Rz. 56

Nach § 13a Abs. 1 S. 1 Nr. 3 EStG dürfen die Tierbestände insgesamt 50 Vieheinheiten nicht übersteigen.

 

Rz. 57

Der Sinn und Zweck der Tierbestandsgrenze besteht in einer weiteren Einschränkung der Flächengrenze nach § 13a Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EStG. Allerdings ist die Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen auch dann anwendbar, wenn der land- und forstwirtschaftliche Betrieb – bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen – über keine Tierbestände verfügt.[1]

 

Rz. 58

Mangels ausdrücklicher gesetzlicher Regelung gilt bei der Ermittlung der Tierbestandsgrenze nicht das Stichtagsprinzip.[2] Vielmehr handelt es sich insoweit um eine wirtschaftsjahrbezogene Grenze. Auszugehen bei der Ermittlung der Tierbestandsgrenze ist von den im Wirtschaftsjahr durchschnittlich erzeugten und gehaltenen Tieren.[3] Die Tierbestandsgrenze muss nachhaltig überschritten werden. Es gelten insoweit die Grundsätze des Strukturwandels (§ 13 EStG Rz. 117ff.).[4] Geltung haben die Grundsätze des Strukturwandels auch für ein Unterschreiten der Grenze von 50 Vieheinheiten und damit für die Rückkehr zur Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen.

 

Rz. 59

Maßgebend für die Umrechnung der Tierbestände in Vieheinheiten ist der Futterbedarf. Zu berücksichtigen sind nur flächenabhängige Tiere. Der Gesamtbestand der landwirtschaftlichen Tierhaltung und Tiererzeugung ist nach § 13a Abs. 1 S. 1 Nr. 3 i. V. m. § 13 Abs. 1 Nr. 1 EStG i. V. m. § 51 Abs. 2 bis 5 BewG gemäß der Anlage 1 zum BewG (vgl. auch R 13.2 EStR 2012) zu ermitteln.[5] Soweit für weitere Tierbestände durch Ländererlasse[6] Vieheinheiten festgelegt worden sind, können auch diese im Rahmen von § 13a Abs. 1 S. 1 Nr. 3 EStG über den Verweis auf § 13 Abs. 1 Nr. 1 EStG berücksichtigt werden.[7] Der Einheitswertbescheid ist im Rahmen von § 13a Abs. 1 S. 1 Nr. 3 EStG ebenfalls nicht Grundlagenbescheid für einkommensteuerliche Zwecke.

 

Rz. 60

Die Grenze von 50 Vieheinheiten bezieht sich auf die Tiere im land- und forstwirtschaftlichen Betrieb i. S. d. § 13 EStG. Die Tiere, die aufgrund der Abgrenzung in § 13 Abs. 1 Nr. 1 S. 2 EStG zur gewerblichen Tierhaltung gehören, sind nicht einzubeziehen. Fremde Tiere aus einer Lohnmast oder Pensions- bzw. Lohntierhaltung werden bei der Ermittlung der Vieheinheitengrenze berücksichtigt.[8] Dies gilt auch für Pensionstiere von Personen, die nicht Land- und Forstwirte sind. Maßgebend ist insoweit nur, ob die im land- und forstwirtschaftlichen Betrieb gehaltenen Tiere eine ausreichende Futtergrundlage haben oder nicht. Bei der Zurechnung von Pensionstieren ist aber § 13a Abs. 7 Nr. 3 EStG zu beachten.

[2] Kanzler, in H/H/R, EStG/KStG, § 13a EStG n. F. Rz. 19; BMF v. 10.11.2015, IV C 7 – S 2149/15/10001, BStBl I 2015, 877, Rz. 5; a. A. Kulosa, in Schmidt, EStG, 2016, § 13a EStG Rz. 8; Nacke, in Blümich, EStG/KStG/GewStG, § 13a EStG Rz. 19.
[4] BMF v. 10.11.2015, IV C 7 – S 2149/15/10001, BStBl I 2015, 877, Rz. 5; Kanzler, in H/H/R, EStG/KStG, § 13a EStG n. F. Rz. 19; Kulosa, in Schmidt, EStG, 2016, § 13a EStG Rz. 8; a. A. Nacke, in Blümich, EStG/KStG/GewStG, § 13a EStG Rz. 19.
[6] Vgl. z. B. FinMin Baden-Württemberg v. 30.8.1999, 3 – S 3131/8, Bew-Kartei BW, § 51 BewG Karte 15.
[7] Kanzler, in H/H/R, EStG/KStG, § 13a EStG n. F. Rz. 19.
[8] Kanzler, in Leingärtner, Besteuerung der Landwirte, Kap. 26 Rz. 35; a. A Nacke, in Blümich, EStG/KStG/GewStG, § 13a EStG Rz. 19.

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