Fahrtätigkeit / 3.1.3 Fahrten zum Sammelpunkt

Arbeitnehmer, die keine erste Tätigkeitsstätte haben, aufgrund Anweisung des Arbeitgebers aber dauerhaft denselben Ort aufsuchen müssen, um von dort typischerweise die arbeitstägliche berufliche Tätigkeit aufzunehmen, dürfen für diese Fahrten nur die Entfernungspauschale ansetzen. Diese Fahrten von Zuhause zum arbeitsrechtlich festgelegten Ort der täglichen Berufsaufnahme (= Sammelpunkt) werden aufgrund ihres vergleichbaren Typus mit Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte gleichgestellt. Beispiele für Arbeitnehmer mit Sammelpunkten sind Lkw-Fahrer, Vorarbeiter und Bauarbeiter.

Was bedeutet "typischerweise arbeitstäglich"?

Die Frage, wie der Gesetzeswortlaut typischerweise arbeitstäglich auszulegen ist, wird derzeit durch den BFH überprüft. Insbesondere geht es um die Frage, ob die Rechtsnorm nur anwendbar ist, wenn der Mitarbeiter an sämtlichen seiner Arbeitstage den vom Arbeitgeber bestimmten Ort aufsuchen soll. Eine typischerweise arbeitstägliche Anfahrt zu einem Sammelpunkt ist laut 2 Finanzgerichtsurteilen auch dann anzunehmen, wenn zwar die Anfahrt nicht an jedem Arbeitstag stattfindet, jedoch immer dann, wenn der Mitarbeiter von seinem Wohnort aufbricht, um seine Arbeit binnen eines Tages oder längerwährend auf einer Baustelle zu verrichten.

Andere Finanzgerichte kommen in ihren Entscheidungen zum Sammelpunkt zu einem anderen Ergebnis:

  • Nach einer Entscheidung des Niedersächsischen FG ist ein typischerweise arbeitstägliches Aufsuchen eines Ortes zur Aufnahme der beruflichen Tätigkeit nicht gleichzusetzen mit "regelmäßig oder üblicherweise". Ein Fernfahrer, der lediglich 2 bis 3 Tage pro Woche seine Fahrtätigkeit am Firmensitz seines Arbeitgebers beginnt und die übrige Zeit mehrtägige Fahrten unternimmt, sucht nicht typischerweise arbeitstäglich den Firmensitz auf.
  • Für das FG Nürnberg steht fest, dass beim Aufsuchen einer betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers an nur einem Tag in der Woche gerade nicht die Voraussetzungen eines Sammelpunkts vorliegen.

Beschränkung gilt nur für Fahrtkosten

Die gesetzliche Fiktion beschränkt sich auf die Fahrtkosten, für die der Ansatz der Reisekostensätze ausgeschlossen ist. Da eine erste Tätigkeitsstätte fingiert wird, stellt die Fahrt aber trotzdem eine berufliche Auswärtstätigkeit dar, d. h. es können je nach Abwesenheitsdauer ggf. Verpflegungspauschalen und Übernachtungskosten angesetzt werden. Für den Ansatz von Verpflegungspauschalen berechnet sich die berufliche Abwesenheitsdauer bereits ab dem Verlassen der Wohnung.

 

Praxis-Beispiel

Entfernungspauschale für Fahrten zum Busdepot

Ein Linienbusfahrer eines städtischen Verkehrsbetriebs hat nach dem Einsatzplan sein Fahrzeug arbeitstäglich am Busdepot des Arbeitgebers zu übernehmen. Eine erste Tätigkeitsstätte ist arbeitsrechtlich nicht festgelegt.

Ergebnis: Das Busdepot stellt ohne arbeitsrechtliche Zuordnung keine erste Tätigkeitsstätte dar, da der Busfahrer die zeitlichen Grenzen für die alternativ geltende quantitative Zuordnungsregelung nicht erreicht. Da der Busfahrer das Busdepot ausschließlich zum Abholen des Fahrzeugs aufsucht, wird auch nach der zeitlichen Grenze dort keine erste Tätigkeitsstätte begründet. Auswirkungen ergeben sich für die täglichen Fahrten zum Busdepot, die als Fahrten zwischen Wohnung und arbeitsrechtlicher Abholstätte unter die Entfernungspauschale fallen. Die berufliche Abwesenheitszeit für die Gewährung der Verpflegungskosten rechnet bereits ab dem Verlassen der Wohnung und endet auch wieder dort. Dasselbe Ergebnis tritt ein, wenn für die Busübernahme eine Bushaltestelle festgelegt ist. Örtliche Haltestellen können keine erste Tätigkeitsstätte sein, gleichwohl sind die arbeitstäglichen Fahrten nach Maßgabe der Entfernungspauschale nur beschränkt abzugsfähig.

 

Praxis-Beispiel

Entfernungspauschale für Paketzusteller

Ein Arbeitnehmer ist bei einem Paketzustelldienst als Auslieferungsfahrer beschäftigt. Hierzu fährt er morgens mit seinem eigenen Pkw in den Betrieb des Arbeitgebers, belädt den Zustellkombi, mit dem er seine Auslieferungsfahrten unternimmt und sucht die zu beliefernden Kunden auf. Der Arbeitgeber hat den Betrieb nicht als erste Tätigkeitsstätte festgelegt.

Ergebnis: Obwohl der Arbeitnehmer arbeitstäglich in den Betrieb des Arbeitgebers kommt und das Fahrzeug belädt, hat er dort keine erste Tätigkeitsstätte, denn allein die Übernahme des Zustellfahrzeugs und auch dessen Beladen reichen nicht aus, um das quantitative Kriterium "arbeitstäglich" zu erfüllen. Dennoch kann er für die Fahrten von seiner Wohnung zum Betrieb des Arbeitgebers lediglich 0,30 EUR pro Entfernungskilometer als Werbungskosten für den jeweiligen Arbeitstag ansetzen, denn bei dem Betrieb des Arbeitgebers handelt es sich um einen Sammelpunkt.

Darf der Paketzusteller sein Zustellfahrzeug mit nach Hause nehmen, ist ein geldwerter Vorteil für die Fahrten zwischen Wohnung und Firma nach den Regeln für einen Dienstwagen zu besteuern.

Entfernungspauschale für Flugpersonal mit Heimatflughafen als Sammelpunkt

Bei P...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge