Firmenfitness-Mitgliedschaft

Zusammenfassung

 
Begriff

Es ist zu unterscheiden zwischen 2 Ausgestaltungen für Firmenfitness-Mitgliedschaften:

  1. Firmenfitness-Angebote, bei denen der Arbeitgeber eine Vereinbarung mit dem Betreiber eines Fitnessstudios schließt und die Mitarbeiter zur Nutzung der Gesundheits-, Fitness- und Wellnessverbundanlagen berechtigt sind sowie
  2. Firmenfitness-Angebote, bei denen der Arbeitgeber eine Vereinbarung mit einem Vermittler von Fitnessangeboten schließt und die Mitarbeiter im Rahmen einer Flatrate täglich zwischen unterschiedlichen Sportangeboten wählen können.

Die Vertragsgestaltung sieht vor, dass der Arbeitgeber durch den Abschluss einer Firmenfitness-Mitgliedschaft, für ein bestimmtes kalkulatorisch ermitteltes Entgelt, für alle Mitarbeiter das Recht erwirbt, sämtliche Sportstätten nutzen zu können. Alternativ werden die Preise pro Mitarbeiter abgerechnet. Die Mitarbeiter haben freie Auswahl, in welcher Einrichtung sie trainieren wollen. Praktisch erfolgt die Abwicklung über Mitgliedsausweise, die der Arbeitnehmer unentgeltlich, häufiger aber gegen Entrichtung eines Beitrags (= Eigenanteil) vom Arbeitgeber erhält und vom Arbeitnehmer bei Nutzung vorzulegen ist. Die unentgeltliche oder verbilligte Einräumung von Fitness-Mitgliedschaften durch den Arbeitgeber führt beim Arbeitnehmer zu einem steuer- und beitragspflichtigen geldwerten Vorteil.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Lohnsteuer: Einzelheiten zum steuerlichen Arbeitslohnbegriff regeln § 19 Abs. 1 EStG und § 2 LStDV. Die Bewertung von Sachbezügen bestimmt sich nach § 8 Abs. 2 EStG. Die Voraussetzungen für die Pauschalbesteuerung von Sachzuwendungen an den Arbeitnehmer regelt § 37b EStG; umfassende Erläuterungen und Ergänzungen zu dieser Vorschrift enthält das BMF-Schreiben vom 19.5.2015, IV C 6 - S 2297-b/14/10001, BStBl 2015 I S. 468.

Sozialversicherung: § 14 Abs. 1 Satz 1 SGB IV definiert die vom Arbeitgeber im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses an den Arbeitnehmer geleisteten Zahlungen als sozialversicherungspflichtiges Arbeitsentgelt.

 
Kurzübersicht
 
Entgelt LSt SV
Firmenfitness-Mitgliedschaft (geldwerter Vorteil) pflichtig pflichtig

Entgelt

1 Lohnsteuerpflichtiger geldwerter Vorteil

Die Nutzung von Sportanlagen und Freizeiteinrichtungen aufgrund Firmenfitness-Mitgliedschaften, die der Arbeitgeber in Form von unentgeltlichen oder verbilligten Mitgliedsausweisen seinen Arbeitnehmern ermöglicht, begründet einen lohnsteuer-und beitragspflichtigen geldwerten Vorteil. Ist der Arbeitgeber Vertragspartner handelt es sich um Sachlohn. Dagegen sind zweckgebundene Geldzuwendungen sowie nachträgliche Kostenerstattungen Barlohn.[1]

Keine Steuerbefreiung für Gesundheitsvorsorge

Unter die Steuerbefreiung für betriebliche Gesundheitsförderung[2] fallen insbesondere die Leistungen, die im Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbandes zur Umsetzung der §§ 20, 20a und 20b SGB V aufgeführt sind. Nicht begünstigt sind grundsätzlich Angebote, die an eine bestehende oder zukünftige Mitgliedschaft gebunden sowie auf Dauer angelegt sind. Deshalb sind Mitgliedsbeiträge an Sportvereine und Fitnessstudios von der Steuerbefreiung ausgeschlossen. Die Einweisung in die Gerätenutzung durch Fachkräfte reicht für die Steuerbefreiung nicht aus.

2 Bewertung des geldwerten Vorteils

Die Bewertung des geldwerten Vorteils, der dem Arbeitnehmer durch den Erwerb des Mitgliedsausweises zufließt, bestimmt sich nach dem üblichen Endpreis am Abgabeort, vermindert um einen pauschalen Abschlag von 4 % für übliche Preisnachlässe.[1] Die Bewertung des geldwerten Vorteils aus der Nutzung der Sportanlagen bestimmt sich demnach nicht nach den Kosten des Arbeitgebers. Maßgebend ist der Endpreise, den der Arbeitnehmer als Privatkunde beim Abschluss eines vergleichbaren Einzelvertrags für sämtliche Dienstleistungen der jeweiligen Dienstleister bzw. Verbundanlagen aufwenden müsste.[2] Der monatliche Durchschnittswert aufgrund der tatsächlichen Inanspruchnahme der angebotenen Einrichtungen ist für die lohnsteuerliche Wertermittlung ohne Bedeutung.

Anwendung der 44-EUR-Freigrenze

Auf den sich ergebenden geldwerten Vorteil ist grundsätzlich die 44-EUR-Freigrenze für Sachbezüge anwendbar. Bei der Prüfung der 44-EUR-Freigrenze ist jedoch zu beachten, dass sämtliche in einem Kalendermonat zugeflossenen Sachbezüge zusammenzurechnen sind.

 
Praxis-Tipp

Anrufungsauskunft einholen I

Die Ermittlung des geldwerten Vorteils bei Firmenfitness-Mitgliedschaften bereitet aufgrund der Vielseitigkeit des Angebots häufig erhebliche praktische Schwierigkeiten. Da die Finanzämter aber bei der Bewertung des geldwerten Vorteils von Firmenfitness-Mitgliedschaften nicht einheitlich verfahren, sollte der Arbeitgeber eine Anrufungsauskunft einholen. Die Anrufungsauskunft hat haftungsbefreiende Wirkung und vermeidet unliebsame Nachforderungen bei einer späteren Lohnsteuer-Außenprüfung.

Überwiegend eigenwirtschaftliches Interesse des Vertragspartners?

Ein überwiegend eigenwirtschaftliches Interesse des Dritten schließt die Annahme von Arbeitslohn in der Regel aus.[3] Auch kein Arbeitslohn ...

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