Frotscher/Geurts, EStG § 4b... / 1.3 Wirtschaftliche Bedeutung
 

Rz. 6

Die betriebliche Altersversorgung als Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversicherung gewinnt zunehmend an Bedeutung, insbesondere seit das gesetzliche Rentenversicherungssystem durch die demografische Entwicklung und andere Ursachen – vor allem Belastungen mit versicherungsfremden Ausgaben – in Finanzierungsschwierigkeiten geraten ist (Vor § 4b EStG Rz. 12).

 

Rz. 7

Die Direktversicherung zeichnet sich gegenüber anderen Formen betrieblicher Altersvorsorge wie der Pensionszusage und der Errichtung von Versorgungswerken durch Pensions- oder Unterstützungskassen und Pensionsfonds für den Arbeitgeber dadurch aus, dass sie einzelfallbezogen, aber dennoch mit überschaubarem Risiko gewährt werden kann. Während bei den Versorgungswerken über Pensions- oder Unterstützungskassen eine annehmbare Risikostreuung erst ab einer gewissen Größenordnung des zu versorgenden Personenkreises erreicht werden kann und auch das Risiko infolge einer Pensionszusage erst dann überschaubar wird, wenn ein bestimmter Mindestbestand an Pensionszusagen gewährleistet, dass eine mittlere Laufzeit der Versorgungszusagen erreicht werden kann, bietet die Direktversicherung dem Unternehmer eine Versorgungsmöglichkeit für einzelne Arbeitnehmer mit genau überschaubarem finanziellen Aufwand. Auch die im BetrAVG enthaltene Möglichkeit einer beitragsorientierten Versorgungszusage (Vor § 4b EStG Rz. 35) bietet – jedenfalls bei Koppelung mit einer Mindestzusage – einzelfallbezogen keine adäquate Risikominderung. Die Direktversicherung eignet sich deshalb in besonderem Maß für kleinere und mittlere Betriebe. Für den Arbeitnehmer bietet die Direktversicherung insbesondere gegenüber der Direktzusage und der Versorgung durch eine Unterstützungskasse den Vorteil, dass im Versorgungszeitraum keine Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Prosperität des Arbeitgebers besteht.

Seit dem 1.1.2018 lässt sich über eine Direktversicherung auch die mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz[1] neu eingeführte "reine Beitragszusage" nach § 1 Abs. 2 Nr. 2a BetrAVG im Rahmen eines Sozialpartnermodells umsetzen. Dadurch kann erreicht werden, dass sich die Haftung des Arbeitgebers auf die vertraglich vereinbarte Zahlung von Beiträgen beschränkt.

[1] G. zur Stärkung der betrieblichen Altersversorgung und zur Änderung anderer Gesetze v. 17.8.2017, BGBl I 2017, 3214.

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