Hinzuverdienst / 2 Hinzuverdienstprüfung

Das Hinzuverdienstrecht bei Bezug einer Altersrente bis zum Monat des Erreichens der Regelaltersgrenze und bei Bezug einer Erwerbsminderungsrente wurde durch das Flexirentengesetz neu ausgerichtet. Seit 1.7.2017 gibt es u. a. bei vorgezogenen Altersrenten eine – in Ost und West einheitliche – kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze von 6.300 EUR (brutto). Wird diese Grenze überschritten, erfolgt eine stufenlose Anrechnung des Hinzuverdienstes auf die Rente. Durch diese Anrechnungsregelung wird verhindert, dass ein geringfügiges Überschreiten der Hinzuverdienstgrenze zu einem unverhältnismäßig großen Rentenverlust führt. Zudem werden unterjährige Schwankungen beim Hinzuverdienst durch die jährliche Hinzuverdienstgrenze besser ausgeglichen als nach dem bisherigen Recht. Seit diesem Zeitpunkt gibt es keine Alters-Teilrenten oder in teilweiser Höhe zu leistenden Erwerbsminderungsrenten in Stufen mehr, sondern jeden beliebigen Anteil, der sich aus der Hinzuverdienstberücksichtigung ergibt.

 
Achtung

Höhere Hinzuverdienstgrenzen bei vorgezogenen Altersrenten im Jahr 2020 und 2021

An die Stelle der kalenderjährlichen Hinzuverdienstgrenze von 6.300 EUR tritt im Jahr 2021 eine kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze von 46.060 EUR (2020: 44.590 EUR). Zur Anrechnung auf die Rente und somit zu einer Teilrente kommt es erst, wenn der Hinzuverdienst neben der Rente diesen Betrag überschreitet. Im Kalenderjahr 2022 soll wieder eine Hinzuverdienstgrenze von 6.300 EUR gelten.

Die höhere Hinzuverdienstgrenze für dies Jahre 2020 und 2021 gilt nur für vorgezogene Altersrenten, nicht hingegen für Erwerbsminderungsrenten.

2.1 Altersrenten

2.1.1 Hinzuverdienstgrenze von 46.060 EUR im Jahr 2021

Zunächst wird der Hinzuverdienst innerhalb eines Kalenderjahres neben der Altersrente betrachtet und geprüft, ob dieser Hinzuverdienst die kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze von 46.060 EUR übersteigt. Ist dies nicht der Fall, besteht in dem jeweiligen Kalenderjahr Anspruch auf Altersvollrente. Wird die Hinzuverdienstgrenze von 46.060 EUR überschritten, ist der übersteigende Betrag festzustellen und – um ihn auf Monatsbasis umzurechnen – durch 12 zu teilen. Von diesem Betrag werden 40 % auf die Vollrente angerechnet. Verbleibt nach der Anrechnung ein Restbetrag, ist dies die stufenlose Teilrente im Kalenderjahr.

2.1.2 Jahresgrenze 46.060 EUR

Es handelt sich bei der Hinzuverdienstgrenze in Höhe von 46.060 EUR (brutto) um eine Jahresgrenze. Sie gilt auch, wenn

  • eine Altersrente nicht zu Jahresanfang beginnt,
  • Hinzuverdienst erst im Laufe des Kalenderjahres hinzutritt oder
  • Hinzuverdienst nur zum Monat des Erreichens der Regelaltersgrenze zu berücksichtigen ist.
 
Praxis-Beispiel

Zulässiger Hinzuverdienst bei Altersvollrente

Eine vorgezogene Altersrente beginnt am 1.4.2021. Die Regelaltersgrenze wird im November 2021 erreicht. Wie hoch ist der zulässige Hinzuverdienst für eine Altersvollrente?

Ergebnis: Von April 2021 bis November 2021 können insgesamt 46.060 EUR (brutto) hinzuverdient werden. Wird diese Hinzuverdienstgrenze nicht überschritten, besteht Anspruch auf die volle Altersrente in allen 8 Kalendermonaten des Jahres 2021. Dabei spielt es keine Rolle, wie sich der Hinzuverdienst in den Monaten verteilt.

Ab Dezember 2021 – dem Monat nach Erreichen der Regelaltersgrenze – kann unbeschränkt hinzuverdient werden.

 
Praxis-Beispiel

Zulässiger Hinzuverdienst bei Altersvollrente

Rentenbeginn nach Vollendung des 63. Lebensjahres am 1.5.2021. Der Versicherte beabsichtigt neben der Altersrente hinzuzuverdienen und erkundigt sich nach dem maximal möglichen Hinzuverdienst für eine Vollrente. Ab dem Jahr 2022 beabsichtigt er keinen Hinzuverdienst mehr zu erzielen.

Ergebnis: Der maximal mögliche Hinzuverdienst für eine Altersrente als Vollrente beträgt 46.060 EUR. Es spielt keine Rolle, wie sich dieser Hinzuverdienst ab 1.5.2021 bis 31.12.2021 verteilt.

Teilrente auch in Monaten ohne Hinzuverdienst

Durch die Kalenderjahresbetrachtung kann auch in den Monaten eine Teilrente zu zahlen sein, in denen kein Hinzuverdienst erzielt wurde.

 
Praxis-Beispiel

Hinzuverdienstprüfung – Jahresbetrachtung

Rentenbeginn nach Vollendung des 63. Lebensjahres am 1.1.2021. Die monatliche Bruttorente beträgt 1.800 EUR. Daneben wird bis 31.10.2021 eine Beschäftigung mit einem Verdienst von 5.000 EUR/Monat ausgeübt (für 10 Monate: 50.000 EUR).

Ergebnis: Der Hinzuverdienst im Kalenderjahr 2021 überschreitet die Hinzuverdienstgrenze für die Vollrente um 3.940 EUR (50.000 EUR – 46.060 EUR). Dieser überschießende Betrag ist auf Monatsbasis umzurechnen, indem er durch 12 geteilt wird: Ergebnis 328,33 EUR. Davon werden 40 % auf die Vollrente angerechnet, d. h. 131,33 EUR. Das Ergebnis ist eine monatliche Teilrente von 1.668,67 EUR (1.800 EUR – 131,33 EUR). Diese Teilrente ist – da keine Monatsbetrachtung erfolgt – auch für die Monate ohne Hinzuverdienst 11/2021 und 12/2021 zu zahlen. Anspruch auf Altersvollrente besteht erst ab 1.1.2022, da in diesem Kalenderjahr kein Hinzuverdienst vorliegt.

2.1.3 Hinzuverdienstdeckel

Der Hinzuverdienstdeckel ist bei Altersrenten in den Jahren 2020 und 2021 nicht zu prüfen. Gleichwohl enthält die...

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