Flüchtlinge beschäftigen / Arbeitsrecht

1 Verschiedene Personengruppen unter dem Oberbegriff "Flüchtlinge"

Der Flüchtlingsbegriff kann sowohl weiter als auch enger verstanden werden. Im rechtlichen Sinne ist der Flüchtlingsbegriff eng auszulegen, er bezieht sich auf Asylberechtigte, Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention und international subsidiär Schutzberechtigte. Die weitere Definition schließt auch national subsidiär Schutzberechtigte, Personen im laufenden Asylverfahren sowie abgelehnte Asylbewerber ein.

1.1 Asylbewerber

Ein Asylbewerber ist ein Mensch im laufenden Asylverfahren. Nach der förmlichen Asylantragstellung beim zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erhält er eine Aufenthaltsgestattung.[1] Diese gestattet dem Asylbewerber den Aufenthalt in Deutschland für die Dauer des Asylverfahrens. Es handelt sich hierbei nicht um einen Aufenthaltstitel, die Aufenthaltsgestattung gewährt also keinen rechtmäßigen Aufenthalt, sondern stellt ein sonstiges Aufenthaltspapier dar. Asylbewerber unterliegen einigen rechtlichen Einschränkungen. Die Aufenthaltsgestattung erlischt mit der Unanfechtbarkeit der Entscheidung des BAMF über den Asylantrag.

1.2 Geduldeter

Nach der Legaldefinition in § 60a AufenthG bedeutet Duldung die "vorübergehende Aussetzung der Abschiebung". Inhaber einer Duldung sind somit vollziehbar ausreisepflichtige Personen, das bedeutet, dass für eine Person keine Rechtsgrundlage für die Erteilung eines Aufenthaltstitels besteht.

Dies ist z. B. der Fall nach einer negativen Entscheidung des BAMF über den Asylantrag. In diesem Fall wird die Duldung nach Unanfechtbarkeit der Entscheidung ausgestellt und jeweils verlängert bis zur freiwilligen Ausreise, der Abschiebung, also der zwangsweisen Rückführung, oder bis zur Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis aus einem anderen Grund. Eine Duldung begründet keinen rechtmäßigen Aufenthalt, sondern bescheinigt lediglich, dass sich der Inhaber gemeldet in Deutschland aufhält.

Für die "Aussetzung der Abschiebung" gibt es zahlreiche rechtliche und tatsächliche Gründe. Bei Vorliegen eines Duldungsgrundes kann bzw. darf nicht abgeschoben werden. Zu den rechtlichen Gründen zählt u. a. die Ausbildungsduldung nach § 60c AufenthG, mit der jemand nicht abgeschoben werden kann, solange er sich in einer staatlich anerkannten Ausbildung befindet und die weiteren gesetzlichen Voraussetzungen für die Ausbildungsduldung erfüllt.[1] Auch bei Inhabern der zum 1.1.2020 neu geschaffenen Beschäftigungsduldung gemäß § 60d AufenthG liegt ein rechtliches Abschiebungshindernis vor.

Eine Duldung kann für die Dauer von höchstens 3 Monaten ausgestellt werden. Grundsätzlich gibt die Gültigkeitsdauer keinen Aufschluss über den tatsächlichen Verbleib eines Geduldeten in Deutschland, die Abschiebung kann zu jeder Zeit durchgeführt werden, sobald die Duldungsgründe wegfallen und die Duldung widerrufen wird.

[1] S. Abschn. 3.2.2.

1.3 Anerkannter

Anerkannte sind Personen, denen im Asylverfahren ein Schutzstatus und damit ein Bleiberecht gewährt worden ist.

1.3.1 Flüchtling im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention

Die Definition des Flüchtlings im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) ist umgesetzt in § 3 AsylG. Maßgebend ist hier die begründete Furcht vor Verfolgung wegen eines bestimmten persönlichen Merkmals, nämlich wegen der Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder der politischen Überzeugung. Die Verfolgung kann dabei vom Staat, von staatlichen Organisationen oder von privaten Akteuren ausgehen.

Werden diese Voraussetzungen bejaht, erhält der Betroffene zunächst eine Aufenthaltserlaubnis gemäß § 25 Abs. 2 Satz 1 1. Alt. AufenthG für die Dauer von 3 Jahren. Flüchtlinge im Sinne der GFK sind bei den sozialen Rechten Deutschen gleichgestellt. Gemäß § 25 Abs. 2 Satz 2 i. V. m. § 25 Abs. 1 Satz 4 AufenthG haben sie freien Zugang zur Erwerbstätigkeit, können also jederzeit und ohne das Erfordernis einer Erlaubnis eine Beschäftigung oder eine selbstständige Tätigkeit aufnehmen.

1.3.2 Asylberechtigter

Der höchste Schutzstatus ist die Zuerkennung des Grundrechts auf Asyl gemäß Art. 16a Abs. 1 GG. Ein Asylberechtigter ist zunächst Flüchtling im Sinne der GFK. Es kommt jedoch hinzu, dass er durch den Staat verfolgt wird. Zudem darf der Betroffene nicht über einen sicheren Drittstaat, das sind z. B. alle EU-Staaten sowie die Schweiz und Norwegen, eingereist, sondern muss auf dem Luftweg gekommen sein.

Asylberechtigte erhalten eine Aufenthaltserlaubnis gemäß § 25 Abs. 1 AufenthG für die Dauer von 3 Jahren. Auch sie sind hinsichtlich der sozialen Rechte Deutschen gleichgestellt und haben gemäß § 25 Abs. 1 Satz 4 AufenthG freien Zugang zur Erwerbstätigkeit.

1.3.3 International subsidiär Schutzberechtigter

Der internationale subsidiäre Schutz beruht auf unionsrechtlichen Regelungen und ist umgesetzt in § 4 AsylG. Er wird zuerkannt, wenn einer Person ein "ernsthafter Schaden", beispielsweise Folter oder die Todesstrafe, droht, dies jedoch nicht auf einer Verfolgung wegen der in der GFK genannten Merkmale beruht. International subsidiär Schutzberechtigte erhalten eine Aufenthaltserlaubnis gemäß § 25 Abs. 2 Satz 1 2. Alt. AufenthG für die Dauer von mindestens einem Jahr.

In mancherlei Hinsicht ...

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