3.1 Allgemeines

 

Rz. 174

§ 10 Abs. 2 EStG knüpft an den Abzug von Vorsorgeaufwendungen weitere Voraussetzungen. Vorsorgeaufwendungen nach Abs. 1 Nr. 2, 3 und 3a sind nur abziehbar, wenn sie.

  • nicht in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang mit steuerfreien Einnahmen stehen, und
  • an Versicherungsunternehmen geleistet werden, die ihren Sitz oder ihre Geschäftsleitung in einem Mitgliedstaat des EU-/EWR-Raums haben und das Versicherungsgeschäft im Inland betreiben dürfen, oder Versicherungsunternehmen, denen die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb im Inland erteilt ist; Beiträge i. S. d. Abs. 1 Nr. 3 S. 1 Buchst. a (Krankenversicherungsbeiträge) müssen an eine Einrichtung gezahlt werden, die eine anderweitige Absicherung im Krankheitsfall i. S. d. § 5 Abs. 1 Nr. 13 SGB V oder eine Beihilfe oder freie Heilfürsorge vergleichbare Absicherung i. S. d. § 193 Abs. 3 S. 2 Nr. 2 VVG gewährt (Rz. 176),
  • an berufsständische Versorgungseinrichtungen oder an einen Sozialversicherungsträger,
  • an einen Anbieter i. S. d. § 80 EStG (ab Vz 2007) geleistet werden.

Vorsorgeaufwendungen nach Abs. 1 S. 1 Nr. 2 Buchst. b (kapitalgedeckte Altersversorgung und Absicherung gegen Berufsunfähigkeit oder verminderte Erwerbstätigkeit) sind nur abziehbar, wenn die Beiträge zugunsten eines zertifizierten Vertrags (§ 5a AltZertG) geleistet werden und der Stpfl. in die Datenübermittlung nach § 10 Abs. 2a EStG eingewilligt hat.

Vorsorgeaufwendungen nach § 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG sind nur abziehbar, wenn der Stpfl. ebenfalls in die Datenübermittlung nach § 10 Abs. 2a EStG gegenüber dem Versicherungsunternehmen, dem Träger der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, der Künstlersozialkasse oder einer Einrichtung i. S. d. S. 1 Nr. 2 Buchst. a S. 1 eingewilligt hat.

3.2 Kein unmittelbarer wirtschaftlicher Zusammenhang mit steuerfreien Einnahmen (§ 10 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EStG)

 

Rz. 175

Vorsorgeaufwendungen sind nicht als Sonderausgaben abziehbar, wenn sie in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang mit steuerfreien Einnahmen stehen. Die Vorschrift ist beschränkt auf Vorsorgeaufwendungen i. S. d. § 10 Abs. 1 Nrn. 2, 3 und 3a EStG. Sinn der Vorschrift ist es, eine doppelte steuerliche Berücksichtigung auszuschließen, d. h. keine Versteuerung der Einnahmen, aber gleichwohl ein Abzug der damit im Zusammenhang stehenden Aufwendungen als Sonderausgaben. Die Bestimmung ähnelt damit § 3c Abs. 1 und 2 EStG, der dies entsprechend für Betriebsausgaben/Werbungskosten anordnet.

Ein unmittelbarer wirtschaftlicher Zusammenhang besteht, wenn steuerfreie Einnahmen nach ihrer Zweckbestimmung zur Leistung von Vorsorgeaufwendungen dienen.[1] Das ist der Fall, wenn gesetzliche Pflichtbeiträge des Arbeitnehmers zur gesetzlichen Sozialversicherung aufgrund steuerfreien Arbeitslohns erhoben werden vgl. auch § 10 Abs. 3 S. 5 EStG; Rz. 262).[2]

Nach § 10 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 2. Halbs. EStG stehen steuerfreie Zuschüsse zu einer Kranken- und Pflegeversicherung insgesamt in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang mit den Vorsorgeaufwendungen i. S. d. § 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG:

  • steuerfreie Zuschüsse zur Krankenversicherung der Rentner nach § 106 SGB VI, die von einem Rentner gezahlten Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sind ungekürzt als Sonderausgaben zu berücksichtigen, obwohl die Rente nur anteilig im Rahmen der Kohortenbesteuerung erfasst wird.[3]
  • bestimmte Sonderleistungen für Wehrpflichtige und Zivildienstleistende, z. B. zum Ersatz für Beiträge zu einer Kranken-, Unfall- oder Haftpflichtversicherung[4]
  • Beiträge zur Alters- und Hinterbliebenenversorgung, die Wehrpflichtigen und Zivildienstleistenden erstattet werden[5]
  • steuerfreie Beträge für Land- und Forstwirte nach dem Gesetz über die Alterssicherung der Landwirte zur Entlastung von Vorsorgeaufwendungen i. S. d. § 10 Abs. 1 Nr. 2 S. 1 Buchst. a EStG.[6]

Ein nur mittelbarer Zusammenhang genügt nicht. Das ist der Fall, wenn der Stpfl. nicht zweckgebundene steuerfreie Einnahmen erzielt und hieraus Vorsorgeaufwendungen bestreitet, z. B. Beiträge zu einer freiwilligen Kranken- oder Haftpflichtversicherung, die aus steuerbefreitem Arbeitslohn bestritten werden.[7] Ein allenfalls nur mittelbarer Zusammenhang besteht zwischen steuerbefreiten Arbeitslohn und Beiträgen zu einer freiwilligen Krankenversicherung oder Haftpflichtversicherung.[8]

 

Rz. 175a

Zu Zahlungen von Sonderausgaben i. S. d. § 10 Abs. 1 Nr. 2, 3 und 3a EStG, die mit Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit aus einem Mitgliedstaat der EU/EWR in Zusammenhang stehen vgl. Rz. 170m1.

[1] BFH v. 18.7.1980, VI R 97/77, BStBl II 1981, 16 betr. steuerfreier Arbeitslohn aufgrund des Montageerlasses; BFH v. 27.3.1981, VI R 207/78, BStBl II 1981, 530 betr. nach § 3 Nr. 63 EStG steuerfreien Arbeitslohn für eine Tätigkeit in der DDR; BFH v. 29.4.1992, I R 102/91, BStBl II 1993, 149, BFH v. 18.4.2010, X R 62/09, BFH/NV 2012, 1527 betr. nach DBA steuerfreie Einkünfte oder aufgrund des zusätzlichen Höchstbetrags von 1.800 EUR nach § 3 Nr. 63 S. 3 EStG; darüber hinaus schon dann, wenn eine klar abgrenzbare, unlösbare Beziehung der Vorsorgeaufwendungen zu steuerfreien Einnahmen besteht; Krüger, in Schmidt, EStG, 2...

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