Entspannung im Unternehmen:... / 2 Entspannungsmöglichkeiten und deren Umsetzung im Unternehmen

2.1 Aktive Entspannung

Jeder Impuls, den wir in den Körper geben, setzt sich dort fort. Das Lebensprinzip Bewegung entspannt an sich, da es dem Körper seine grundlegende Funktion von An- und Entspannung der beteiligten Muskelketten zurückgibt. Der Mensch ist kein statisches Wesen, deshalb sind alle Bewegungsprogramme auch gleichzeitig als Entspannungsprogramm zu sehen und zu werten.

2.1.1 Klassische Bewegungsangebote

In Kursform zur Einführung sind die folgenden Bewegungsangebote empfehlenswert:

  • Walking bzw. Nordic-Walking,
  • Jogging,
  • Inliner- und Radfahrgruppen.

Hier sind teilweise materielle Voraussetzungen nötig, über deren Anschaffung durch die Firma im Vorfeld Klarheit herrschen muss. Die Angebote werden meist im Anschluss an die Arbeit durchgeführt, in Ausnahmefällen aber auch in der Mittagszeit. Entsprechende räumliche Voraussetzungen, wie z. B. ein Park, Wege an einem Fluss oder Waldgebiete, müssen natürlich vorhanden sein.

 
Wichtig

Luft und Licht

Dies sind Freiluftaktivitäten, die nicht nur frische Luft bringen, sondern auch ein Bad im Licht, das unseren Körper zentral steuert. Wenn die teilnehmenden Personen mit der Einstellung "es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung" dem Wetter trotzen, dann fällt das Training auch seltener aus.

Wetter- und lageunabhängiger sind Indoor-Kurse, die nur einen entsprechenden Raum und Möglichkeiten zur Lagerung der nötigen Materialien – z. B. Matten – voraussetzen. Möglich sind i. W. folgende Kurse:

  • Rückengymnastik für Büro- bzw. Produktionsmitarbeiter oder Gymnastikkurse, die problem- und arbeitsplatzbezogen angeboten werden. Sie dienen damit gezielt zum Ausgleich der einseitigen Belastung.
  • Gymnastikkurse für ältere Mitarbeiter, um beweglich zu bleiben.
 
Wichtig

Kurse zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit

Die Zukunft wird zunehmend neue Kurse bringen, die sich um älter werdende Mitarbeiter und die Aufrechterhaltung von der Leistungsfähigkeit kümmern.

 
Praxis-Beispiel

Wenn Ergonomie die Belastung zu weit reduziert

Nachdem z. B. in der MAN Truck & Bus AG, Werk Salzgitter in einem Produktionsbereich die körperlichen Belastungen der Beschäftigten durch ergonomische Hebevorrichtungen und organisatorischen Veränderungen der Abläufe soweit wie möglich reduziert worden waren, stiegen innerhalb von 3 Jahren die Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant von 3 auf 13 % an. Werden also die körperlichen Belastungen am Arbeitsplatz, wie gesamtgesellschaftlich gefordert, massiv reduziert, kommt es zu einer Diagnoseverschiebung. Trotzdem ist die Vorgehensweise richtig. Aber über die Verhaltensprävention müssen die Unternehmen dann Ihre Beschäftigten sensibilisieren und unterstützen, die fehlende körperliche Belastung über Trainings- und Konditionierungsmöglichkeiten während der Freizeit zu kompensieren. MAN bietet dafür Sonderkonditionen in Fitness-Studios und einen Sportraum im Werk, sowie verschiedene Sportgruppen an.[1]

Eine hervorragende Möglichkeit individuell und bedarfsorientiert zu reagieren, sind Kurzmaßnahmen wie Pausengymnastik, die gezielt Verspannungen lösen – am besten präventiv, bevor der Schmerz kommt. Beispiele dafür sind arbeitsplatzbezogene Übungen, wie Rollen der Schultern oder Anspannung der Nackenmuskulatur (progressive Muskelentspannung nach Jacobsen).

Diese Kompetenz ist am besten in einem Kurs oder Workshop mit begleitendem E-Learning (Blended Learning) zu erlernen. Am Markt gibt es inzwischen eine Vielzahl solcher Programme, die alle Vor- und Nachteile haben. Egal, welches gewählt wird: die Mitarbeiter müssen es nutzen – denn ohne Nutzung kein Nutzen.

 
Praxis-Tipp

Vorhandene Bewegungs- und Entspannungspotenziale nutzen

Es ist schade, dass die nahe liegenden Dinge oft nicht gesehen werden, denn im normalen Tagesablauf sind viele Bewegungs- und Entspannungspotenziale mit geringem Aufwand nutzbar:

  • Die Fitnessanlage der Firma – die Treppen – sollte nach dem Motto "Treppen machen munter – Aufzüge ziehen runter" so viel wie möglich genutzt werden.
  • "Stehungen" statt Sitzungen: Im Stehen sind alle wacher und fassen sich kürzer.
  • Kleine kurze Bewegungsübungen[2] vor, während oder nach einer Sitzung, zu vorgegebenen Zeiten oder immer wenn der Körper danach ruft.
  • "Walk and talk": Besprechungen "im Gehen" erledigen, am besten im Freien.
  • Für die Arbeit am Bildschirm: immer wieder in die Ferne schauen und einen Punkt fixieren, das ist eine einfache Augenentspannungsübung.
  • Lachen – die beste Entspannungsübung für das Gesicht und die Psyche mit gewünschtem Ansteckungseffekt. Wir sagen nicht umsonst, der hat gut lachen oder der hat nichts zu lachen.

Weitere aktive Entspannungsmöglichkeiten

  • Kooperation mit Fitness-Studios und/oder Vereinen: Das Unternehmen beteiligt sich bei bestimmten Fitness-Studios an den Kosten, die dem Mitarbeiter entstehen, wenn er Mitglied wird, oder übernimmt sie komplett (jeweils bei entsprechendem Nachweis, dass es auch genutzt wird). Dies ist sowohl intern (bei entsprechenden Räumlichkeiten und Gerätschaften als auch extern (im Fitnessstudio) möglich.
  • Betriebssport: Betriebsmannschaften: Hier müssen di...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge