Definition und Berechnungsg... / 3.5 Sonstige Bezüge

Bei sonstigen Bezügen (wie Urlaubs-, Weihnachtsgeld oder Tantiemen) ist zum 1.1.2021 eine Sonderregelung zur Berücksichtigung der Freigrenze bei der Erhebung des Solidaritätszuschlags im Lohnsteuerabzugsverfahren aufgenommen worden. Aufgrund der deutlichen Anhebung der Freigrenze soll sichergestellt werden, dass von Arbeitnehmern mit geringem oder durchschnittlichem Verdienst durch den Arbeitgeber nicht unterjährig Solidaritätszuschlag einbehalten wird, auch wenn die jährliche Freigrenze durch den Bezug eines sonstigen Bezugs nicht überschritten wird.

Durch diese Neuregelung soll die Anwendung der jährlichen Freigrenze auf einen sonstigen Bezug sichergestellt werden. Für die Prüfung, ob die Freigrenze überschritten wird, ist auf die Höhe der Jahreslohnsteuer (unter Einbeziehung des sonstigen Bezugs) unter Berücksichtigung des Kinderfreibetrags und des Freibetrags für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf für jedes Kind abzustellen.[1]

  • Liegt die Jahreslohnsteuer unterhalb der Freigrenze, entfällt der Solidaritätszuschlag komplett.
  • Übersteigt die Jahreslohnsteuer die Freigrenze, wird der Solidaritätszuschlag auf den sonstigen Bezug ungemildert mit 5,5 % erhoben. Einen Milderungsbereich gibt es für den Solidaritätszuschlag aus sonstigen Bezügen nicht.[2]
 
Praxis-Beispiel

Solidaritätszuschlag bei sonstigen Bezügen ab 2021

Ein gesetzlich kranken- und rentenversicherungspflichtiger Arbeitnehmer mit einem Monatslohn von 4.500 EUR erhält im Juni 2021 ein Urlaubsgeld von 400 EUR. Als ELStAM liegen dem Arbeitgeber folgende Lohnsteuerabzugsmerkmale vor: Steuerklasse III, Kinderfreibeträge 2,0. Der kassenindividuelle Zusatzbeitrag des Arbeitnehmers liegt bei 1,3 %.

Ergebnis: Grundlage für die Höhe der Jahreslohnsteuer ist der Jahresbruttolohn von 54.000 EUR, zuzüglich 400 EUR für das Weihnachtsgeld. Die Jahreslohnsteuer unter Einbeziehung des sonstigen Bezugs ist der Jahreslohnsteuertabelle zu entnehmen.

 
Ermittlung des Solidaritätszuschlags auf den laufenden Arbeitslohn
Monatlicher Bruttolohn 4.500,00 EUR
Lohnsteuer auf den laufenden Arbeitslohn 461,50 EUR
Solidaritätszuschlag auf den laufenden Arbeitslohn 0,00 EUR
 
Ermittlung des Solidaritätszuschlags auf den sonstigen Bezug
Lohnsteuer auf den Jahreslohn mit sonstigem Bezug (Lohnsteuer auf 54.400 EUR) 5.628,00 EUR
Abzgl. Lohnsteuer auf den Jahreslohn ohne sonstigen Bezug (Lohnsteuer auf 54.000 EUR) –  5.538,00 EUR
Lohnsteuer auf sonstigen Bezug 90,00 EUR
Solidaritätszuschlag auf den sonstigen Bezug 0,00 EUR

Aufgrund der angehobenen Freigrenze wird kein Solidaritätszuschlag erhoben. Die Jahreslohnsteuer unter Einbeziehung des sonstigen Bezugs liegt mit 5.628 EUR unterhalb der Freigrenze von 33.912 EUR bei Steuerklasse III.

Abwandlung: Vergleich mit dem Jahr 2020

Sachverhalt wie zuvor, der Arbeitnehmer hat im Juni 2020 einen sonstigen Bezug von 400 EUR erhalten; in 2020 wird dieser nicht dem laufenden Arbeitslohn hinzugerechnet.

 
Ermittlung des Solidaritätszuschlags auf den sonstigen Bezug
Lohnsteuer auf den sonstigen Bezug in 2020 92,00 EUR
Solidaritätszuschlag auf den sonstigen Bezug (ungemildert 5,5 %) 5,06 EUR

Der Solidaritätszuschlag beträgt im Juni 2020 insgesamt 5,06 EUR. Er wird von der Lohnsteuer auf den sonstigen Bezug ohne Berücksichtigung einer Freigrenze ungemildert mit 5,5 % erhoben.

Regelung bis 2020: Keine Kinderfreibeträge bei sonstigen Bezügen

Von sonstigen Bezügen ist bis zum 31.12.2020 der Solidaritätszuschlag stets mit 5,5 % der Lohnsteuer erhoben worden, die auf die sonstigen Bezüge entfällt. Freibeträge für Kinder oder die Milderung durften nicht berücksichtigt werden.

[2]

Zur Berechnung der Lohnsteuer eines sonstigen Bezugs s. Sonstige Bezüge im Lohnsteuerrecht.

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