Die Arbeitsschutz-Verordnungen / 4.7.8 Beurteilung der Arbeitsbedingungen

Der Schwerpunkt der Beurteilungsregelungen liegt bei § 3 LärmVibrationsArbSchV, der festlegt was bei der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG für die Beurteilung der Gefährdung der Beschäftigten durch Exposition gegenüber Lärm und Vibrationen zu beachten ist. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz hat der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 1 LärmVibrationsArbSchV vor Aufnahme einer Tätigkeit festzustellen, ob Beschäftigte Lärm und Vibrationen ausgesetzt sind oder ausgesetzt sein können. Dazu hat er die auftretenden Expositionen am Arbeitsplatz zu ermitteln und zu bewerten. Der Arbeitgeber kann sich die notwendigen Informationen beim Hersteller oder Inverkehrbringer von Arbeitsmitteln oder bei anderen, ohne weiteres zugänglichen Quellen beschaffen.

Lässt sich die Einhaltung der Auslöse- und Expositionsgrenzwerte nicht sicher ermitteln, hat er den Umfang der Exposition durch Messungen nach § 4 LärmVibrationsArbSchV festzustellen. Entsprechend dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung hat der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik festzulegen. Die Messungen können auch eine Stichprobenerhebung umfassen, die für die persönliche Exposition eines Beschäftigten repräsentativ ist.

Nach § 5 Satz 1 LärmVibrationsArbSchV hat der Arbeitgeber sicher zu stellen, dass die Gefährdungsbeurteilung nur von fachkundigen Personen durchgeführt wird. Verfügt der Arbeitgeber nicht selbst über die entsprechenden Kenntnisse, hat er sich beraten zu lassen. Fachkundige Personen sind insbesondere der Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Der Grund, weshalb – im Vergleich zu anderen Gegenständen der Gefährdungsbeurteilung – speziell bei Lärm und Vibrationen ein so hoher Anspruch an die Qualifikation gestellt wird, ergibt sich aus § 3 Abs. 3 LärmVibrationsArbSchV. Danach sind die mit der Exposition durch Lärm oder Vibrationen verbundenen Gefährdungen unabhängig voneinander zu beurteilen und in der Gefährdungsbeurteilung zusammen zu führen. Mögliche Wechsel- oder Kombinationswirkungen sind bei der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen. Dies gilt insbesondere bei Tätigkeiten mit gleichzeitiger Belastung durch Lärm, arbeitsbedingten ototoxischen Substanzen oder Vibrationen, soweit, dies technisch durchführbar ist. Zu berücksichtigen sind auch mittelbare Auswirkungen auf die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten, zum Beispiel durch Wechselwirkungen zwischen Lärm und Warnsignalen oder anderen Geräuschen, deren Wahrnehmung zur Vermeidung von Gefährdungen erforderlich ist.

Um die betriebliche Praxis bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilungen für Lärm und Vibrationen zielgerichtet zu unterstützen, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Jahr 2010 zwei separate Technische Regeln erstellt. Die Technischen Regeln geben den Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene wieder. Da sie die Verordnungen praxisorientiert konkretisieren, unterstützen sie den Arbeitgeber bei der Gefährdungsbeurteilung und bei der Ableitung von Maßnahmen.

Die beiden separaten vom Ausschuss für Betriebssicherheit (ABS) unter Beteiligung des Ausschusses für Arbeitsmedizin (AfAMed) ermittelten Technischen Regeln für Lärm und für Vibrationen (TRLV) sollen dem Arbeitgeber Wege aufzeigen, woher er die für die Gefährdungsbeurteilung erforderlichen Informationen bekommen kann, ohne dafür teure Messungen veranlassen zu müssen. Außerdem wird praxisgerecht dargestellt und erläutert, welche technischen und organisatorischen Maßnahmen für die Vermeidung oder Reduzierung von Lärm und Vibrationen geeignet sind.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge