Frotscher/Geurts, EStG § 13... / 2.8.4 Landwirtschaftlich genutzte Fläche (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 S. 2 EStG)
 

Rz. 97

Die Zahl der zulässigen Vieheinheiten bestimmt sich nach der Größe der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Es werden gewährt

  • für die ersten 20 ha nicht mehr als 10 Vieheinheiten,
  • für die nächsten 10 ha nicht mehr als 7 Vieheinheiten,
  • für die nächsten 20 ha nicht mehr als 6 Vieheinheiten,
  • für die nächsten 50 ha nicht mehr als 3 Vieheinheiten und
  • für die weitere Fläche nicht mehr als 1,5 Vieheinheiten

je ha der vom Inhaber des Betriebs regelmäßig landwirtschaftlich genutzten Fläche. Diese Staffelung begünstigt Klein- und Mittelbetriebe.

 

Rz. 98

Auszugehen ist von der regelmäßig durch den Inhaber des landwirtschaftlichen Betriebs selbst bewirtschafteten Fläche. Berücksichtigt wird die Fläche je ha, wobei ein angefangener ha nicht mitzählt. Es muss sich um eine regelmäßige, also nachhaltige und ernsthafte Bewirtschaftung handeln. Nur der Form nach gepachtete oder auch sonst nicht tatsächlich bewirtschaftete Flächen scheiden aus. Maßgebend für die Mindestflächendeckung sind die Verhältnisse im jeweiligen Wirtschaftsjahr. Unerheblich ist, ob auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen tatsächlich das im Betrieb verwendete Futter angebaut wird. § 13 Abs. 1 Nr. 1 S. 2 EStG stellt nur auf das grundsätzliche Vorhandensein einer eigenen Futtergrundlage ab. Daher ist z. B. der Zukauf des gesamten Futters unerheblich.

 

Rz. 99

Zu den landwirtschaftlich genutzten Flächen gehören die bewirtschafteten eigenen, die hinzugepachteten und die aufgrund anderer Nutzungsmöglichkeiten, wie z. B. Nießbrauch, bewirtschafteten Flächen. Entsprechendes gilt, wenn mehrere Land- und Forstwirte gemeinsam als Mitunternehmer einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb betreiben. Bei Mitunternehmerschaften rechnen zu den landwirtschaftlich genutzten Flächen neben den – der Mitunternehmerschaft selbst gehörenden Flächen – auch die Flächen, die Sonderbetriebsvermögen eines oder aller Gesellschafter sind einschließlich der Flächen, an denen ein Futtergewinnungsrecht besteht. Die genannten Flächen müssen regelmäßig landwirtschaftlich genutzt und tatsächlich auch selbst bewirtschaftet werden.

 

Rz. 100

Die Flächen müssen landwirtschaftlich genutzt werden. Dies bestimmt sich nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 S. 4 EStG i. V. m. § 51 Abs. 2 bis 5 i. V. m. Abs. 1 BewG. Danach rechnen zu den landwirtschaftlich genutzten Flächen die reinen landwirtschaftlichen Nutzflächen einschließlich der Flächen mit landwirtschaftlichen Sonderkulturen wie feldmäßiger Gemüseanbau, Tabakanbau, Korbweidenkulturen sowie Hopfen- und Spargelanbau. Gleiches gilt für die zur landwirtschaftlichen Nutzung gehörenden Wirtschaftswege, Hecken, Gräben, Grenzraine oder für Wasserflächen, die nicht zum Unland oder zur sonstigen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung i. S. d. § 62 BewG gehören. Obstbauflächen werden zur Hälfte angerechnet, wenn sie dafür angelegt sind und wenn auch tatsächlich eine regelmäßige, also über Jahre hinweg, landwirtschaftliche Unternutzung stattfindet (R 13.2 Abs. 3 EStR 2012). Almen und Hutungen sind mit einem Viertel ihrer Flächen zu berücksichtigen (R 13.2 Abs. 3 EStR 2012). Keine landwirtschaftlich genutzten Flächen sind Weinbau- und Forstflächen, von der gärtnerisch genutzten Fläche die Nutzungsteile Gemüse-, Blumen- und Zierpflanzenanbau sowie die Flächen, die der sonstigen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung dienen. Gleiches gilt für die Flächen der Nebenbetriebe, des Abbaulandes, des Geringstlandes und des Unlandes. Ebenfalls unberücksichtigt bleiben Hof- und Gebäudeflächen (R 13.2 Abs. 3 EStR 2012), Areale, die nur vorübergehend landwirtschaftlich genutzt werden und landwirtschaftlich genutzte Flächen bzw. Flächenteile, die für nicht landwirtschaftliche Zwecke, wie z. B. dem Betrieb einer Fotovoltaik- oder Windkraftanlage, verwendet werden. Demgegenüber gehören zu den landwirtschaftlich genutzten Arealen Brachflächen, Feuchtbiotope, aufgrund öffentlicher Förderprogramme stillgelegte Flächen und im Ausland belegene landwirtschaftliche Nutzflächen, die von einem inländischen Betrieb aus bewirtschaftet werden.

 

Rz. 101

Berücksichtigt werden nur solche landwirtschaftlich genutzten Flächen, die zum tierhaltenden Betrieb des Landwirts gehören. Nicht einzubeziehen sind Flächen eines selbstständigen anderen landwirtschaftlichen Betriebs desselben Landwirts. Bei der Frage, ob mehrere landwirtschaftliche Produktionsstätten einen einheitlichen landwirtschaftlichen Betrieb oder mehrere landwirtschaftliche Betriebe bilden, sind die jeweiligen gesamten betrieblichen Verhältnisse zu würdigen. Bedeutsam in diesem Zusammenhang sind neben der örtlichen Gewohnheit insbesondere die Zweckbestimmung und die wirtschaftliche Zusammengehörigkeit der einzelnen Wirtschaftsgüter. Vor diesem Hintergrund bilden weiter entfernt liegende landwirtschaftliche Produktionsstätten nur dann einen einheitlichen Betrieb, wenn zwischen den verschiedenen landwirtschaftlichen Produktionsstätten ein Leistungsaustausch von nicht nur untergeordneter Bedeutung stattfindet und eine organisatorische...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge