Frotscher/Geurts, EStG § 9b... / 3.4.4 Rückwirkende Eröffnung des Vorsteuerabzugs durch spätere Option zur Regelversteuerung (§ 19 Abs. 2 UStG)
 

Rz. 53

Die noch bis zur Unanfechtbarkeit der Steuerfestsetzung mögliche Option zur Regelversteuerung nach § 19 Abs. 2 UStG kann der Kleinunternehmer – innerhalb der Festsetzungsfrist – u. U. noch nach Jahren für ein früheres Jahr erklären. Eine Steuerfestsetzung findet nämlich bei den Kleinunternehmern nicht statt. Die Option hat dann die Behandlung als Regelversteuerer für das Jahr, für das optiert wurde, und für mindestens weitere 4 Jahre zur Folge. Damit ist grundsätzlich auch für alle diese Jahre der Vorsteuerabzug eröffnet. Da bis zum Zeitpunkt der Optionserklärung die Vorsteuern als nicht abzugsfähig zu betrachten waren, gehörten sie nach § 9b Abs. 1 EStG zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Wirtschaftsguts, für das sie angefallen waren. Durch die Option scheiden sie aus den Anschaffungs- oder Herstellungskosten aus, und zwar mit Rückwirkung.  Beim Vermögensvergleich hat dieses bei den Anschaffungs- oder Herstellungskosten und bei den Betriebseinnahmen rückwirkend zu geschehen. Bei Überschussrechnungen sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten ebenfalls rückwirkend zu ändern, für die (Betriebs-)Einnahmen gilt dagegen das Zuflussprinzip.

 

Rz. 54

Beim rückwirkenden Wegfall des Vorsteuerabzugs durch Widerruf der Option nach § 19 Abs. 2 UStG gilt Entsprechendes in umgekehrter Richtung.

 

Rz. 55

Verfahrensrechtlich sind die einkommensteuerrechtlichen Auswirkungen der Option bzw. ihres Widerrufs durch Änderung der betroffenen ESt-, KSt- oder Feststellungsbescheide nach § 175 Abs. 1 Nr. 2 AO zu vollziehen. Die Option und ihr Widerruf sind als Ereignisse mit steuerlicher Rückwirkung anzusehen.

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