Es gibt bisher keine allgemeingültige, international konsentierte Definition von Burn-out.[17] Auch in das gängige Klassifikationssystem ICD-10 hat Burn-out bisher keinen Eingang als psychische Erkrankung gefunden. Vielmehr findet es sich in dem Kapitel "Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen".[18] Es stellt einen Risikofaktor und kein eigenständiges Krankheitsbild dar.[19] Es wird daher in der Praxis häufig diese Diagnose gestellt und als Ausgangspunkt für weiterführende Therapien herangezogen. Dabei wird gelegentlich auf Ausweichdiagnosen z. B. Depression zurückgegriffen.[20] Bei vorübergehenden ungewöhnlichen Anforderungen, welche mit vegetativen Stresssyptomen verbunden sind, sollte nicht von Burn-out gesprochen werden, wenn sich die Stressreaktionen in kurzen Erholungsphasen zurückbilden. Ansonsten besteht die Gefahr, routinemäßige bewältigbare Prozesse des Arbeitslebens in die Nähe von Krankheitszuständen zu rücken.[21] Sofern aber dieser Zustand über längere Zeit anhält und eine Ende nicht absehbar ist und kurze Erholungsphasen nicht zu einer Rückbildung von Erschöpfung, vegetativer Symptomatik, Leistungsminderung und kritischer Distanz zur Arbeit sollte von einem Burn-out gesprochen werden. Subjektiv erlebte Arbeitsüberforderung kann dabei eine Vielzahl sowohl arbeitsplatzbezogener Faktoren ebenso wie individuelle Faktoren haben. Burn-out kann dabei einen Risikozustand für eine spätere psychische oder körperliche Erkrankung darstellen.[22] Im Interesse von Beschäftigten und der Unternehmen muss dabei nach Einschätzung des Ausschusses für Arbeitsmedizin die Erhaltung und (Wieder-)herstellung psychischer Gesundheit im Betrieb höchste Priorität erhalten.[23] Für diesen Beitrag ist festzustellen, dass Arbeitsbedingungen zu psychischen Erkrankungen beitragen können. Da es sich aber immer auch um eine Frage der persönlichen Veranlagung und weiterer persönlicher Umstände handelt, können verschiedene Arbeitnehmer auf gleichgelagerte Arbeitssituationen unterschiedlich reagieren.

[17] Kaschka/Korczak/Broich, Modediagnose Burn-out, Deutsches Ärzteblatt 2011, 567, 568.
[18] DAK-Gesundheitsreport 2013, S. 48.
[19] Rigotti/Mohr, in: Bamberg/Ducki/Metz (Hrsg.), Gesundheitsförderung und Gesundheitsmanagement in der Arbeitswelt, 2011, S. 61, 68.
[20] Kaschka/Korczak/Broich, Modediagnose Burn-out, Deutsches Ärzteblatt 2011, 567.
[21] Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde zum Thema Burn-out v. 7.3.2012, S. 4, www.dgppn.de; ähnlich Kothe, in: Kamp/Pickhaus (Hrsg.), Regelungslücke psychische Belastungen schließen, 2011, S. 10, 13.
[22] Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde zum Thema Burn-out v. 7.3.2012, S. 4 f., www.dgppn.de.
[23] Ausschuss für Arbeitsmedizin, Psychische Gesundheit im Betrieb, S. 9.

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