Der Entstehungszeitpunkt am 1.9.2022 ist von Bedeutung für die Frage "Wer zahlt die Energiepreispauschale aus?". Bei einem Arbeitgeberwechsel oder bei Kündigung des Arbeitnehmers kommt es also darauf an, ob zum Stichtag 1.9.2022 ein aktives erstes Beschäftigungsverhältnis vorliegt.

 
Praxis-Beispiel

Energiepreispauschale bei Kündigung und Arbeitgeberwechsel I

Ein Arbeitnehmer (Steuerklasse II) kündigt sein Dienstverhältnis zum 31.7.2022 bei seinem Arbeitgeber B. Am 5.9.2022 unterschreibt der Arbeitnehmer bei Arbeitgeber C einen neuen Arbeitsvertrag und fängt Mitte September 2022 beim neuen Arbeitgeber an.

Ergebnis: Der Anspruch auf eine Energiepreispauschale entsteht am 1.9.2022. Zu diesem Zeitpunkt war der Arbeitnehmer weder in einem aktiven ersten Dienstverhältnis bei Arbeitgeber B noch bei Arbeitgeber C. Der Arbeitnehmer erhält weder von Arbeitgeber B noch von Arbeitgeber C eine Energiepreispauschale von 300 EUR.

Da der Arbeitnehmer im Veranlagungszeitraum 2022 in einem aktiven ersten Dienstverhältnis gestanden hat, unabhängig von dem Zeitraum, hat der Arbeitnehmer Anspruch auf die Energiepreispauschale. Der Arbeitnehmer kann die Energiepreispauschale über die Abgabe der Einkommensteuererklärung für den Veranlagungszeitraum 2022 erhalten.

 
Praxis-Beispiel

Energiepreispauschale bei Kündigung und Arbeitgeberwechsel II

Ein Arbeitnehmer (Steuerklasse I) kündigt am 17.8.2022 bei seinem Arbeitgeber B sein Dienstverhältnis zum 18.9.2022 (1-monatige Kündigungsfrist). Am 30.8.2022 unterschreibt der Arbeitnehmer einen Arbeitsvertrag bei Arbeitgeber C und fängt Mitte September 2022 beim neuen Arbeitgeber an.

Ergebnis: Der Anspruch auf eine Energiepreispauschale entsteht am 1.9.2022. Zu diesem Zeitpunkt war der Arbeitnehmer im Rahmen des ersten Dienstverhältnisses noch bei Arbeitgeber B beschäftigt.

Nur Arbeitgeber B muss an den Arbeitnehmer eine Energiepreispauschale auszahlen, auch wenn im September 2022 ein Arbeitgeberwechsel stattfindet. Denn am 1.9.2022 bestand zu Arbeitgeber C noch kein erstes Dienstverhältnis, folglich zahlt Arbeitgeber C dem Arbeitnehmer keine Energiepreispauschale aus. Eine mehrfache Auszahlung der Energiepreispauschale ist nicht zulässig.

 
Praxis-Beispiel

Energiepreispauschale bei Nebenjob

Ein Arbeitnehmer (Steuerklasse I) arbeitet seit 2021 neben seinem Studium. Der Arbeitgeber zahlt dem Arbeitnehmer monatlich ein Gehalt von brutto 650 EUR. Aufgrund der gestiegenen Energiekosten zahlt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer im September 2022 zusätzlich eine Energiepreispauschale von 300 EUR. Die Auszahlung erfolgt am 30.9.2022.

Ergebnis: Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf die Energiepreispauschale von 300 EUR für den Veranlagungszeitraum 2022, weil

  1. der Arbeitnehmer im Zeitpunkt der Entstehung am 1.9.2022 beim Arbeitgeber angestellt ist und
  2. er sich in einem gegenwärtig ersten Dienstverhältnis (Lohnsteuerklasse I) befindet.

Der Arbeitgeber zahlt dem Arbeitnehmer die 300 EUR aus.

 
Praxis-Beispiel

Energiepreispauschale bei Krankengeld

Ein Arbeitnehmer ist alleinerziehend und bezieht vom 1.1.-31.12.2022 ausschließlich Krankengeld.

Ergebnis: Der Anspruch auf eine Energiepreispauschale entsteht am 1.9.2022. Am 1.9.2022 liegt ein gegenwärtig erstes Dienstverhältnis vor, auch wenn der Arbeitnehmer im gesamten Veranlagungszeitraum 2022 ausschließlich Krankengeld bezieht und keine weiteren Einkünfte aus einer anspruchsberechtigten aktiven anderen Tätigkeit. Der Arbeitnehmer hat damit Anspruch auf eine Energiepreispauschale, die der Arbeitgeber an seinen Arbeitnehmer auszahlen muss. Die Auszahlung des Krankengelds unterbricht lediglich den Anspruch auf Auszahlung des Arbeitslohns.

 
Praxis-Beispiel

Energiepreispauschale bei Grenzgängern/Grenzpendlern

Ein Arbeitnehmer (Steuerklasse I) arbeitet bei seinem Arbeitgeber in Belgien. Der Arbeitnehmer bezieht Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit.

Ergebnis: Der Arbeitnehmer ist in Deutschland unbeschränkt einkommensteuerpflichtig. Der Anspruch auf eine Energiepreispauschale entsteht am 1.9.2022. Zu diesem Zeitpunkt ist der Arbeitnehmer in einem aktiven ersten Dienstverhältnis (Steuerklasse I) bei Arbeitgeber B in Belgien beschäftigt und erzielt Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit. Der Arbeitnehmer hat somit Anspruch auf die Energiepreispauschale.

Voraussetzung für die Auszahlung ist, dass es sich um einen inländischen Arbeitgeber handeln muss. Dieser Arbeitgeber ist jedoch ein ausländischer Arbeitgeber mit Sitz in Belgien. Der Arbeitnehmer erhält somit als Grenzgänger bzw. Grenzpendler die Energiepreispauschale nur im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung für den Veranlagungszeitraum 2022.

Arbeitsverhältnis unter nahen Angehörigen

Ein Arbeitsverhältnis wird steuerlich anerkannt, soweit es ernsthaft vereinbart und entsprechend dieser Vereinbarung tatsächlich durchgeführt wird. Der Vertrag muss zivilrechtlich wirksam abgeschlossen sein. Im Falle eines Ehegatten-Arbeitsverhältnisses oder Arbeitsverhältnis unter nahen Angehörigen muss die Gewährung der Energiepreispauschale auch unter Fr...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge