Doppelte Haushaltsführung / 2.3 Auswärtige Zweitwohnung im Einzugsgebiet des Arbeitsorts

Die Zweitwohnung oder -unterkunft am auswärtigen Ort der ersten Tätigkeitsstätte muss aus beruflichen Gründen erforderlich sein. Der berufliche Anlass der auswärts begründeten Zweitwohnung ist gegeben, wenn der Steuerpflichtige den doppelten Haushalt nutzt, um von dort aus seinen Arbeitsplatz besser erreichen zu können. Die Wohnung am auswärtigen Beschäftigungsort ist in diesem Fall wegen der auswärtigen Berufstätigkeit des Arbeitnehmers begründet und qualifiziert damit auch die doppelte Haushaltsführung als beruflich veranlasst. Entscheidend für die berufliche Veranlassung der Zweitwohnung ist, dass der Arbeitnehmer seine erste Tätigkeitsstätte von der Hauptwohnung nicht in zumutbarer Weise täglich erreichen kann. Eine Wohnung am Beschäftigungsort ist auch dann gegeben, wenn dieser Zweithaushalt im Einzugsgebiet der Gemeinde begründet wird, in der sich seine auswärtige Arbeitsstätte befindet. Die Rechtsprechung macht eine beruflich veranlasste "Zweitwohnung am Beschäftigungsort" ohne feste Kilometergrenze davon abhängig, dass der Arbeitnehmer von dort in zumutbarer Weise täglich seine Arbeitsstätte aufsuchen kann. Um Abgrenzungsprobleme zu vermeiden, wurde eine entfernungsabhängige Vereinfachungsregelung eingeführt.

 

Wichtig

Entfernungsbezogene Abgrenzung des Einzugsbereichs

Das Beziehen einer Zweitwohnung oder -unterkunft im Einzugsbereich des Beschäftigungsorts steht einer beruflich veranlassten Zweitwohnung am Ort der ersten Tätigkeitsstätte gleich, wenn der Weg von der Zweitunterkunft oder -wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte weniger als die Hälfte der Entfernung der kürzesten Straßenverbindung zwischen der Hauptwohnung und der ersten Tätigkeitsstätte beträgt. Maßgebend für die Entfernungsberechnung ist jeweils die kürzeste Straßenverbindung. Die entfernungsbezogene Vereinfachungsregelung ist auch dann anzuwenden, wenn sich der eigene Hausstand und die Zweitwohnung innerhalb derselben politischen Gemeinde oder Stadt befinden.

Der BFH hat seine Rechtsaufassung bestätigt und das Vorliegen einer "auswärtigen Beschäftigung" davon abhängig gemacht, ob der Arbeitnehmer von seiner Hauptwohnung seinen Beschäftigungsort zumutbar arbeitstäglich erreichen kann. Die Zumutbarkeit hat er dabei im Wesentlichen an die arbeitstägliche Fahrzeit geknüpft und nicht an die kilometermäßige Entfernung des eigenen Hausstands von der auswärtigen ersten Tätigkeitsstätte. Unter Hinweis auf seine früheren Entscheidungen ist eine tägliche Fahrzeit für die einfache Wegstrecke dem Arbeitnehmer zumutbar, solange diese im Bereich von einer Stunde liegt. Die Urteile betreffen Sachverhalte des alten Reisekostenrechts, haben aber auch Auswirkung auf die ab 2014 geltenden gesetzlichen Reisekostenvorschriften, die insoweit keine inhaltlichen Änderungen erfahren haben.

 

Hinweis

Ergänzung um zumutbare Fahrzeit geplant

Die vom BMF getroffene Vereinfachungsregelung steht damit nicht im Einklang mit der Rechtsprechung. Die bisher allein entfernungsabhängige Regelung soll deshalb um eine zeitliche Komponente ergänzt werden, die alternativ eine "Zeitverkürzung von mehr als einer Stunde pro Weg" als ausreichend für das Vorliegen einer auswärtigen Beschäftigung und daran anknüpfend einen beruflich veranlassten doppelten Haushalt festlegt. Die Neufassung des zu überarbeitenden BMF-Schreibens v. 24.10.2014 bleibt abzuwarten.

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