Frotscher/Geurts, EStG § 7g... / 1.4 Steuerliche und handelsbilanzielle Auswirkungen vor und nach Inkrafttreten des BilMoG
 

Rz. 5

Spätestens für Investitionen für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2009 beginnen, ist aus handelsbilanzieller Sicht das BilMoG zu beachten; dieses erlaubt für nach dem 31.12.2009 beginnende Wirtschaftsjahre steuerrechtliche Sonderabschreibungen handelsrechtlich nicht mehr und sieht für steuerliche Zwecke gem. § 5 Abs. 1 S. 2 EStG (i. d. F. des BilMoG) die Aufnahme der Wirtschaftsgüter mit von der Handelsbilanz abweichender Bewertung in ein besonderes Verzeichnis vor.

Bei einer Investition in einem (noch) in 2009 endenden Wirtschaftsjahr stimmt wegen der Geltung der umgekehrten Maßgeblichkeit für Einzelunternehmen und Personengesellschaften, die nicht unter § 264a HGB fallen, über die Öffnungsklauseln in § 247 Abs. 3, § 254 HGB, demgegenüber die Handelsbilanz mit der Steuerbilanz überein, es sei denn, der Stpfl. hat freiwillig eine frühere Anwendung der Regelungen des BilMoG gewählt; dies ist für Wirtschaftsjahre möglich, die ab dem 1.1.2009 beginnen. Kapital- und Personengesellschaften dürfen, wegen der Abhängigkeit des Ansatzes von steuerlichen Wahlrechten in den Vorschriften der §§ 273, 279 HGB ab in 2009 endenden Wirtschaftsjahren steuerliche Wahlrechte nicht in der Handelsbilanz ansetzen (§ 5 Abs. 1 S. 1 2. Halbs. EStG). Somit wird das handelsrechtliche Eigenkapital bis zur Vornahme der Investition nicht gemindert; handelsrechtlich besteht insoweit also keine Ausschüttungssperre. Allerdings kann handelsrechtlich ein Posten für passive latente Steuern zu bilden sein.

Daraus folgt: Bei nachträglicher Korrektur bzw. bei einem nachträglich nach Abgabe der Gewinnermittlung geltend gemachten Investitionsabzugsbetrag müssen nicht mehr die Voraussetzungen der Bilanzberichtigung bzw. -änderung beachtet werden, da die Bilanz nicht geändert werden muss. Eine Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5, 6 EStG kann indes nach § 4 Abs. 2 EStG noch im Rahmen und unter den Voraussetzungen einer Bilanzberichtigung nachgeholt werden.

 
Praxis-Beispiel

Auswirkung des BilMoG auf § 7g EStG

Gewerbetreibender G (Betriebsvermögen am 31.12.2008: 200.000 EUR, 31.12.2009: 250.000 EUR) beabsichtigt 2008 die Anschaffung eines ausschließlich betrieblich zu nutzenden Pkw im Jahr 2009 (voraussichtliche Anschaffungskosten 100.000 EUR, Nutzungsdauer 6 Jahre). G schafft den Pkw im Januar 2009 tatsächlich an; G wählt nicht die freiwillige (frühere) Anwendung des BilMoG ab 2009 und will so viel wie möglich in 2008 abschreiben.

Lösung:

Ein außerbilanzieller Investitionsabzugsbetrag ist für 2008 zulässig, da das Betriebsvermögen am 31.12.2008 nicht mehr als 235.000 EUR beträgt.

Auch eine Sonderabschreibung gem. § 7g Abs. 5 EStG ist (im Vz 2009) zulässig, da das Betriebsvermögen am 1.1.2009 nicht höher als 335.000 EUR war (2009 und 2010 galten erhöhte Größenmerkmale).

Die Auflösung des Investitionsabzugs im Investitionsjahr ist gem. § 7g Abs. 2 S. 1 EStG außerbilanziell vorzunehmen, die mögliche Absetzung von den Anschaffungskosten (AK) bilanziell:

 
Außerbilanzielle Gewinnänderungen 2008 EUR 2009 EUR
voraussichtliche AK 100.000 EUR × 40 %, § 7g Abs. 1 EStG ./. 40.000  
Auflösung im Jahr der Investition, § 7g Abs. 2 S. 1 EStG   + 40.000
 
Bilanzielle Änderungen   2009
    Handelsbilanz = Steuerbilanz
Zugang Pkw Januar 2009   100.000
gewinnmindernde Absetzung von AK, § 7g Abs. 2 S. 2 EStG (Maximalbetrag)   ./. 40.000
= AfA-Bemessungsgrundlage, § 7g Abs. 2 S. 2 EStG   = 60.000
degressive AfA 25 %, § 7 Abs. 2 EStG   ./. 15.000
Sonderabschreibung max. 20 % AK, § 7g Abs. 5, 6 EStG   ./. 12.000
Buchwert 31.12.2009   33.000
Summe Gewinnauswirkung 2009   ./. 27.000
Summe der Abschreibungen einschließlich des Investitionsjahrs   67.000 (67 %)

Abwandlung: Änderungen durch das BilMoG in der Handelsbilanz

G schafft den Pkw erst im Januar 2010 an.

Lösung:

Ein Investitionsabzugsbetrag ist für 2008 zulässig, da das Betriebsvermögen am 31.12.2008 nicht mehr als 235.000 EUR betrug.

Eine Sonderabschreibung gem. § 7g Abs. 5 EStG ist im Vz 2010 zulässig, da das Betriebsvermögen am 31.12.2009 nicht mehr als 335.000 EUR beträgt.

Für 2010 sind die Auswirkungen des BilMoG zu berücksichtigen, die sich wie folgt darstellen:

 
Außerbilanzielle Gewinnänderungen 2008 EUR 2010 EUR
voraussichtliche AK 100.000 EUR × 40 %, § 7g Abs. 1 EStG ./. 40.000  
außerbilanzielle Auflösung im Jahr der Investition, § 7g Abs. 2 S. 1 EStG   + 40.000
 
Bilanzielle Änderungen 2010
  Handelsbilanz Steuerbilanz
Zugang Pkw Januar 2010 100.000 100.000
gewinnmindernde Absetzung von AK, § 7g Abs. 2 S. 2 EStG, max. 40 %   ./. 40.000
= AfA-Bemessungsgrundlage, § 7g Abs. 2 S. 2 EStG   = 60.000
degressive AfA 25 % ./. 25.000 ./. 15.000
Sonderabschreibung max. 20 % AK, § 7g Abs. 5, 6 EStG   ./. 12.000
Buchwert 31.12.2010 75.000 33.000
Summe Gewinnauswirkung 2010 ./. 25.000 ./. 27.000

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