Durchführung eines BGM durc... / 4.3 Fallbeispiel psychosoziale Gesundheit

Der Wandel der Arbeitswelt hat dazu geführt, dass heute in vielen Betrieben psychische Belastungen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Als wichtige Gründe hierfür werden u. a. die zunehmende Arbeitsverdichtung, der steigende Zeit-, Termin- und Leistungsdruck, neue Informationstechnologien aber auch die zunehmende Unvereinbarkeit von Berufs- und Privatleben angeführt.

 
Praxis-Beispiel

Fallbeschreibung

Die Mitarbeiter eines mittelständischen IT-Unternehmens klagen zunehmend über psychische Belastungen und Stress an ihrem Arbeitsplatz. Darüber hinaus existieren teilweise Probleme mit Führungskräften.

Bei den Arbeitsplätzen handelt es sich weitestgehend um Büro- und Bildschirmarbeitsplätze.

Das Tagesgeschäft des Unternehmens ist geprägt durch Konkurrenzdruck, Kreativität, die stetige Beschleunigung von Prozessen und den Austausch mit Kunden. Um daher als global agierendes Unternehmen im Wettbewerb bestehen zu können, müssen die Mitarbeiter motiviert, leistungsfähig und hochqualifiziert sein.

Programm zur Förderung der psychosozialen Gesundheit

Das nachfolgende Interventionsprogramm zur Förderung der psychosozialen Gesundheit ist modular aufgebaut und gliedert sich in 4 Bereiche. Das Programm orientiert sich am Prinzip der Multikausalität von psychischen Erkrankungen und integriert sowohl verhaltens- als auch verhältnisbezogene Komponenten (Abb. 4).

Abb. 4: Programmübersicht zur Förderung der psychosozialen Gesundheit

I. Informationsphase

Im Rahmen der Informationsphase erfolgt zunächst eine schriftliche Ankündigung zur Motivation der Beschäftigten und Führungskräfte. Darüber hinaus erhalten die Mitarbeiter in Form einer Kick-off-Veranstaltung ausführliche Informationen zu dem geplanten Präventionsprogramm (unternehmensspezifische Umsetzung, Ziele, Inhalte und Ablauf).

II. Gesundheitszirkel und Mitarbeiterbefragung

Zur vertiefenden Analyse und zur Einbindung der Beschäftigten werden eine Mitarbeiterbefragung und ggf. mehrere Gesundheitszirkel durchgeführt.

III. Vorbereitungsvorträge

Die Vorbereitungsvorträge dienen der grundlegenden Wissensvermittlung. Die Beschäftigten erhalten in diesem Zusammenhang theoretische Informationen in Verbindung mit praktischen Beispielen aus ihrer eigenen Arbeitsumgebung (Informationen z. B. aufgrund der Gesundheitszirkel). Dabei sollen sie sich in den Praxisbeispielen selbst wiederfinden, um eine möglichst starke Bindung zur Thematik aufbauen zu können.

Die Vorbereitungsvorträge sind für alle Mitarbeiter konzipiert. Ziel ist es, allen Mitarbeitern eine erste Orientierung im Themengebiet der psychosozialen Belastungen zu ermöglichen und für die Problematik dieser Belastungen an ihrem Arbeitsplatz zu sensibilisieren. Viele Beschäftigte wissen beispielsweise nicht, wie sie belastende Arbeitsanforderungen bzw. Arbeitssituationen bewältigen können. In den Vorträgen erfahren sie daher, wie Stress entsteht, welche Möglichkeiten der Stressbewältigung infrage kommen und wie man sie selbst in den Arbeitsalltag überträgt.

IV. Coaching am Arbeitsplatz

Der Führungskräfte-Workshop richtet sich grundsätzlich an alle Führungskräfte des Unternehmens. Fokussiert werden sollten jedoch insbesondere Führungskräfte mit erhöhter Stressbelastung bzw. Führungskräfte in deren Abteilung eine erhöhte Arbeitsunzufriedenheit und/oder ein erhöhter Krankenstand vorliegen.

Mögliche Inhalte des Workshops können sein:

  • Gesundheit als Wert,
  • gesunde Führung – zwischenmenschlicher Arbeits- und Gesundheitsschutz,
  • Inhalte, Ablauf und Chancen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements für den wirtschaftlichen Erfolg,
  • Informationen über Zusammenhänge zwischen Führungsverhalten und psychischer Belastung, Ressourcen, Wohlbefinden und Gesundheit der Beschäftigen,
  • Stress und Ressourcen,
  • Achtsamkeitstraining und Selbstwirksamkeit,
  • Entwicklung einer Führungskultur, in der "Gesundheit" als zentraler Wert gelebt werden kann,
  • Transfer dieser Strategien in den betrieblichen Alltag und Sicherung der unternehmerischen sowie individuellen Nachhaltigkeit.

Als weiterführendes Angebot kann außerdem ein Kursprogramm zur Förderung der psychosozialen Gesundheit infrage kommen. Das Kursangebot erstreckt sich über 10 Einheiten und wird in Gruppenform umgesetzt. Die Kriterien des Leitfadens Prävention (Kap. 6.7.2) sind entsprechend zu beachten.

In der vorgestellten Konzeption entspricht das Präventionsprogramm dem Handlungsfeld "Beratung zur gesundheitsförderlichen Arbeitsgestaltung" und kombiniert dieses mit Maßnahmen des Handlungsfeldes zu einem "gesundheitsförderlichen Arbeits- und Lebensstil".

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