Ernährung im Betrieb – Trei... / 3.2 Ohne Kantine geht es auch

Die größere Zahl der Betriebe hat keine Kantine. Die Gründe sind vielfältig – meist liegt es an einer zu geringen Mitarbeiterzahl für den rentablen Betrieb einer Kantine (ab etwa 300 Essern). Wobei sich das Unternehmen hier die Frage stellen kann, ob es nur um Rentabilität geht oder auch um Wertschätzung der Mitarbeiter. Es gibt auch Unternehmen, die für 12 Mitarbeiter schon eine Köchin engagiert haben. Hat das Unternehmen keine Kantine und möchte den Mitarbeitern etwas bieten, gilt es kreativ zu werden und die Möglichkeiten vor Ort auszuloten.

3.2.1 Mitgebrachtes richtig in Szene setzen

Die traditionellste Art der Mittagsmahlzeit – v. a. in Produktionsbetrieben – ist der sog. Henkelmann, auch weil dies für den Mitarbeiter die günstigste Variante darstellt. In diesem Fall sollte es die Aufgabe des Unternehmens sein, einen angenehmen Platz zum Essen zu schaffen. Mit der Einrichtung von Pausenräumen kann das Unternehmen für eine angenehme Atmosphäre und einen Ortswechsel sorgen. Dabei sind auch kreative Lösungen gefragt.

 
Praxis-Beispiel

Kreative Lösungen

  • Der Besprechungsraum kann zur Mittagszeit immer als offizieller Pausenraum eingebucht werden.
  • Sind keine Räumlichkeiten im eigenen Gebäude vorhanden, kann im Umfeld nach ungenutzten Räumen geforscht werden, z. B. ein Vereinsheim in der Nachbarschaft.

Bestehende Räume sollten auf ihr Wohlfühlambiente überprüft und ggf. umgestaltet werden. Oft werden bestehende Räumlichkeiten von den Mitarbeitern nicht genutzt, weil sie ungemütlich oder nicht sauber sind.

Damit die Küche beim Mitgebrachten nicht kalt bleibt, sollte man sich auch mit der Ausstattung der Teeküche beschäftigen: Wichtig sind natürlich Möglichkeiten zum Erwärmen der Speisen und die Ausstattung mit Geschirr und Spülmaschine.

Die Reinigung von Küchen, Geräten und Pausenräumen muss in die Überlegungen miteinbezogen werden.

 
Praxis-Tipp

Teeküchen haben keine Selbstreinigungskraft

Teeküchen und der dazugehörige Putzplan sind oft ein Dauerbrenner. Trotz Plan fühlt sich keiner zuständig. Daher ist es empfehlenswert, die Küchen sowie die Geräte inklusive Kühlschrank von der Reinigungsfirma sauber machen zu lassen. Das entspannt die Situation und die Mitarbeiter nutzen die Küche gerne. Und 1-mal pro Woche wird der gesamte Kühlschrank geleert und geputzt, dann ist auch das Problem mit den Essensresten im Kühlschrank gelöst.

3.2.2 Raus zum Essen fassen

Ohne Kantine heißt es zur Mittagszeit "Ausschwärmen", um die leidige Frage nach dem "Was esse ich heute?" mit dem Einkauf des Üblichen, meist Ungesunden zu erledigen. Wenn die Mitarbeiter gemeinsam losgehen, kommen sie meist getrennt zurück, da jeder bei einem anderen Imbiss sein "Wunschessen" findet und unterschiedlich lange wartet. Die Mittagspause wird dadurch auch meist so kurz, dass auf dem Weg zurück schon gegessen werden muss. Außer der Bewegung an der frischen Luft hat dies wenig mit einer gesunden Mittagspause zu tun.

Die andere Möglichkeit ist, bei umliegenden Lieferdiensten zu bestellen. Abgesehen von der ebenso geringen Auswahl an gesunden Varianten, geht die Logistik oft auf Kosten der Arbeitszeit, denn die Auswahl, die Bestellung, die Verteilung und das Geld-Einsammeln sind ziemlich zeitraubend.

Deshalb ist es empfehlenswert, dass sich der Arbeitgeber um Alternativen bemüht. Mithilfe nachfolgender Fragen kann ein erster Anforderungskatalog erstellt werden. Danach empfiehlt es sich, einen Fachmann mit ins Boot zu holen, um ein wirklich tragfähiges Angebot zu schaffen, das sich längerfristig etablieren kann. Bei der Auswahl eines Lieferanten ist es extrem wichtig, fachlich zu prüfen, ob er auf lange Sicht genügend Abwechslung beim Speisenangebot bietet. Das Restaurant um die Ecke hat nicht die nötige Angebotsbreite und wird bei den Mitarbeitern sicher bald durchfallen.

 
Praxis-Tipp

Fragen zur Mittagsverpflegung

  • Wie viele Mitarbeiter wünschen eine Mittagsverpflegung?
  • Was darf ein Mittagessen den Mitarbeiter kosten?
  • Welche Subvention stellt der Betrieb bereit?
  • Welches Essensangebot gibt es derzeit rund um den Standort?
  • Gibt es Nachbarkantinen, die nach Absprache für Ihre Mitarbeiter zugänglich werden können?
  • Wer könnte Sie mit warmen Mahlzeiten täglich frisch beliefern?
  • Welche alternativen Liefermöglichkeiten für Tiefkühl- oder Kühlfertiggerichte gibt es?
  • Welche räumlichen und logistischen Voraussetzungen müssen geschaffen werden?
  • Können die Speisekarten von Anbietern aus der Umgebung im Intranet eingebunden werden?
  • Ist die Teeküchenausstattung optimal?
  • Wie sind Aufenthaltsräume ausgestattet und wie ist ihr Ambiente?

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