Fahrtätigkeit / 3.1 Fahrtkostenerstattung

3.1.1 Arbeitnehmer ohne erste Tätigkeitsstätte

Wechselt der (nicht betriebliche) Übernahme-/Übergabeort des Fahrzeugs oder der Einsatzort des Berufskraftfahrers ständig, z. B. bei einem Beton- und Kiesfahrer, der seinen Lkw an verschiedenen Baustellen übernimmt, und endet die "Fahrtätigkeit" an der Wohnung, so sind die Aufwendungen des Arbeitnehmers und die (steuerfreien) Erstattungsleistungen des Arbeitgebers nach den Regelungen für Fahrten im Rahmen einer Einsatzwechseltätigkeit zu berücksichtigen.

3.1.2 Arbeitnehmer mit erster Tätigkeitsstätte

Bei einer Auswärtstätigkeit auf einem Fahrzeug sind die Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte nach den allgemeinen Regelungen der Entfernungspauschale zu behandeln. Erste Tätigkeitsstätte kann in diesen Fällen z. B. sein:

  • ein betriebliches Fahrzeugdepot,
  • der Standort des Busses oder Lastkraftwagens oder
  • die Einsatzstelle, wenn der Einsatzort nicht ständig wechselt.

In diesen Fällen sind die vom Arbeitgeber ersetzten Kosten bzw. Zuschüsse für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel seit 1.1.2019 lohnsteuerfrei. Für den Arbeitgeberersatz, wenn der Arbeitnehmer für diese Fahrten ein Kraftfahrzeug benutzt, bleibt es bei der bisherigen Lohnsteuerpflicht. Diese Arbeitgebererstattungen können mit 15 % pauschal versteuert werden. In beiden Fällen mindert der vom Arbeitgeber geleistete Fahrtkostenersatz die abzugsfähigen Werbungskosten des Arbeitnehmers. Steuerfreie und pauschal besteuerte Fahrtkostenzuschüsse zu Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sind zu diesem Zweck vom Lohnbüro in den Zeilen 17 und 18 der Lohnsteuerbescheinigung auszuweisen.

3.1.3 Fahrten zum Sammelpunkt

Arbeitnehmer, die keine erste Tätigkeitsstätte haben, aufgrund Anweisung des Arbeitgebers aber dauerhaft denselben Ort aufsuchen müssen, um von dort typischerweise die arbeitstägliche berufliche Tätigkeit aufzunehmen, dürfen für diese Fahrten nur die Entfernungspauschale ansetzen. Diese Fahrten von Zuhause zum arbeitsrechtlich festgelegten Ort der täglichen Berufsaufnahme (= Sammelpunkt) werden aufgrund ihres vergleichbaren Typus mit Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte gleichgestellt. Beispiele für Arbeitnehmer mit Sammelpunkten sind Lkw-Fahrer, Vorarbeiter und Bauarbeiter.

Was bedeutet "typischerweise arbeitstäglich"?

Die Frage, wie der Gesetzeswortlaut typischerweise arbeitstäglich auszulegen ist, wird derzeit durch den BFH überprüft. Insbesondere geht es um die Frage, ob die Rechtsnorm nur anwendbar ist, wenn der Mitarbeiter an sämtlichen seiner Arbeitstage den vom Arbeitgeber bestimmten Ort aufsuchen soll. Eine typischerweise arbeitstägliche Anfahrt zu einem Sammelpunkt ist laut 2 Finanzgerichtsurteilen auch dann anzunehmen, wenn zwar die Anfahrt nicht an jedem Arbeitstag stattfindet, jedoch immer dann, wenn der Mitarbeiter von seinem Wohnort aufbricht, um seine Arbeit binnen eines Tages oder längerwährend auf einer Baustelle zu verrichten.

Andere Finanzgerichte kommen in ihren Entscheidungen zum Sammelpunkt zu einem anderen Ergebnis:

  • Nach einer Entscheidung des Niedersächsischen FG ist ein typischerweise arbeitstägliches Aufsuchen eines Ortes zur Aufnahme der beruflichen Tätigkeit nicht gleichzusetzen mit "regelmäßig oder üblicherweise". Ein Fernfahrer, der lediglich 2 bis 3 Tage pro Woche seine Fahrtätigkeit am Firmensitz seines Arbeitgebers beginnt und die übrige Zeit mehrtägige Fahrten unternimmt, sucht nicht typischerweise arbeitstäglich den Firmensitz auf.
  • Für das FG Nürnberg steht fest, dass beim Aufsuchen einer betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers an nur einem Tag in der Woche gerade nicht die Voraussetzungen eines Sammelpunkts vorliegen.

Beschränkung gilt nur für Fahrtkosten

Die gesetzliche Fiktion beschränkt sich auf die Fahrtkosten, für die der Ansatz der Reisekostensätze ausgeschlossen ist. Da eine erste Tätigkeitsstätte fingiert wird, stellt die Fahrt aber trotzdem eine berufliche Auswärtstätigkeit dar, d. h. es können je nach Abwesenheitsdauer ggf. Verpflegungspauschalen und Übernachtungskosten angesetzt werden. Für den Ansatz von Verpflegungspauschalen berechnet sich die berufliche Abwesenheitsdauer bereits ab dem Verlassen der Wohnung.

 

Praxis-Beispiel

Entfernungspauschale für Fahrten zum Busdepot

Ein Linienbusfahrer eines städtischen Verkehrsbetriebs hat nach dem Einsatzplan sein Fahrzeug arbeitstäglich am Busdepot des Arbeitgebers zu übernehmen. Eine erste Tätigkeitsstätte ist arbeitsrechtlich nicht festgelegt.

Ergebnis: Das Busdepot stellt ohne arbeitsrechtliche Zuordnung keine erste Tätigkeitsstätte dar, da der Busfahrer die zeitlichen Grenzen für die alternativ geltende quantitative Zuordnungsregelung nicht erreicht. Da der Busfahrer das Busdepot ausschließlich zum Abholen des Fahrzeugs aufsucht, wird auch nach der zeitlichen Grenze dort keine erste Tätigkeitsstätte begründet. Auswirkungen ergeben sich für die täglichen Fahrten zum Busdepot, die als Fahrten zwischen Wohnung und arbeitsrechtlicher Abholstätte unter die Entfernungspauschale fallen. Die berufliche Abwesenheitszeit für die Gewährung der Verpflegungskost...

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