Gesundheit im Büro - Fragen... / 9.4 Erste Hilfe – auch im Büro?

In jedem Unternehmen – auch in Verwaltungen, Büros – können Gefährdungen auftreten, die erkannt und abgewendet werden müssen.

Der Unternehmer hat für die Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren und für eine wirksame Erste Hilfe zu sorgen. Die zu treffenden Maßnahmen sind insbesondere in staatlichen Arbeitsschutzvorschriften und in weiteren Unfallverhütungsvorschriften näher bestimmt. Auch das Thema "Erste Hilfe" ist für jedes Unternehmen sehr wichtig.

Rettungskette

Wenn Menschen Hilfe brauchen, sei es durch einen Unfall oder auch durch die Folgen einer Erkrankung, müssen geeignete Vorkehrungen getroffen worden sein. Die einzelnen Schritte der Hilfe greifen wie Glieder einer Kette ineinander und sorgen dafür, dass Betroffene schnelle Hilfe – bis hin zur Behandlung im Krankenhaus – erhalten. Die Bedeutung der Ersten Hilfe zeigen die ersten zwei Glieder der Rettungskette: Sofortmaßnahmen plus Notruf und Erste Hilfe (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Rettungskette (© VBG)

In vielen Fällen zählt jede Minute. So sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit beim Herzstillstand circa um 10 Prozent je Minute. Daher muss die Erste Hilfe schnell und wirksam sein.

Die Erste Hilfe im Betrieb umfasst personelle, materielle und organisatorische Maßnahmen.

Personelle Maßnahmen

Ersthelfer

Im Betrieb ist jeweils der unmittelbare Kollege der Erste am Ort des Geschehens. Deshalb ist es dringend erforderlich, gut ausgebildete Ersthelfer vor Ort zu haben.

Die Ausbildung zum Ersthelfer umfasst acht Doppelstunden und erstreckt sich auf das gesamte Unfallgeschehen im Unternehmen, vom leichten Unfall bis zum Notfall, von der Verletzung durch mechanische Einwirkungen über solche durch thermische und chemische Einwirkungen bis hin zu Unfällen durch elektrischen Strom. Auch für den Notfall aufgrund einer akuten, nicht betriebsbedingten Erkrankung – zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall – muss der Ersthelfer im Betrieb gewappnet sein.

Damit bei den betrieblichen Ersthelfern die erworbenen Kenntnisse im Lauf der Jahre nicht allmählich in Vergessenheit geraten, sind regelmäßige Fortbildungen (Umfang: vier Doppelstunden) innerhalb von zwei Jahren notwendig und zwingend vorgeschrieben. Die Lehrgangsgebühren für die Erste-Hilfe-Aus- und Fortbildung werden von den Unfallversicherungsträgern übernommen.

Anzahl der Ersthelfer im Betrieb:

Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass für die Erste-Hilfe-Leistung Ersthelfer in mindestens folgender Zahl zur Verfügung stehen:

  • Bei 2 bis 20 anwesenden Versicherten ein Ersthelfer
  • Bei mehr als 20 anwesenden Versicherten

    • in Verwaltungs- und Handelsbetrieben 5 Prozent der Anzahl der anwesenden Versicherten
    • in sonstigen Betrieben 10 Prozent der Anzahl der anwesenden Versicherten

Die Ersthelfer müssen bei einer vom Unfallversicherungsträger zugelassenen (ermächtigten) Stelle aus- und fortgebildet werden. Kontaktdaten zugelassener Ausbildungsorganisationen finden Sie im DGUV-Portal Fachbereich Erste Hilfe unter "Ausbildungsstellen für Ersthelfer".

Materielle Maßnahmen

Meldeeinrichtungen

Damit die Rettungskette sicher funktioniert, sind geeignete Notrufmöglichkeiten zur Alarmierung des Rettungsdienstes vorzuhalten. Die gebräuchlichste und in der Regel in Bürobereichen ausreichende Meldeeinrichtung ist das Telefon.

Auch dann, wenn Arbeiten allein nur von einer Person durchgeführt werden, hat der Unternehmer die Erste Hilfe durch wirksame Maßnahmen sicherzustellen. Die entsprechenden Meldeeinrichtungen können – je nach Gefährdungsbeurteilung – vom Telefon über Sprechfunkgeräte bis hin zur willensunabhängigen Personen-Notsignal-Anlage reichen. Auch in Bürobereichen ist zu gewährleisten, dass der Rettungsdienst den Notfallort jederzeit erreichen kann.

Erste-Hilfe-Material

Als Erste-Hilfe-Material ist in erster Linie das Verbandmaterial zu nennen, das in geeigneten Behältnissen – zum Beispiel Verbandkasten – aufbewahrt wird. Je nach Betriebsgröße und betrieblichen Gefahren müssen ein oder mehrere Betriebsverbandkästen gut zugänglich bereitgehalten werden.

Der Mindestinhalt im Verbandkasten ist in Normen festgelegt – zum Beispiel in DIN 13157 (kleiner Verbandkasten C) sowie in DIN 13169 (großer Verbandkasten E). Beide Verbandkästen unterscheiden sich nicht in der Art des Verbandmaterials, nur in der Menge. Zwei kleine Verbandkästen ersetzen einen großen. Medikamente – wie zum Beispiel Schmerzmittel – gehören n i c h t in den Verbandkasten!

Als Mindestanforderungen für Bürobereiche gelten:

  • 1 bis 50 Beschäftigte: ein kleiner Verbandkasten (DIN 13157)
  • 51 bis 300 Beschäftigte: ein großer Verbandkasten (DIN 13169)
  • Je weitere 300 Beschäftigte: zusätzlich ein großer Verbandkasten

Für Tätigkeiten im Außendienst wird in den Fahrzeugen der Kraftwagen-Verbandkasten (DIN 13164) verwendet.

Eine ständig wachsende Zahl von Unternehmen beschäftigt sich mit dem Thema "Automatisierte Externe Defibrillatoren (AED)". Im Rahmen der Organisation der Ersten Hilfe haben bereits viele größere Unternehmen Defibrillat...

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