Wichtig

Hinzuverdienstdeckel ist in den Jahren 2020 bis 2022 nicht zu prüfen

Der Hinzuverdienstdeckel ist bei vorgezogenen Altersrenten in den Jahren 2020 bis 2022 nicht zu prüfen. Gleichwohl enthält dieser Abschnitt Ausführungen zum Hinzuverdienstdeckel, um dessen Funktionsweise zu erläutern. Nach gegenwärtigem Recht soll der Hinzuverdienstdeckel ab dem Jahr 2023 wieder Anwendung finden. Bei Erwerbsminderungsrente ist der Hinzuverdienstdeckel auch in den Jahren 2020 bis 2022 zu prüfen.[1]

Der Hinzuverdienstdeckel ist ein Monatswert. Er bestimmt sich individuell, indem die höchsten Entgeltpunkte eines Kalenderjahres – innerhalb eines Betrachtungszeitraums von 15 Jahren vor dem Rentenbeginn – mit der monatlichen Bezugsgröße vervielfältigt werden. Für die Berechnung des Hinzuverdienstdeckels wird nicht nach Ost und West unterschieden. Der Hinzuverdienstdeckel ändert sich zum 1.1. eines jeden Jahres, wenn sich die Bezugsgröße ändert.

Überschreitet die Teilrente nach der 40-%-Anrechnung und 1/12 des kalenderjährlichen Hinzuverdienstes den Hinzuverdienstdeckel, wird der überschreitende Betrag voll auf die zunächst festgestellte Teilrente angerechnet.

Lohnt sich ein höherer Hinzuverdienst?

Wird mit der Teilrente und dem Hinzuverdienst der Deckelwert erreicht, lohnt sich mit Blick auf das erzielbare Gesamteinkommen aus Rente und Hinzuverdienst jeder weitere Hinzuverdienst nicht, da durch die "1:1-Anrechnung" eine Begrenzung auf den Hinzuverdienstdeckel erfolgt.

 
Praxis-Tipp

Höhe des Hinzuverdienstdeckels kennen

Zeichnet sich ab, dass mit der Teilrente und dem Hinzuverdienst der Deckelwert erreicht wird, empfiehlt es sich, die Höhe des genauen Hinzuverdienstdeckels beim Rentenversicherungsträger zu erfragen. Der Hinzuverdienstdeckel kann dem Rentenbescheid (aus der Anlage "Rente und Hinzuverdienst") entnommen werden. Es könnte sich auch danach erkundigt werden, welcher maximale Hinzuverdienst vorliegen darf, mit dem zusammen mit der Teilrente der Hinzuverdienstdeckel erreicht, aber nicht überschritten wird.

 
Praxis-Beispiel

Hinzuverdienstdeckel wird überschritten

Rentenbeginn nach Vollendung des 63. Lebensjahres am 1.7.2023 mit einem Brutto-Verdienst von 3.000 EUR/Monat und ab 1.1.2024 mit einem Verdienst von 1.500 EUR/Monat (jährlich also jeweils 18.000 EUR). Die Bruttorente beträgt 1.000 EUR. Der Hinzuverdienstdeckel liegt im Jahr 2023 bei 2.000 EUR.

Ergebnis: Bei einem Jahres-Hinzuverdienst von jeweils 18.000 EUR wird die Hinzuverdienstgrenze um 11.700 EUR überschritten (18.000 EUR – 6.300 EUR). Es ergibt sich ein Anrechnungsbetrag von 390 EUR (11.700 EUR : 12 Monate x 40 %). Die Teilrente von 610 EUR (1.000 EUR – 390 EUR) und der Hinzuverdienst von 1.500 EUR (1/12 von 18.000 EUR) überschreiten mit 2.110 EUR den Hinzuverdienstdeckel von 2.000 EUR um 110 EUR. Dieser Betrag ist von der Teilrente abzuziehen und es ergibt sich eine Teilrente von 500 EUR (610 EUR – 110 EUR).

Würde ein höherer Hinzuverdienst erzielt werden, wäre die Teilrente entsprechend stärker zu kürzen, da weiterhin eine Begrenzung auf den Deckelwert von 2.000 EUR erfolgt – das Gesamteinkommen lässt sich also nicht steigern.

Zum 1.1.2024 steigt der Hinzuverdienstdeckel von 2.000 EUR in dem prozentualen Umfang, in dem sich die Bezugsgröße des Jahres 2024 gegenüber dem Jahr 2023 relativ erhöht. Eine höhere monatliche Teilrente – bei gleichbleibendem Hinzuverdienst – ergibt sich für diese Zeit aber erst verzögert, nämlich in Zusammenhang mit der sog. Spitzabrechnung zum 1.7.2024 für das Jahr 2023.[2]

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