Frotscher/Geurts, EStG § 17... / 3.2.4.2.2.6 Finanzplandarlehen
 

Rz. 260

Ebenfalls gesellschaftsrechtlich veranlasst sind Darlehen, die, unabhängig von einer Krise, im Rahmen des Finanzplans von vornherein zur Finanzierung des Gesellschaftszwecks gegeben werden ("Finanzplandarlehen"). Diese Finanzplandarlehen sind aufgrund einer rechtlichen Bewertung aller maßgeblichen Umstände gesellschaftsrechtlich den Einlagen gleichzustellen und daher auch steuerrechtlich als gesellschaftsrechtlich veranlasst anzusehen. Merkmale für das Vorliegen eines Finanz­plandarlehens sind:

  • Unentbehrlichkeit für die Erreichung des Gesellschaftszwecks; maßgebend ist, ob nach der Einschätzung der Gesellschafter das Darlehen für die Erreichung des Gesellschaftszwecks unentbehrlich war;
  • erhebliche Höhe im Verhältnis zum Nennkapital;
  • Langfristigkeit; erforderlich ist eine Verpflichtung der Gesellschafter, der Gesellschaft das Darlehen langfristig zur Verfügung zu stellen; kurzfristige Kündigungsmöglichkeiten sind mit dem Charakter als Finanzplandarlehen nicht zu vereinbaren;
  • nicht marktübliche Bedingungen;
  • Rangrücktritt.

Ein weiteres Indiz für das Vorliegen eines Finanzplandarlehens ist es, wenn seine Hingabe in der Satzung vereinbart ist.

 

Rz. 260a

Indizien, die gegen ein Finanzplandarlehen sprechen, sind daher jederzeitige, wenn auch fristgemäße Kündigungsmöglichkeit, außerordentliche Kündigungsgründe wie Insolvenz und Zahlungsverzug oder -einstellung, Bestellung üblicher Sicherheiten und marktgerechte Verzinsung.

 

Rz. 260b

Zu beachten ist, dass Finanzplandarlehen kein Eigenkapital sind; sie bleiben Fremdkapital. Steuerlich geht es nur um die Frage, ob dieses Fremdkapital aufgrund der besonderen Umstände gesellschaftsrechtlich veranlasst ist.

 

Rz. 260c

Bewertet wird ein Finanzplandarlehen mit dem Nennwert.

 

Rz. 261

Wird unter den genannten Umständen nicht ein Darlehen gegeben, sondern eine Bürgschaft übernommen, liegt eine "Finanzplanbürgschaft" vor, für die die gleichen Grundsätze gelten.

 

Rz. 262

Ein Finanzplandarlehen liegt aber nur vor, soweit es tatsächlich gegeben wurde. Eine bloße Verpflichtung, ein entsprechendes Darlehen zu gewähren, unterliegt lediglich den Regeln des Darlehensvertrags, d. h., sie kann in der Krise der Gesellschaft widerrufen werden, wenn der Darlehensvertrag dies zulässt.

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