Haltungsanalyse im BGM / 3 Biomechanik

Ein Mangel an Bewegung oder ungünstige Arbeitshaltungen, wie sie z. B. beim Heben und Tragen vorkommen können, führen häufig zu Fehlbelastungen des Haltungs- und Bewegungsapparats. Die Folge können Verspannungen, Muskelschmerzen, aber auch überbeanspruchte Bänder, Bandscheiben, Gelenke oder Knochen sein.

So ist beispielsweise die menschliche Wirbelsäule gemeinhin für eine aufrechte Körperhaltung geschaffen und für schweres Heben und Tragen nur bedingt geeignet. Um Schädigungen der Wirbelsäule durch eine falsche Körperhaltung zu vermeiden, ist es daher zwingend notwendig, die richtige Hebe- und Tragetechnik zu kennen und diese auch im betrieblichen Alltag einzusetzen. Hierzu ist jedoch zunächst ein Blick auf die Wirbelsäulenbelastung bei verschiedenen Hebe- und Tragetechniken zu werfen.

Grundsätzlich lässt sich diesbezüglich konstatieren, dass die Belastung beim Heben und Tragen von folgenden Parametern abhängt:[1]

  1. Gewicht (Oberkörpergewicht + Zusatzgewicht),
  2. Vorbeugewinkel der Wirbelsäule zur Vertikalen (Stellung des Beckens),
  3. Flexionswinkel der einzelnen Wirbel zueinander (Krümmung).

Mithilfe von Belastungsmessungen an der Wirbelsäule (intradiskale Druckmessungen), die bei verschiedenen Tätigkeiten durchgeführt wurden, konnte mit Zunahme der o. g. Parameter ein Ansteigen des Bandscheibendrucks festgestellt werden.[2] Da der intradiskale Druck von allen Messgrößen aller Wahrscheinlichkeit nach derjenige ist, welcher die Wirbelsäulenbelastung am besten widerspiegelt, lässt sich aus diesen Untersuchungen Folgendes ableiten: Die geringste Belastung der Wirbelsäule liegt dann vor, wenn ein gegebenes Gewicht körpernah, in aufrechter Haltung und unter dynamischem Einsatz der Knie- und Hüftstreckschlinge angehoben bzw. getragen wird. Dadurch kommt es zu einer nahezu axialen Lasteinleitung in die Wirbelsäule und es wirken in erster Linie Druckkräfte. Mit wachsender Vorbeugung der Wirbelsäule nehmen der Lastarm und damit auch das nach vorn beugende Drehmoment zu, sodass für die Einhaltung einer geraden Rückenhaltung eine entsprechend ansteigende isometrische Kraft der Rückenstrecker erforderlich ist, um die Belastungen tolerieren zu können. Wird beim Vorbeugen nun noch zusätzlich die Wirbelsäule gekrümmt, was beispielsweise aufgrund einer zu schwachen Haltemuskulatur der Fall sein kann, wird die Bandscheibe im vorderen Bereich gestaucht, wodurch es zu einer deutlichen Druckerhöhung kommt und gleichzeitig die hinteren Strukturen erhöhte Zugkräfte erfahren. Dies kann beim Einwirken hoher Kräfte unter Umständen zu Schädigungen verschiedener Gewebsstrukturen wie z. B. der Bandscheibe führen.[3] Zur Vermeidung von erhöhten Druckbelastungen und zur Durchführung eines ergonomisch zweckmäßigen Verhaltens sind daher die oben genannten Faktoren zu berücksichtigen.

[1] Gottlob: Differenziertes Krafttraining. Mit Schwerpunkt Wirbelsäule, 2. Aufl., Urban & Fischer, München 2007.
[2] Wilke/Neef/Caimi/Hoogland/Claes (1999): New intradiscal pressure measurements in vivo during daily activities. Spine Volume 24, Number 8, S. 755-762.
[3] Gottlob: Differenziertes Krafttraining. Mit Schwerpunkt Wirbelsäule, 2. Aufl., Urban & Fischer, München 2007.

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