Frotscher/Geurts, EStG § 13... / 2.8.2 Tierzucht und Tierhaltung (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 S. 2 EStG)
 

Rz. 80

Tierzucht ist die planmäßige Paarung von Tieren zur Erzeugung von Nachkommen unter Selektion bestimmter erblicher Eigenschaften oder Merkmale. Es muss ein Veranlassungszusammenhang zwischen der Tierzucht und der Landwirtschaft bestehen. Daran fehlt es z. B. bei einer Brüterei, in der Küken überwiegend aus zugekauften Bruteiern gewonnen und als Eintagsküken weiterveräußert werden. Die Tierzucht umfasst nur die Produktion lebender Tiere.

 

Rz. 81

Kennzeichnend für die Tierhaltung ist die Übernahme der Obhut über Tiere. Auch zwischen der Tierhaltung und der Landwirtschaft muss ein Veranlassungszusammenhang bestehen. Dieser liegt bei Zoologischen Gärten oder Wildparks nicht vor; sie stellen grundsätzlich Gewerbebetriebe dar. Da es auf die Eigentumsverhältnisse am Tier nicht ankommt, ist auch die Haltung fremder Tiere grundsätzlich Tierhaltung. Die Lohnaufzucht fremder Tiere auf eigene Rechnung und Gefahr gehört zur landwirtschaftlichen Tierhaltung.

 

Rz. 82

Landwirtschaftliche Tierzucht und Tierhaltung liegen nur dann vor, wenn die Bodenbewirtschaftung Grundlage für die Tierzucht und Tierhaltung ist. Einkünfte aus Tierzucht und Tierhaltung gehören nur dann zu den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, wenn die erzeugten oder gehaltenen Tiere je ha der regelmäßig landwirtschaftlich genutzten Fläche eine bestimmte Zahl nicht überschreiten. Zum Zweck der Abgrenzung der landwirtschaftlichen Tierzucht und Tierhaltung von der gewerblichen ist der Tierbestand des Betriebs in Vieheinheiten umzurechnen. Dabei ist § 51 Abs. 2 bis 5 BewG anzuwenden. Daraus ergibt sich, dass Tiere i. S. v. § 13 Abs. 1 Nr. 1 S. 2 EStG nur auf pflanzlicher Basis bodenabhängig ernährte und nach der Verkehrsanschauung der Land- und Forstwirtschaft zuzurechnende Nutztiere sind. Ausreichend ist hierbei der abstrakte Veranlassungszusammenhang zwischen Tierzucht und Tierhaltung einerseits und der landwirtschaftlichen Urproduktion andererseits. Es kommt im konkreten Einzelfall nicht darauf an, ob tatsächlich selbst erzeugtes oder ausschließlich zugekauftes Futter verwendet wird. Von daher ist es landwirtschaftlichen Betrieben möglich, sämtliche landwirtschaftlichen Flächen zum Marktfruchtanbau zu nutzen und gleichzeitig eine nur theoretisch flächenabhängige Tierzucht bzw. Tierhaltung unter Verwendung von zugekauftem Futter zu betreiben.

 

Rz. 83

§ 13 Abs. 1 Nr. 1 S. 2 EStG bezieht sich nur auf die Tierzucht und Tierhaltung in Betrieben mit regelmäßig landwirtschaftlich genutzten Flächen. Dies bedeutet nicht, dass z. B. bei Betrieben mit Flächen, die für Zwecke der Forstwirtschaft, des Weinbaus oder des Gartenbaus genutzt werden, jede Tierhaltung zu einer gewerblichen Tätigkeit führt. Auch in diesen Fällen können die Tierbestände noch den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft zuzurechnen sein, wenn entweder die erforderlichen Futtermittel überwiegend im eigenen Betrieb gewonnen werden oder wenn das Vieh im Wesentlichen der Versorgung des Betriebsinhabers, seiner Familie und seiner Arbeitnehmer dient.

 

Rz. 84

Welche Tiere als landwirtschaftstypisch anzusehen sind, bestimmt sich nach der jeweils maßgeblichen Verkehrsauffassung. Dabei ist der Begriff der Landwirtschaft nicht statisch zu sehen. Zu berücksichtigen sind auch Weiterentwicklungen, die sich aus dem Wandel der Verhältnisse in der Landwirtschaft ergeben. Daher sind nicht nur solche Tierarten der Landwirtschaft zuzurechnen, die der Ernährung oder vergleichbaren Zwecken, wie z. B. der Gewinnung von Wolle, dienen. Eine Zurechnung kommt auch in Betracht, wenn die Tiere z. B. zu medizinischen Versuchszwecken oder zur Freizeitgestaltung gehalten oder erzeugt werden. Gelten kann dies aber nur für solche Tiere, die nach hergebrachten landwirtschaftlichen Grundsätzen noch als landwirtschaftstypisch angesehen werden können.

 

Rz. 85

Der Landwirtschaft zuzurechnen sind landwirtschaftliche Nutztiere. Hierzu gehört in erster Linie die Erzeugung und Haltung von Tieren, die in den Anlagen 1 und 2 zu § 51 BewG genannt sind. Bei Tieren, die dort nicht genannt sind, kommt eine Zuordnung zur Land- und Forstwirtschaft nur in Betracht, wenn sie

  • in der Land- und Forstwirtschaft entweder als Arbeitstiere gehalten werden oder
  • bodenunabhängig sind und der menschlichen Ernährung dienen oder
  • bodenabhängig sind und nach der in Deutschland bestehenden Verkehrsanschauung der Land- und Forstwirtschaft zugerechnet werden.

Zu den zur Landwirtschaft rechnenden Tieren gehören insbesondere Pferde, Rindvieh, Schafe, Ziegen, Schweine und Geflügel, aber z. B. auch Alpakas, Damtiere, (Zwerg-)Kaninchen, Lamas, Strauße, Jagdfasane und Wachteln (R 13.2 Abs. 1 EStR 2012) sowie Esel, Maultiere oder zum Verzehr bestimmte Schnecken. Nicht hierunter fällt Ziergeflügel.

 

Rz. 86

Die Pferdehaltung für Zwecke der Vermietung zu Reitzwecken ist bei vorhandener flächenmäßiger Futtergrundlage als landwirtschaftlich anzusehen, wenn keine weiteren ins Gewicht fallenden Leistungen erbracht werden, die nicht der Landwirtschaft zuzurechnen sind. Wird z. B....

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