch ein Aufhebungsvertrag mit Wiedereinstellungszusage möglich.

Kann ein neuer Mitarbeiter in einem befristeten Probearbeitsverhältnis nicht abschließend bewertet werden, kann die Erprobung verlängert bzw. ein zweites befristetes Arbeitsverhältnis zur Erprobung vereinbart werden, wenn hierfür ein sachlicher Grund vorliegt. Der sachliche Grund ist grundsätzlich nur bei einem Wechsel der Tätigkeit, insbesondere bei der Zuweisung einer höherwertigen Arbeit gegeben, für die eine Erprobung notwendig ist. Bei Ausübung der gleichen Tätigkeit müssen besondere Umstände vorliegen. Dies kann in der Art der Arbeit (z. B. bei dringenden betrieblichen Gründen, die einer Einarbeitung entgegen standen) oder in der Person des Mitarbeiters (z. B. längere Krankheit) begründet sein.

Im Zweifel ist eher eine Trennung vom Mitarbeiter die bessere Lösung, denn dieser zeigt sich i. d. R. während der Probezeit von seiner "Schokoladenseite". Wenn die Probezeit nicht überzeugend ist, wird es danach meistens nicht besser!

4. Ist der Betriebsrat zu beteiligen, wenn die Probezeit verlängert wird?

Wird ein befristetes Arbeitsverhältnis verlängert oder in ein Arbeitsverhältnis auf unbestimmte Zeit umgewandelt, ist der Betriebsrat grundsätzlich nach § 99 BetrVG erneut zu beteiligen. Dies gilt allerdings nicht, wenn ein befristetes Probearbeitsverhältnis nach Ablauf der Probezeit in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis umgewandelt wird und dem Betriebsrat vor der Einstellung zur Probe mitgeteilt worden ist, dass der Mitarbeiter bei Bewährung auf unbestimmte Zeit weiterbeschäftigt werden soll.

5. Wie endet die Probezeit? Läuft sie automatisch aus oder muss ge...

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