Mit dem Verfahren AVEM (Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster) liegt ein mehrdimensionales persönlichkeitsdiagnostisches Verfahren vor, das im Rahmen arbeits- und gesundheitspsychologischer Fragestellungen eingesetzt werden kann.[1] Auf der Basis ermittelter gesundheitsförderlicher bzw. -gefährdender Verhaltens- und Erlebensweisen der Beschäftigten in Bezug auf Arbeits- und Berufsanforderungen ist die Ableitung präventiver Maßnahmen möglich. Neben arbeitsgestalterischen Interventionen werden v. a. personenbezogene Verhaltensänderungen angestrebt, die sich z. B. auf eine bessere Belastungsbewältigung oder auch auf eine andere Problemgewichtung beziehen. Der AVEM-Fragebogen bezieht sich demnach sowohl auf die Gesundheitsförderung als auch die Personalentwicklung.

Für Untersuchungen von Gruppen, wie z. B. Unternehmen, eignet sich die Kurzform mit 44 Items. Folgende Dimensionen lassen sich durch den AVEM darstellen:

  1. Subjektive Bedeutsamkeit der Arbeit
  2. Beruflicher Ehrgeiz
  3. Verausgabungsbereitschaft
  4. Perfektionsstreben
  5. Distanzierungsfähigkeit
  6. Resignationstendenz bei Misserfolg
  7. Offensive Problembewältigung
  8. Innere Ruhe und Ausgeglichenheit
  9. Erfolgserleben im Beruf
  10. Lebenszufriedenheit
  11. Erleben sozialer Unterstützung

Aufgrund der 11 Dimensionen lassen sich die Bereiche Engagement, die erlebte Widerstandskraft gegenüber beruflichen Belastungen und die Emotionen, die die Berufsausübung begleiten, darstellen.[2] Darüber hinaus kann jeder Befragte einem von 4 (Persönlichkeits-) Mustern zugeordnet werden, die jeweils bestimmte Charakteristika aufweisen (Tab. 5).

 
Muster Kennzeichen
G Hohes berufliches Engagement, ausgeprägte Widerstandskraft gegenüber Belastungen, positives Lebensgefühl ("psychische Gesundheit").
S Ausgeprägte Schonungs- (oder auch Schutz-)tendenz gegenüber beruflichen Anforderungen.
Risiko A Exzessives Engagement (Selbstüberforderung) bei eher eingeschränktem Lebensgefühl und verminderter Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen.
Risiko B Vorherrschendes Erleben von Überforderung, Erschöpfung und Resignation.

Tab. 5: Übersicht zu den wesentlichen Kennzahlen im BGM[3]

Besonders spannend beim Einsatz des AVEM ist, dass auf Basis dieser Zuordnungen nicht nur ein Fehlzeitenverhalten mit erklärt werden kann. Es können auch die Anteile der Beschäftigten aufgezeigt werden, die zu Präsentismus neigen ("krank zur Arbeit") und die dem Burn-out-Syndrom zugeordnet werden können.

[1] Sarges/Wottawa, Handbuch wirtschaftspsychologischer Testverfahren, 2. Aufl. 2004.
[2] Sarges/Wottawa, Handbuch wirtschaftspsychologischer Testverfahren, 2. Aufl. 2004.
[3] Schaarschmidt/Fischer, AVEM Manual, 3. Aufl. 2008.

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