Homeoffice / Arbeitsrecht

1 Rechtsgrundlage

Es existiert keine gesetzliche Regelung eines Anspruchs auf die Einrichtung und Unterhaltung eines Homeoffice-Arbeitsplatzes.

1.1 Einseitige Anordnung des Arbeitgebers

Das Direktionsrecht des Arbeitgebers umfasst zwar generell die Befugnis zur Bestimmung des Arbeitsorts. Da aber die Wohnung als intimste Privatsphäre des Arbeitnehmers besonderen Schutz genießt, kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer nicht einseitig zwingen, seine Privaträume als Büro zu benutzen.

1.2 Anspruch des Arbeitnehmers

Der Arbeitnehmer kann nur in Einzelfällen unter Umständen einen Anspruch auf Arbeit im Homeoffice geltend machen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn das Unternehmen das Homeoffice als generell vereinbar mit dem Organisationskonzept ansieht, dies entsprechend dokumentiert hat und eine Abwägung der beiderseitigen Interessen zugunsten des Arbeitnehmers ausgeht.

1.3 Einvernehmliche Vereinbarung

Rechtliche Grundlage ist in der Regel eine arbeitsvertragliche Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im gegenseitigen Einvernehmen.

Die Einhaltung der Schriftform für eine Homeoffice-Vereinbarung ist nicht vorgeschrieben, aber dringend zu empfehlen.

 

Hinweis

Inhalt der Vereinbarung zum Homeoffice

Neben der Arbeitszeit sollten vor allem die technische Einrichtung und Ausstattung des Homeoffice, eine Regelung über die Tragung der Kosten der Einrichtung sowie eventueller Aufwendungen des Arbeitnehmers (Mietkosten, Heizung, Strom, Internet, Telefon etc.) sowie ein Zutrittsrecht für den Arbeitgeber für die Einrichtung und Beurteilung des Arbeitsplatzes vereinbart werden. Das Zutrittsrecht ist auch für die Überprüfung der Einhaltung der arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften für den Arbeitgeber von Bedeutung.

1.4 Betriebsvereinbarung, Tarifvertrag

Auch wenn der individuelle Arbeitsvertrag keine Angaben zum Homeoffice enthält, können gegebenenfalls in einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung entsprechende Regelungen getroffen sein.

2 Abgrenzung zu Tele-, Bildschirm- und Heimarbeit

Die Begrifflichkeiten überschneiden sich teilweise, unterscheiden sich aber auch.

Eine Definition für Bildschirmarbeitsplätze findet sich in § 2 Abs. 5 ArbStättV. Es handelt sich hiernach um Arbeitsplätze, die sich in Arbeitsräumen befinden und die mit Bildschirmgeräten und sonstigen Arbeitsmitteln ausgestattet sind. Der Begriff der Bildschirmarbeit bezieht sich auf die konkrete Einrichtung des Arbeitsplatzes mit einem Bildschirm. Die Schutzvorschriften der ArbStättV gelten nur bei Angestelltenverhältnissen, greifen dann aber unabhängig davon, ob sich der Arbeitsplatz im Betrieb oder in der Wohnung des Arbeitnehmers befindet. Demgegenüber betrifft der Begriff des Homeoffice die Festlegung der Lage des Arbeitsplatzes in den Privaträumen des Arbeitnehmers. Häufig wird das Homeoffice mit einem Bildschirmarbeitsplatz ausgerüstet sein.

Unter dem Begriff Telearbeit werden verschiedene Arbeitsformen zusammengefasst, bei denen Mitarbeiter zumindest einen Teil der Arbeit außerhalb der Gebäude des Arbeitgebers verrichten. Es kann, aber es muss kein Angestelltenverhältnis bestehen. Die Definition des Homeoffice erfasst jedoch regelmäßig nur Arbeitsverhältnisse.

Heimarbeit ist nicht auf gewerbliche oder diesen vergleichbare Tätigkeiten beschränkt. Auch qualifizierte Angestelltentätigkeiten können Heimarbeit im Sinne von § 2 Abs. 1 Satz 1 HAG sein, wenn sie unter den Bedingungen der Heimarbeit ausgeführt werden. Heimarbeit und Homeoffice können sich somit überschneiden.

3 Arbeitsschutz

Beim Homeoffice im Angestelltenverhältnis gelten generell dieselben Arbeitsschutzvorschriften wie beim Arbeitsplatz im Betrieb. Dies sind insbesondere:

4 Kosten

Arbeitnehmer, die ihre Arbeitsleistung ganz oder teilweise von zu Hause aus erbringen, können zusätzlich zu ihrem vertraglichen Entgelt unter Umständen einen Anspruch auf Aufwendungsersatz für die Nutzung ihrer Wohnung haben. Rechtsgrundlage ist der allgemein anerkannte Aufwendungsersatzanspruch entsprechend § 670 BGB.

 

Praxis-Beispiel

Kostenübernahme durch Arbeitgeber

Hält der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer im Betrieb einen Arbeitsplatz vor und richtet der Arbeitnehmer dennoch im überwiegend eigenen Interesse einen häuslichen Arbeitsplatz ein, kann der Arbeitnehmer keinen Aufwendungsersatz hierfür verlangen.

Macht der Arbeitnehmer jedoch im Interesse des Arbeitgebers Aufwendungen für Arbeitsmittel (Kauf eines Schulbuches durch einen Lehrer), die nicht durch die Vergütung abgegolten sind, ist der Arbeitgeber in entsprechender Anwendung von § 670 BGB zum Ersatz dieser Aufwendungen verpflichtet, sofern diese zwingend für die sachgerechte Durchführung der Arbeit erforderlich sind.

Aus Gründen der Rechtssicherheit sollten klare vertragliche Regelungen bezüglich der Kostentragung für das Homeoffice zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer getroffen werden.

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