Corporate Social Responsibi... / 2 Grundlagen zu Corporate Social Responsibility

2.1 Corporate Social Responsibility (CSR), Social Responsibility (SR) oder Corporate Responsibility (CR)?

Für die Bezeichnung des Gegenstands von CSR sind in der Praxis verschiedene Begriffspaare anzutreffen.[1] Ist der Begriff "Corporate" vorangestellt, so bezieht sich die Wahrnehmung von Verantwortung in der Regel auf rechtsfähige Körperschaften, wie insbesondere privatwirtschaftliche oder kommunale Unternehmen mit Gewinninteresse.

Da Verantwortung aber von allen Arten von Organisationen wahrgenommen werden sollte, beispielsweise auch von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), wurde für die ISO 26000 das "Corporate" abgelegt und auf die Bezeichnung Social Responsibility (SR) reduziert.

Aus der Wirtschaft heraus wird im Zusammenhang mit Verantwortung zum Teil das "Social" gestrichen und nur von Corporate Responsibility (CR) gesprochen. CR-Berichte betonen in der Regel sehr stark solche Verantwortungsbereiche, die sich auf die Corporate Governance und die damit verbundenen Aufsichts- und Kontrollpflichten von Unternehmen und Aufsichtsorganen beziehen. Hier wird den besonderen Anforderungen der Shareholder (Anteilseigner) nachgekommen, die vor allem für Aktienunternehmen eine bedeutende Stakeholder-Gruppe (Interessens- und Anspruchsgruppe) darstellen.

[1] Vgl. Clausen, J./Loew, Th. (2009): CSR und Innovation: Literaturstudie und Befragung, Berlin, Münster 2009, S. 19 f.

2.2 Definitionen von (Corporate) Social Responsibility

Die Europäische Kommission fasst die Definition "sozialer" Verantwortung von Unternehmen im Grünbuch 2001 wie folgt zusammen:

Definition 1: CSR (EU Grünbuch 2001)

Soziale Verantwortung wird in den meisten Definitionen bezeichnet als "ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren".[1]

(Grünbuch 2001 der Europäischen Kommission, KOM 2001)

Die derzeit aktuellste Definition bietet die ISO (International Organization for Standardization) mit der ISO 26000.

Definition 2: SR (ISO 26000, 2011)

Gesellschaftliche Verantwortung wird verstanden als „Verantwortung einer Organisation für die Auswirkungen ihrer Entscheidungen und Aktivitäten auf die Gesellschaft und die Umwelt durch transparentes und ethisches Verhalten, das:

  • zur nachhaltigen Entwicklung, Gesundheit und Gemeinwohl eingeschlossen, beiträgt;
  • die Erwartungen der Anspruchsgruppen berücksichtigt,
  • anwendbares Recht einhält und im Einklang mit internationalen Verhaltensstandards ist; und
  • in der gesamten Organisation integriert ist und in ihren Beziehungen gelebt wird”.[2]

(DIN ISO 26000:2011-01)

Aus diesen beiden Auffassungen lassen sich nach heutigem Wissens- und Entwicklungsstand die folgenden grundlegenden Merkmale von CSR ableiten:

Merkmale von CSR

  • CSR soll einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung (im Sinne der Brundtland-Definition, siehe unten) der Gesellschaft leisten,
  • CSR geht über gesetzliche Verpflichtungen hinaus, ist deshalb freiwillig und dient dem langfristigen Interesse von Unternehmen,
  • CSR schließt die verpflichtende Einhaltung von Gesetzen und die gebotene Einhaltung von internationalen Normen und Standards ein (Compliance),
  • CSR ist keine Zusatzaufgabe, sondern Teil der unternehmensweiten Management- und Führungsaufgabe,
  • CSR bedarf der Einbindung und Berücksichtigung der Interessen von Stake­holdern.
[1] Grünbuch: Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, KOM 2001, Brüssel 2001, S. 7.
[2] DIN ISO 26000:2011-01, S. 17.

2.3 Nachhaltigkeit, nachhaltige Entwicklung und CSR

In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung ist der Zusammenhang der Konzepte CSR und unternehmerische Nachhaltigkeit (Corporate Sustainability) nicht abschließend geklärt.[1] Dennoch wird vermehrt von einer Verschmelzung oder Deckungsgleichheit der beiden Konzepte gesprochen.

Unterscheidungsmerkmal der Konzepte bietet deren jeweilige Entstehungsgeschichte. Der Nachhaltigkeitsgedanke entstand aus der Ökologie heraus und hat in der Praxis einen starken Fokus auf das Thema Umweltmanagement erfahren, während die CSR-Bewegung eher ethisch-moralisch motiviert ist und auf das Management sozialer bzw. gesellschaftlicher Aspekte abzielt.

Ursprünge von Nachhaltigkeit und CSR

 
Umweltmanagement → Nachhaltigkeit
Management sozialer oder gesellschaftlicher Aspekte → CSR

Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsmanagement von Unternehmen

Die Wurzeln für das Konzept der Nachhaltigkeit liegen in der Forstwirtschaft des frühen 18. Jahrhunderts und das zugrunde liegende Prinzip ist das der Kapital- und Substanzerhaltung. Es galt der Grundsatz, dass in einem bestimmten Zeitraum nur so viel Holz geschlagen werden sollte wie im gleichen Zeitraum nachwachsen kann.

In den 1980er/90er-Jahren hat das Konzept der Nachhaltigkeit in einem analogen Sinne Bedeutung für die Unternehmenspraxis gewonnen und es wurden Modelle für dessen praktische Umsetzung entwickelt.[2] Das klassische "Drei-Säulen-Modell" beschreibt drei gleichrangig nebeneinander stehende und miteinander in Beziehung stehende Nachhaltigkeitsdimensionen: die ökologische, die ökonomische und die soziale.

Heute werden diese drei Säulen im unternehmerischen Nachhaltigke...

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