Essenmarke / Lohnsteuer

1 Ansatz des Sachbezugswerts

Die steuerliche Behandlung der vom Arbeitgeber ausgegebenen Essenmarken (Essengutscheine, Restaurantschecks) ist davon abhängig, ob diese für Mahlzeiten innerhalb oder außerhalb des Betriebs zu verwenden sind. Während für die Essenmarken für die vom Arbeitgeber selbst betriebene Kantine der amtliche Sachbezugswert anzusetzen ist, ist diese vorteilhafte Bewertung für außerbetriebliche Kantinen oder Gaststätten an weitere Voraussetzungen geknüpft.

Die Sachbezugswerte 2020 betragen für

  • Frühstück 1,80 EUR (2019: 1,77 EUR),
  • Mittag- und Abendessen jeweils 3,40 EUR (2018: 3,30 EUR).

2 Mahlzeiten in betriebseigener Kantine

Sind die Essenmarken für den Bezug von Mahlzeiten in einer betriebseigenen Kantine bestimmt, so ist der Wert der Mahlzeit mit dem amtlichen Sachbezugswert anzusetzen. Der Wert der Essenmarken ist für die Besteuerung ohne Bedeutung. Lohnsteuerpflichtig ist stets der Sachbezugswert bzw. der um die Zuzahlung des Arbeitnehmers geminderte Sachbezugswert.

Der Sachbezugswert ist nicht anzusetzen, wenn die ausgegebenen Mahlzeiten nicht überwiegend für die Arbeitnehmer zubereitet werden, z. B. Gerichte, die in einem Restaurant auch den Gästen angeboten werden.

 
Praxis-Beispiel

Wert der Essenmarke = Preis der Mahlzeit

Keine Zuzahlung des Arbeitnehmers

Der Arbeitnehmer erhält im Kalenderjahr 2020 für die arbeitstägliche Mahlzeit in der betriebseigenen Kantine eine Essenmarke im Wert von 2,50 EUR, die Mahlzeit kostet ebenfalls 2,50 EUR. Der Arbeitnehmer zahlt nichts hinzu.

 
Sachbezugswert der Mahlzeit 3,40 EUR
Abzgl. Zuzahlung des Arbeitnehmers - 0,00 EUR
Geldwerter Vorteil 3,40 EUR
Verrechnungswert Essenmarke 2,50 EUR
Anzusetzender geldwerter Vorteil 3,40 EUR

Zuzahlung des Arbeitnehmers mindert Sachbezugswert

Leistet der Arbeitnehmer nach Verrechnung des Wertes der Essenmarke mindestens einen Eigenanteil in Höhe des amtlichen Sachbezugswertes, ergibt sich kein geldwerter Vorteil; die steuerliche Erfassung entfällt. Wird vom Arbeitnehmer eine Zuzahlung geleistet, die geringer ist als der amtliche Sachbezugswert, so ist der Differenzbetrag lohnsteuer- und beitragspflichtig.

 
Praxis-Beispiel

Wert der Essenmarke < Preis der Mahlzeit

Zuzahlung des Arbeitnehmers < amtlicher Sachbezugswert

Der Arbeitnehmer erhält im Kalenderjahr 2020 für die arbeitstägliche Mahlzeit in der betriebseigenen Kantine eine Essenmarke im Wert von 2,50 EUR, die Mahlzeit kostet 4 EUR. Der Arbeitnehmer zahlt die Differenz i. H. v. 1,50 EUR hinzu.

 
Sachbezugswert der Mahlzeit 3,40 EUR
Abzgl. Zuzahlung des Arbeitnehmers - 1,50 EUR
Geldwerter Vorteil 1,90 EUR
Verrechnungswert der Essenmarke 2,50 EUR
Anzusetzender geldwerter Vorteil 1,90 EUR
 
Praxis-Beispiel

Wert der Essenmarke < Preis der Mahlzeit

Zuzahlung des Arbeitnehmers > amtlicher Sachbezugswert

Der Arbeitnehmer erhält im Kalenderjahr 2020 für die arbeitstägliche Mahlzeit in der betriebseigenen Kantine eine Essenmarke im Wert von 1 EUR, die Mahlzeit kostet 4,50 EUR. Der Arbeitnehmer zahlt die Differenz i. H. v. 3,50 EUR hinzu.

 
Sachbezugswert der Mahlzeit 3,40 EUR
Abzgl. Zuzahlung des Arbeitnehmers - 3,50 EUR
Geldwerter Vorteil 0,00 EUR
Verrechnungswert der Essenmarke 1,00 EUR

Es ergibt sich kein geldwerter Vorteil, da die Zuzahlung des Arbeitnehmers höher ist als der amtliche Sachbezugswert

[1]

3 Mahlzeiten in fremdbewirtschafteten Kantinen

3.1 Vertragliche Beziehung zwischen Arbeitgeber und Kantinenbetreiber

Gibt der Arbeitgeber Essenmarken für die arbeitstägliche Mahlzeit außerhalb des Betriebs aus, sind die Sachbezugswerte auch dann maßgebend, wenn Arbeitnehmer Mahlzeiten in einer nicht vom Arbeitgeber selbst betriebenen Kantine, Gaststätte oder vergleichbaren Einrichtung erhalten und vertragliche Beziehungen zwischen Arbeitgeber und dem Betreiber der Kantine über die Abgabe von Mahlzeiten bestehen.

Auf unmittelbare vertragliche Beziehungen bei der unentgeltlichen bzw. verbilligten Abgabe von Mahlzeiten außerhalb des Betriebs wird verzichtet, wenn der Arbeitgeber ein Essenbon-Unternehmen einschaltet, das den Verkauf von Essengutscheinen bzw. Restaurantschecks zum Gegenstand hat. Der Ansatz des Sachbezugswerts für arbeitstägliche Mahlzeiten außerhalb des Betriebs ist nur unter ganz engen Voraussetzungen zulässig.[1]

3.2 Einlösung nur gegen Mahlzeiten

Die Essenmarken dürfen nur bei Abgabe tatsächlicher Mahlzeiten eingelöst werden.

Lebensmittel erfüllen diese Voraussetzung nur dann, wenn sie unmittelbar zum Verzehr geeignet oder zum Verbrauch während der Essenpausen bestimmt sind. Die Inzahlungnahme bei Metzgereien oder Lebensmittelgeschäften ist also nur dann begünstigt, wenn verzehrfertige Waren abgegeben werden, die keiner besonderen Zubereitung bedürfen. Der Einkauf einzelner Bestandteile einer Mahlzeit bei verschiedenen Akzeptanzstellen ist zulässig. Der Erwerb von Lebensmitteln auf Vorrat für andere Arbeitstage ist nicht zulässig. Für Einkäufe an einem Arbeitstag darf nur eine Essenmarke mit dem amtlichen Sachbezugswert eingelöst und angesetzt werden. Erwirbt der Arbeitnehmer Mahlzeiten oder Bestandteile einer Mahlzeit für andere Tage auf Vorrat, sind hierfür gewährte Essenmarken als Arbeitslohn zu erfassen.[1]

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