Die Arbeitsschutz-Verordnungen / 4.8 Lastenhandhabungsverordnung

4.8.1 Anwendungsbereiche

Die Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV), die von den Novellen im November 2016 völlig unberührt blieb, gilt für die manuelle Handhabung von Lasten, die aufgrund ihrer Merkmale oder ungünstiger ergonomischer Bedingungen für die Beschäftigten eine Gefährdung für Sicherheit und Gesundheit, insbesondere der Lendenwirbelsäule, mit sich bringt. § 1 Abs. 1 LasthandhabV betrifft nicht jegliches manuelle Handhaben von Lasten, sondern schränkt dies auf solche Fälle ein, die auf Grund der Randbedingungen die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten gefährden können.[1]

Gefahren ergeben sich aus den Eigenschaften der jeweiligen Last oder ungünstigen ergonomischen Bedingungen. Eine maßvolle dynamische Belastung des Körpers bei der Arbeit muss nicht schädlich sein, sie kann vielmehr der Erhaltung der Gesundheit dienen. Geringe Wechselbeanspruchungen und Bewegungen fördern Kreislauf und Muskeln, Sehnen, Knochen und Bandscheiben. Sie sind sogar günstiger als eine Unterforderung des Muskel-Skelett-Systems durch das Vermeiden jeglicher Belastung. Entscheidend ist deshalb die Abgrenzung, wann die Tätigkeit für den Beschäftigten ein Risiko darstellt.

[1] Klindt in Kollmer/Klindt/Schucht, Arbeitsschutzgesetz, 3. Aufl. 2016, § 1 Rdnr. 2.

4.8.2 Begriffe

Manuelle Handhabung im Sinne von § 1 Abs. 2 LasthandhabV ist jedes Befördern oder Abstützen einer Last durch menschliche Kraft, unter anderem das Heben, Absetzen, Schieben, Ziehen, Tragen oder Bewegen einer Last. Im Einzelnen kann der Krafteinsatz über Hände, Arme, Beine, Brust, Rücken, Schulter oder kombiniert erfolgen. Im Gegensatz dazu fällt unter diesen Begriff nicht das Transportieren von Lasten mit maschineller Kraft, z. B. mit Kränen. Eine Last kann ein Gegenstand, ein Tier oder auch ein Mensch sein.

4.8.3 Beurteilung der Arbeitsbedingungen

Eine Bezugnahme auf das Arbeitsschutzgesetz enthält auch § 2 Abs. 2 LasthandhabV. Die Vorschrift sieht vor, dass, wenn manuelle Handhabungen von Lasten nicht vermieden werden können, der Arbeitgeber bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 5 ArbSchG die Arbeitsbedingungen zu beurteilen hat. Aufgrund dieser Beurteilung hat der Arbeitgeber geeignete Maßnahmen zu treffen, damit eine Gefährdung von Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten möglichst gering gehalten wird. Diese Maßnahmen können z. B. Optimierung der Handhabungsbedingungen, Tätigkeitswechsel, Verringerung der Lastgewichte oder des Arbeitstempos, Einsatz geeigneter Arbeitsmittel, sein.

Geeignete Arbeitsmittel sind Mechanisierungshilfen (z. B. Hebebühnen, verstellbare Arbeitsbühnen) oder einfache mechanische Hilfsmittel (z. B. Sackkarren, Hebezangen, Sauggriffe), wo das Element der manuellen Handhabung zwar erhalten bleibt, die Körperkraft jedoch effizienter eingesetzt und die Gefährdung reduziert wird. Welche Maßnahmen zur sicheren und gesunden Gestaltung manueller Handhabungen von Lasten in Frage kommen können, wird von der jeweiligen Art und den Umständen der betrieblichen manuellen Handhabungen abhängen.

4.8.4 Übertragung von Aufgaben

Während bei der Beurteilung nach §§ 13 und 7 ArbSchG mehr die geistige Leistungsfähigkeit des Vertreters im Vordergrund steht, ist es bei der Aufgabenübertragung nach § 3 LasthandhabV eindeutig die körperliche Belastbarkeit. So hat der Arbeitgeber bei der Übertragung von Aufgaben der manuellen Handhabung von Lasten, die für die Beschäftigten zu einer Gefährdung für Sicherheit und Gesundheit führen, die körperliche Eignung der Beschäftigten zur Ausführung der Aufgaben zu berücksichtigen.

§ 3 LasthandhabV soll ein Restrisiko für Sicherheit und Gesundheit abdecken. Manche Lasten müssen doch manuell gehandhabt werden, da trotz Gefährdungsbeurteilung keine technischen Hilfsmittel Verwendung finden können. Als Beispiel sei das Ein- und Ausladen von Gepäckstücken in engen Flugzeugrümpfen genannt. Beauftragt nun ein Arbeitgeber Beschäftigte mit einer solchen Tätigkeit, so hat er Rücksicht auf ihre körperliche Eignung zu nehmen. Dabei sind nicht nur Alter und Geschlecht, sondern auch Geübtheit, körperliche Konstitution und aktueller Gesundheitszustand von Bedeutung. Zu einer individuellen Bewertung sollte der Betriebsarzt zugezogen werden.[1]

Besondere Anforderungen gelten für Jugendliche wegen der noch reduzierten Belastbarkeit der Wirbelsäule (§ 22 JArbSchG) und für Frauen. Für werdende Mütter ist das regelmäßige bzw. gelegentliche Heben, Bewegen oder Befördern von Lasten untersagt, wenn deren Gewicht mehr als 5 kg bzw. 10 kg beträgt (§ 11 Abs. 5 MuSchG).

[1] Kollmer/Klindt/Schucht, Arbeitsschutzgesetz, 3. Aufl. 2016, Erläuterungen zur LasthandhabV, § 3 Rdnr. 1.

4.8.5 Unterweisung

Die schon bei der Aufgabenübertragung angesprochene "körperliche Eignung" spielt auch bei der Unterweisung nach § 4 LasthandhabV eine besondere Rolle. So hat der Arbeitgeber bei der Unterweisung nach § 12 ArbSchG insbesondere die körperliche Eignung der Beschäftigten zu berücksichtigen. Er hat den Beschäftigten, soweit dies möglich ist, genaue Angaben zu machen über die sachgemäße manuelle Handhabung von Lasten und über die Gefahren, denen die Beschäftigten insbesonde...

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