Durchführung eines BGM durc... / 2 Rahmenbedingungen – Präventionsauftrag der Krankenkassen und Leitfaden Prävention

Im Juli 2015 ist das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (Präventionsgesetz – PrävG) in Kraft getreten. Ziel des Gesetzes ist es, den Stellenwert der Prävention innerhalb unserer Gesellschaft zu erhöhen. Dazu ist es notwendig, Prävention und Gesundheitsförderung dort anzubieten, wo Menschen leben, lernen und arbeiten. Aus diesem Grund werden die Kranken- und Pflegekassen künftig mehr als 500 Mio. EUR für Gesundheitsförderung und Prävention investieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Gesundheitsförderung in Lebenswelten, zu denen beispielsweise Kitas, Schulen, Kommunen, aber auch Betriebe zählen.

In Anbetracht dessen eignen sich insbesondere Betriebe hervorragend zur Umsetzung von Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen. Die Begründung ist zugleich einfach und plausibel: Die Interventionen suchen die Menschen gewissermaßen an ihrem Arbeitsplatz auf, wodurch sich auch Personen ansprechen lassen, die über herkömmliche Wege nur schwer zu erreichen wären.

Dessen ungeachtet kann nicht nur der einzelne Mitarbeiter von Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) profitieren, auch die Unternehmen selbst können durch die Reduktion krankheitsbedingter Ausfallzeiten, eine geringere Fluktuation oder auch durch die Erhöhung des Engagements ihrer Mitarbeiter profitieren. Dadurch ist die BGF sowohl aus der Perspektive der Beschäftigten als auch aus der Perspektive der Unternehmen ein wesentlicher Faktor, sich den betrieblichen Herausforderungen, wie dem demografischen Wandel, dem Fachkräftemangel, aber auch den veränderten Arbeitsbedingungen, zu stellen.

In vielen großen Betrieben ist ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) bereits schon heute fester Bestandteil der Unternehmenskultur. Mithilfe des Präventionsgesetzes soll nun auch eine stärkere Verankerung der BGF insbesondere in kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) angestrebt werden.[1] Um allerdings nicht nur den Arbeitgeber in die Pflicht zu nehmen, sich um die Gesundheit seiner Beschäftigten zu kümmern, haben auch die gesetzlichen Krankenkassen nach § 20b SGB V einen klaren Präventionsauftrag. Demnach fördern die Krankenkassen mit Leistungen zur Gesundheitsförderung in Betrieben insbesondere den Aufbau und die Stärkung gesundheitsförderlicher Strukturen. Dazu erheben sie unter Beteiligung der Versicherten und der Verantwortlichen für den Betrieb sowie der Betriebsärzte und der Fachkräfte für Arbeitssicherheit die gesundheitliche Situation einschließlich ihrer Risiken und Potenziale und entwickeln Vorschläge zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation sowie zur Stärkung der gesundheitlichen Ressourcen und Fähigkeiten und unterstützen deren Umsetzung. Bei der Wahrnehmung dieser Aufgaben arbeiten die Krankenkassen mit dem zuständigen Unfallversicherungsträger zusammen. Sie können diese Aufgaben aber auch durch andere Krankenkassen, durch ihre Verbände oder durch zu diesem Zweck gebildete Arbeitsgemeinschaften (Beauftragte) mit deren Zustimmung wahrnehmen lassen und sollen bei der Aufgabenwahrnehmung mit anderen Krankenkassen zusammenarbeiten.

Da die Ausführungen in § 20b SGB V zur betrieblichen Gesundheitsförderung jedoch relativ knapp gehalten sind, hat der GKV-Spitzenverband zur Konkretisierung der Präventionsbestrebungen den sog. Leitfaden Prävention[2] erstellt. Soll nun bei der Einführung und Umsetzung betrieblicher Gesundheitsförderungsbestrebungen mit den gesetzlichen Krankenkassen zusammengearbeitet werden, sind die im Leitfaden Prävention definierten Qualitätskriterien verbindlich einzuhalten. Mit dem Leitfaden legt der GKV-Spitzenverband Handlungsfelder und Kriterien für die Leistungen der Krankenkassen in der betrieblichen Gesundheitsförderung fest, die für die Leistungserbringung relevant sind. Maßnahmen, die nicht den dort dargestellten Handlungsfeldern und Kriterien entsprechen, dürfen von den Krankenkassen auch nicht gefördert bzw. bezuschusst werden.

Nach § 20b SGB V ist betriebliche Gesundheitsförderung ein Prozess mit den Bestandteilen Erhebung der gesundheitlichen Situation einschließlich ihrer Risiken und Potenziale, der sich daraus ergebenden Entwicklung von Vorschlägen zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation sowie der Unterstützung von deren Umsetzung.

Im Leitfaden Prävention wird dieser Prozess noch weiter konkretisiert und gliedert sich in 6 Schritte (Abb. 1):

Abb. 1: Ablauf BGF gemäß GKV-Leitfaden

In der praktischen Umsetzung dieses systematischen Vorgehens ist die Ausgestaltung von Strukturen, Prozessen und Leistungen entsprechend der Betriebsgröße anzupassen.

Zur Konkretisierung ihrer Präventionsaktivitäten und in Bezug auf das derzeit vorherrschende Krankheitsspektrum hat die GKV folgende übergeordnete Zielsetzungen zur arbeitsweltbezogenen Prävention und Gesundheitsförderung formuliert:

Oberziele der arbeitsweltbezogenen Prävention

  • Verhütung von Muskel-Skelett-Erkrankungen,
  • Verhütung von psychischen Störungen und Verhaltensstörungen.

Oberziel der arbeitsweltbezogenen Gesundheitsf...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge