Flexirentengesetz: Beschäft... / 2.2 Verfahren

2.2.1 Prognose/Spitzabrechnung

Wird eine Altersrente festgestellt und übt der Rentner eine Beschäftigung aus, ist der kalenderjährliche Hinzuverdienst noch nicht abschließend bekannt. Deshalb ist der Hinzuverdienst bei Rentenbeginn zunächst zu prognostizieren. Dies erfolgt, indem der Rentenversicherungsträger den voraussichtlichen jährlichen Hinzuverdienst im Rahmen einer Prognose bestimmt. Grundlage für die Prognosen sind im Wesentlichen die Angaben des Versicherten, aber auch ggf. Bescheinigungen des Arbeitgebers. Darauf basierend wird eine Vollrente oder "stufenlose" Teilrente gezahlt.

Zum 1.7. des folgenden Kalenderjahres wird ein neuer kalenderjährlicher Hinzuverdienst prognostiziert und die Rente ggf. entsprechend in geänderter Höhe gezahlt. Zugleich wird nun der tatsächliche Hinzuverdienst des vorangegangenen Kalenderjahres ermittelt und geprüft, ob die Prognose den tatsächlichen Verhältnissen entsprochen hat (Spitzabrechnung).

Von der Prognose abweichender Hinzuverdienst

Liegt ein von der Prognose abweichender tatsächlicher Hinzuverdienst vor, weil entweder mehr oder weniger als prognostiziert hinzuverdient wurde,

  • wird die Rente rückwirkend für das vorangegangene Kalenderjahr neu berechnet und
  • die bisherigen Bescheide werden aufgehoben.

Im Falle eines tatsächlich höheren Hinzuverdienstes müssen zu viel erbrachte Rentenbeträge vom Versicherten erstattet werden. Im umgekehrten Fall – bei im Vergleich zur Prognose niedrigeren Verdiensten – erhalten die Versicherten eine Nachzahlung.

Spitzabrechnung im Jahr des Erreichens der Regelaltersgrenze

Im Jahr des Erreichens der Regelaltersgrenze erfolgt keine Spitzabrechnung zum 1.7., sondern erst mit dem Monat nach Erreichen der Regelaltersgrenze. Dabei werden nicht nur das Kalenderjahr davor, sondern auch die Monate bis zur Regelaltersgrenze in die Spitzabrechnung einbezogen. Für den Monat nach Ablauf des Erreichens der Regelaltersgrenze sind keine Hinzuverdienstgrenzen mehr zu beachten und die Rente wird als Vollrente gezahlt – es sei denn, es wird freiwillig eine Teilrente gewünscht.

2.2.2 Einkommensänderungen

Auf Antrag kann unterjährig eine neue Prognose erstellt und die Rente angepasst werden, wenn sich der kalenderjährliche Hinzuverdienst um mehr als 10 % (+/-) verändert. Dies gilt auch bei Hinzutritt eines Hinzuverdienstes nach Rentenbeginn oder bei Wegfall eines Hinzuverdienstes. Durch eine Prognoseanpassung kann die Rente flexibel an die persönliche Situation angepasst werden und es wird verhindert, dass erst bei der späteren Spitzabrechnung eine umfassende Korrektur erfolgt.

 
Praxis-Beispiel

Änderung von Hinzuverdienst

Prognostizierter Brutto-Jahresverdienst 72.000 EUR (6.000 EUR/Monat). Die Bruttorente beträgt 2.000 EUR. Ab 1.1.2020 wird eine Teilrente von 1.086,33 EUR gezahlt. Ab 1.6.2020 vermindert sich der Hinzuverdienst auf 3.000 EUR/Monat.

Ergebnis: Der Jahreshinzuverdienst vermindert sich um mindestens 10 %, da er von 72.000 EUR auf 51.000 EUR sinkt (6.000 EUR x 5 Monate + 3.000 EUR x 7 Monate), er liegt aber immer noch über 44.590 EUR. Ab 1.6.2020 wird die Teilrente entsprechend angepasst und beträgt nun monatlich 1.786,33 EUR. Zum 1.7.2021 erfolgt die Spitzabrechnung für das Jahr 2020 und es kommt zu einer Nachzahlung für die Monate 1/2020 bis 5/2020 von 3.500 EUR (5 x 700 EUR [1.786,33 EUR – 1.086,33 EUR]).

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