Frotscher/Geurts, EStG § 13... / 11.1 Gewinnermittlungsarten
 

Rz. 515

Bei einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb kommen drei Gewinnermittlungsarten in Betracht: Die Gewinnermittlungen nach § 4 Abs. 1 und 3 EStG und die Gewinnermittlung nach § 13a EStG.

 

Rz. 516

Liegen die Voraussetzungen des § 13a Abs. 1 EStG vor, ist der Land- und Forstwirt zur Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen berechtigt und verpflichtet. Er kann aber nach § 13a Abs. 2 EStG den Antrag stellen, den Gewinn durch Betriebsvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1 EStG oder durch Einnahmen-Überschussrechnung nach § 4 Abs. 3 EStG zu ermitteln. Der Antrag nach § 13a Abs. 2 EStG ist bindend für 4 Jahre. Sinnvoll ist ein derartiger Antrag, wenn der nach § 13a EStG zu ermittelnde Gewinn höher ist als ein nach den Grundsätzen von § 4 Abs. 1 bzw. 3 EStG zu ermittelnder Gewinn. Gleiches gilt in den Fällen, in denen eine Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 bzw. 3 EStG einen Verlust zur Folge hat. Innerhalb des Zeitraums von 4 Jahren kann der Land- und Forstwirt von der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG zur Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG und umgekehrt übergehen. Allerdings darf ein Land- und Forstwirt, der z. B. freiwillig von der Einnahmen-Überschussrechnung zum Bestandsvergleich übergegangen ist, ohne besonderen wirtschaftlichen Grund nicht 2 Jahre nach dem Wechsel der Gewinnermittlungsart erneut zur Einnahmen-Überschussrechnung übergehen. Bei einem freiwilligen Wechsel der Gewinnermittlungsart besteht eine dreijährige Bindung. Mit dem Wegfall der Voraussetzungen des § 13a Abs. 1 EStG ist der Gewinn für einen Betrieb der Land- und Forstwirtschaft auch ohne Mitteilung nach § 13a Abs. 1 EStG nicht mehr nach Durchschnittssätzen zu ermitteln, wenn der Stpfl. für das Jahr, in dem die Voraussetzungen für die Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen letztmalig vorgelegen haben, keine Steuererklärungen eingereicht hat, obwohl er dazu verpflichtet gewesen ist.

 

Rz. 517

Ist der Land- und Forstwirt zur Buchführung verpflichtet, muss er seinen Gewinn durch Betriebsvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1 EStG ermitteln. Die Verpflichtung zur Buchführung kann sich aus §§ 140, 141 AO ergeben.

 

Rz. 517a

Der Land- und Forstwirt ist nach § 140 AO zur Buchführung verpflichtet, wenn er für den land- und forstwirtschaftlichen Betrieb Bücher und Aufzeichnungen nach anderen Gesetzen als den Steuergesetzen zu führen hat. Hierunter fallen in erster Linie Buchführungspflichten nach §§ 238ff. HGB. Sie kommen z. B. in Betracht für nach § 3 HGB freiwillig ins Handelsregister eingetragene Land- und Forstwirte oder für eine OHG oder KG, die land- und forstwirtschaftlich tätig sind. Bei nach § 140 AO buchführungspflichtigen land- und forstwirtschaftlichen Nebenbetrieben gilt die Buchführungspflicht nach § 140 AO nur für den land- und forstwirtschaftlichen Nebenbetrieb. Für die Buchführungspflicht des land- und forstwirtschaftlichen Hauptbetriebs gelten die allgemeinen Regelungen. Ist ausnahmsweise ein einheitlicher land- und forstwirtschaftlicher Betrieb anzunehmen, erstreckt sich die Buchführungspflicht nach § 140 AO auf das Gesamtunternehmen. Ergeben kann sich eine abgeleitete Buchführungsverpflichtung nach § 140 AO auch aufgrund besonderer Buchführungsvorschriften für bestimmte Branchen. Geltung hat dies z. B. für Besamungsstationen, Eierprodukte verarbeitende Betriebe, Forstsamen- und Forstpflanzenbetriebe oder Weinbau- und Weinhandelsbetriebe nach dem WeinG. Keine Buchführungspflicht i. S. v. § 140 AO wird begründet wegen der Eigenschaft des Betriebs als Testbetrieb für den Agrarbericht oder als Betrieb des EG-Informationsnetzes landwirtschaftlicher Buchführungen (R 4.5 Abs. 1 S. 2 EStR 2012). Gleiches gilt auch für die Auflagenbuchführung nach den Richtlinien des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (R 4.5 Abs. 1 S. 2 EStR 2012). Beginn und Ende der Buchführungspflicht nach § 140 AO bestimmen sich nach den jeweils maßgeblichen gesetzlichen Regelungen. Einer gesonderten Mitteilung seitens des FA bedarf es nicht.

 

Rz. 517b

Die originäre Buchführungsverpflichtung nach § 141 AO besteht, wenn der land- und forstwirtschaftliche Betrieb die in § 141 AO aufgeführten Abgrenzungsmerkmale überschreitet. Unterhält der Land- und Forstwirt mehrere land- und forstwirtschaftliche Betriebe, gelten die in § 141 AO genannten Grenzen für jeden einzelnen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb. Dabei erfasst die Buchführungsverpflichtung nach § 141 AO auch die im Ausland gelegenen, vom Inland aus bewirtschafteten land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen. Vermieden werden kann die Buchführungspflicht durch eine Betriebsteilung. Für Land- und Forstwirte tritt die Buchführungspflicht nach § 141 AO ein, wenn

  • die Umsätze nach § 141 Abs. 1 Nr. 1 AO mehr als 500.000 EUR betragen, abzustellen ist auf die Netto-Umsätze nach § 10 UStG einschließlich der steuerfreien Umsätze. Ausgenommen sind die steuerfreien Umsätze nach § 4 Nr. 8 bis 10 UStG. Gleiches gilt auch für die nicht steuerbaren Auslandsumsätze. Bei Land- und Forstwirt...

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