Frotscher/Geurts, EStG § 40... / 3.1 Pauschalierung bei kurzfristiger Beschäftigung (Abs. 1)
 

Rz. 19

§ 40a Abs. 1 EStG ermöglicht die Pauschalierung für kurzfristig beschäftigte Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber muss hierzu auf den Abruf der elektronischen LSt-Abzugsmerkmale oder die Vorlage einer Bescheinigung für den LSt-Abzug verzichten (Rz. 9).

Der Begriff "kurzfristige Beschäftigung" ist in § 40a Abs. 1 S. 2 EStG definiert. Es müssen kumulativ 3 Tatbestandsmerkmale vorliegen, wobei das dritte Tatbestandsmerkmal 2 Alternativen enthält. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt danach vor, wenn

  • der Arbeitnehmer bei dem Arbeitgeber gelegentlich, nicht regelmäßig wiederkehrend beschäftigt ist und
  • die Dauer der Beschäftigung 18 zusammenhängende Arbeitstage nicht übersteigt und
  • der durchschnittliche Arbeitslohn 62 EUR je Arbeitstag nicht übersteigt oder die Beschäftigung zu einem unvorhersehbaren Zeitpunkt sofort erforderlich wird.
 

Rz. 20

Die Pauschalierung nach § 40a Abs. 1 EStG setzt eine gelegentliche, nicht regelmäßig wiederkehrende Beschäftigung voraus. Sie wird dadurch auf Aushilfstätigkeiten beschränkt. Der Begriff "gelegentlich" wird durch den Zusatz "nicht regelmäßig wiederkehrend" erläutert; eine gelegentliche Beschäftigung ist also eine solche, die nicht regelmäßig wiederkehrt.

Eine von vornherein geplante Wiederholung führt zu einer regelmäßig wiederkehrenden Beschäftigung und schließt die Pauschalierung aus. Dies gilt auch dann, wenn zwischen den verschiedenen Beschäftigungsabschnitten unterschiedlich lange Zwischenräume liegen. Wird die Beschäftigung dagegen jeweils aufgrund eines neuen Entschlusses von Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgenommen, so ist sie nicht regelmäßig wiederkehrend, auch wenn dies mehrfach im Kj. erfolgt. Die Finanzverwaltung sieht aus Vereinfachungsgründen bis zu vier Beschäftigungen im Jahr noch als gelegentlich an, auch wenn sie bei der zulässigen Höchstdauer von 18 Arbeitstagen insgesamt 72 Arbeitstage im Kj. (ca. 1/3 der normalen Arbeitszeit) umfassen. Bei einer größeren Anzahl von Beschäftigungen soll die Pauschalierung dagegen ausgeschlossen sein. Der Auffassung der Finanzverwaltung ist für den Regelfall zuzustimmen; im Einzelfall kann jedoch insbesondere bei sehr kurzen Beschäftigungsverhältnissen eine gelegentliche Beschäftigung auch bei mehr als 3 Wiederholungen vorliegen.

 

Rz. 21

Die Dauer der Beschäftigung darf 18 zusammenhängende Arbeitstage nicht übersteigen.

Arbeitstag bezeichnet den Zeitraum, den der Arbeitnehmer ununterbrochen, d. h. ohne längere Ruhephase, arbeitet. Der Arbeitstag kann sich daher bei einer Nachtschicht auch auf 2 Kalendertage erstrecken; von nur einem Arbeitstag ist jedoch dann nicht mehr auszugehen, wenn nicht eine einzige Nachtschicht, sondern diese i. V. m. einer sich unmittelbar anschließenden weiteren Schicht oder eine sich auf 3 Kalendertage erstreckende Arbeitsdauer zu beurteilen ist.

Zusammenhängende Arbeitstage sind alle aufeinander folgenden Arbeitstage des einheitlichen Beschäftigungsverhältnisses. Es ist nicht erforderlich, dass an allen diesen Arbeitstagen tatsächlich gearbeitet wird. Bei der Berechnung der Arbeitstage kommt es nicht darauf an, wie lange der Arbeitnehmer an den einzelnen Arbeitstagen gearbeitet hat. Tage, an denen üblicherweise oder nach den Verhältnissen des Betriebs nicht gearbeitet wird, sind bei der Berechnung nicht mitzuzählen (z. B. Sonnabende, Sonn- und Feiertage sowie sog. "Brückentage"). Krankheitstage sind dagegen in die Berechnung einzubeziehen, ebenso Urlaubstage, wenn für sie Arbeitslohn weitergezahlt wird.

Abzustellen ist auf die tatsächliche Dauer der Beschäftigung. Wird die Grenze von 18 Arbeitstagen überschritten, so ist die Pauschalierung unzulässig; dies gilt unabhängig davon, ob die Überschreitung von Anfang an geplant war. Dauert die Beschäftigung länger als 18 Arbeitstage, so kann sie nicht in mehrere selbstständige, zeitlich aufeinander folgende Beschäftigungen aufgeteilt werden, weil es in diesem Fall an einer gelegentlichen, nicht regelmäßig wiederkehrenden Beschäftigung fehlt.

 

Rz. 22

Der durchschnittliche Arbeitslohn darf 62 EUR pro Arbeitstag (Rz. 21) nicht überschreiten. In die Berechnung des durchschnittlichen Arbeitslohns sind Einmalzahlungen, Direktversicherungsbeiträge und Gruppenunfallversicherungsbeiträge einzubeziehen, auch wenn sie pauschal besteuert werden. Durch den ab dem 1.1.2015 geltenden Mindestlohn i. H. v. 8,50 EUR je Zeitstunde nach § 1 Abs. 2 S. 1 MiLoG ist der Umfang der pauschalierungsfähigen kurzfristigen Beschäftigung auf durchschnittlich weniger als 8 Stunden pro Arbeitstag eingeschränkt worden.

 

Rz. 23

Der Berechnung des durchschnittlichen Arbeitslohns ist die Zahl der tatsächlichen Beschäftigungstage zugrunde zu legen, nicht der Zeitraum, in dem sie geleistet werden.

 

Praxis-Beispiel

Berechnung des durchschnittlichen Arbeitslohns

Der Arbeitnehmer wird während 3 Wochen jeweils an 2 Arbeitstagen beschäftigt. Er erhält hierfür 400 EUR. Die Pauschalierung ist nicht zulässig. Der durchschnittliche Arbeitslohn beträgt 400 EUR : 6 Tage = 66,66 EUR pro Tag und ist damit höher al...

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