Förderung der organisationa... / 3 Arten von Krisen

Es lassen sich 2 Arten von Krisen unterscheiden, auf die Organisationen sich vorbereiten können und sollten. Da sind einmal die akuten Krisen. Dazu gehören alle plötzlich eintretenden Ereignisse, die zu einer Störung der Betriebsabläufe und der Produktion führen können. Zu den akuten Krisen gehören z. B.

  • Naturkatastrophen, wie Erdbeben, Fluten, Hagelstürme u. Ä.,
  • Finanzkrisen, z. B. Firmen- oder Bankenzusammenbrüche,
  • Unfälle,
  • Krankheitsepidemien, z. B. bei Ausfall eines großen Teils der Belegschaft durch eine Grippewelle,
  • Diebstahl, Betrug, Wirtschaftsspionage,
  • Insolvenz wichtiger Lieferanten oder Kunden.

In Abgrenzung zu den akuten Ereignissen gibt es auch schleichende Krisen. Schleichende Krisen haben eine längere Vorlaufzeit und wären schon im Vorwege erkennbar. Dennoch werden die Warnzeichen oft lange ignoriert, bis die Auswirkungen ein deutlich spürbares Maß erreicht haben.

Zu den schleichenden Krisen gehören z. B.

  • steigender Konkurrenzdruck durch Globalisierung und Digitalisierung,
  • Umstrukturierungen,
  • technischer Wandel,
  • demografischer Wandel,
  • Fachkräftemangel,
  • Fehlzeiten und Produktionsverluste durch krankheitsbedingte Ausfälle bei der Belegschaft, z. B. durch zunehmende AU-Zeiten wegen psychischer Störungen.

Akute Krisen sind selten. Sie erfordern ein schnelles Handeln in einer unerwarteten und unbekannten Situation. Schleichende Krisen stellen dagegen oft einen Dauerzustand dar, an den man sich so gewöhnt, dass die Schwelle zur akuten Krise oft nicht mehr rechtzeitig wahrgenommen wird. So kann aus einer schleichenden, vorhersehbaren und beherrschbaren Krise ein scheinbar akutes Notfallereignis werden. Gerade für schleichende Krisen ist ein präventives Vorgehen möglich und empfehlenswert. Bei akuten Notfällen ist nur noch ein Reagieren möglich.

Für das Abpuffern von schleichenden Krisen sollten mögliche Risiken für die Organisation zusammengetragen werden. Diese für das Unternehmen gefährlichen Situationen können dann in eine Matrix eingeordnet werden, je nachdem wie wahrscheinlich ihr Auftreten ist und wie groß ihre Auswirkung auf die Organisation wäre (Abb. 2).

Abb. 2: Bewertung von Krisenszenarien

Für die Ereignisse, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eintreten können und die eine starke Auswirkung auf die Organisation hätten, müssen dann als nächstes mögliche Warnsignale identifiziert werden. Für diese Warnsignale sollte jeweils ein Grenzwert festgelegt werden, ab dem es kritisch werden kann, sodass Gegenmaßnahmen ergriffen werden können. Diese Warnsignale können sehr unterschiedlich sein: Umsatzzahlen, Krankenstände, Krisen in Absatzländern, politische Änderungen, Innovationen im Markt, gesetzliche Veränderungen u. Ä.

 

Praxis-Tipp

Beobachtung der Warnsignale

Für die Beobachtung dieser Warnsignale müssen bestimmte Führungskräfte oder Mitarbeiter zuständig gemacht werden. Sie brauchen klare Vorgaben, ab wann sie auf die kritische Entwicklung aufmerksam machen sollen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass ihre Warnungen als Schwarzseherei oder Pessimismus missachtet werden.

Für zu erwartende Krisen mit einem hohen Schädigungspotenzial für die Organisation können dann jeweils passende Krisenpläne entwickelt werden.

 

Praxis-Beispiel

Pandemieplanung Grippe

Für jedes Unternehmen und für jeden Betrieb muss ein individueller Pandemieplan erstellt werden, da es sehr große betriebliche und regionale Unterschiede dabei gibt, wie sich eine Pandemie jeweils auswirkt. Sie sollten aber von folgenden Eckpunkten ausgehen:

  • Gerade die mittlere, im Berufsleben stehende Altersgruppe zwischen 20 und 45 Jahren wird von einer Pandemie besonders betroffen.
  • Es ist davon auszugehen, dass Mitarbeiter über mehrere Wochen fehlen.
  • Eine Grippe-Pandemiephase dauert ca. 8–10 Wochen.
  • Erkrankte Beschäftigte fallen für mindestens 1–2 Wochen aus.
  • Neben den direkt Betroffenen werden auch gesunde Mitarbeiter fehlen, weil sie sich um erkrankte Angehörige kümmern oder aus Angst vor Ansteckung zu Hause bleiben.
  • Besonders betroffen werden die dicht bevölkerten Ballungsgebiete sein.
  • Ein Pandemieplan muss vor Eintreten des Notfalls erstellt werden.

Ziele der betrieblichen und personellen Planung:

  • Krisenstäbe bilden;
  • Kernfunktionen des Betriebs und Schlüsselpersonal bestimmen;
  • Absprachen mit Kunden und Lieferanten treffen;
  • Unternehmensbereiche festlegen, deren Funktion vorübergehend eingestellt werden kann;
  • Personalversorgung und -betreuung planen;
  • Versorgung und Schutz des Unternehmens sichern;
  • Kontakte zu Einrichtungen außerhalb des Betriebs aufbauen;
  • ggf. Vorsorge für Mitarbeiter im Ausland treffen.

Es gibt also 2 Arten von Resilienz in Organisationen:

  1. Die Stabilität auf Dauer erhalten, also eine lange Lebensdauer erreichen, wirtschaftlichen Erfolg erarbeiten und Mitarbeiter langfristig binden.
  2. Krisenfestigkeit, also auf plötzlich eintretenden Notfälle und Krisen vorbereitet sein und diese erfolgreich bewältigen.

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