BGM in Großunternehmen/Konz... / 4 BGM – Best-Practice in einem ausgezeichneten Konzern

Im Folgenden wird ein Programm der Firma Pilkington, einem der größten Hersteller von Glasprodukten für die Bau- und Fahrzeugbranche vorgestellt. Der Konzern beschäftigt weltweit 27.000 Mitarbeiter, davon rund 2.500 an mehreren Standorten in Deutschland und ca. 540 am Produktionsstandort Weiherhammer in der Oberpfalz. Pilkington wurde für das Projekt "Ganzheitliche Lösungen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit" im Jahr 2010 mit dem Arbeitsschutzpreis der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) ausgezeichnet.[1]

Bei Pilkington hat der Arbeits- und Gesundheitsschutz traditionell einen sehr hohen Stellenwert. Neben den Basismaßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsrisiken wurden integrierte betriebliche Strukturen und Prozesse entwickelt. Sie haben die gesundheitsfördernde Gestaltung von Arbeit, Organisation und Verhalten am Arbeitsplatz zum Ziel und kommen sowohl den Beschäftigten als auch der Geschäftsführung gleichermaßen zugute (Vernetzung der beteiligten Strukturen). Ein umfangreiches Maßnahmenpaket hat unter Einbeziehung der deutschen Belegschaft die bereits bestehende Unternehmenskultur im Hinblick auf Sicherheit und Gesundheit weiter gefestigt.

Beispielhaft für den Erfolg der BGF im Konzern ist das Programm "Pilkington Aktiv". Das Programm wurde am Standort Weiherhammer (als Pilotprojekt) eingeführt und später auf die anderen Standorte übertragen. Im Rahmen dieses Programms wurde durch die Einführung verhaltens- und verhältnispräventiver Maßnahmen ein entscheidender Beitrag zur Reduktion von Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) bei der Belegschaft geleistet. Mithilfe einer Gefährdungsbeurteilung wurden die Arbeitsplätze hinsichtlich Ergonomie und effizienter Arbeitsabläufe untersucht und optimiert (Vernetzung der Strukturen).

Seither haben die Mitarbeiter die Gelegenheit, an einem arbeitsplatzspezifischen Rückenprogramm teilzunehmen. Täglich zu festen Zeiten gibt es eine 10-minütige aktive Pause in der Nähe des Arbeitsplatzes. Die Belegschaft wird bei der Durchführung der Übungen grundsätzlich durch die Führungskräfte angeleitet (Mitarbeiter werden beachtet). Die Führungskräfte erhielten für diese Aufgabe in einem Workshop eine entsprechende Aus- und Fortbildung. Einmal wöchentlich begleitet eine Trainerin die aktive Pause, achtet auf eine korrekte Ausführung und stellt neue Übungen vor. Dadurch entsteht eine gewisse Nachhaltigkeit. Die Wirkung dieser Maßnahme wurde mit Messungen vor und nach der Pilotphase im Werk Weiherhammer überprüft und eine Verbesserung der Beweglichkeit sowie eine subjektive Abnahme von Beschwerden festgestellt. 90 % der Mitarbeiter stimmten für eine Fortführung der aktiven Pause. Die krankheitsbedingten Fehlzeiten am Standort sanken in Folge von 4,3 % auf 2,9 % (Nutzen messbar machen). Die Produktivität ging trotz der zusätzlichen Entlastungs- und Dehnpausen nicht zurück. Dies ist vor allem auf die Betriebsgröße zurückzuführen, da dadurch – anders als in KMU – eine relativ hohe Kapazität an Arbeitszeit zum Ausgleich der durch die maßnahmenbedingten Fehlzeiten gegeben ist.

Neben dem Programm zur Reduktion von MSE wurden vom Arbeitskreis Gesundheit weitere erfolgreiche Maßnahmen durchgeführt:

  • Beteiligung an einem Forschungsprojekt, das gemeinsam mit der Generation Research Group der LMU München durchgeführt wird. Das Projekt untersucht Möglichkeiten zur Optimierung der Beleuchtung bei Schichtarbeit an Leitständen ohne Außenlicht.
  • Es wurde ein Ernährungsseminar für Mitarbeiter und deren Ehepartner veranstaltet.
  • Es wurde ein 2-tägiger Workshop für alle Führungskräfte mit dem Thema "gesundheitsbewusstes Führen" durchgeführt.
  • Zum Thema Suchterkrankung wurden die Führungskräfte in einer Fachklinik informiert und eine Betriebsvereinbarung zu Suchterkrankungen abgeschlossen.

Die Unfallverhütung wurde in einem Top-down-Ansatz gelöst (professionelles Projektmanagement). Das bedeutet, dass dieses Thema ein verbindliches Unternehmensziel für alle Führungskräfte ist. So wurde von allen Mitarbeitern mit Vorgesetztenfunktion eine Selbstverpflichtungserklärung zum Unfallschutz abgegeben. Mithilfe von Arbeitsplatz-Audits überprüfen die Führungskräfte die Auswirkungen ihres Führungsverhaltens auf die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter. Ein direkter Erfolg aus dieser Maßnahme war ein Rückgang der Ausfallzeiten um 90 % und ein Rückgang der Summe aller Verletzungen um 80 %.

Die erreichten Ziele aus dem Projekt "Ganzheitliche Lösungen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit" waren:

  • eine weitere Sensibilisierung der Belegschaft für den Arbeits- und Gesundheitsschutz,
  • eine Steigerung der Mitarbeitermotivation und ihrer Identifikation mit dem Unternehmen,
  • eine Senkung der Kosten durch niedrigere Ausfallzeiten.
[1] Verwaltungs- und Berufsgenossenschaft: VGB-Arbeitsschutzpreis 2010 – Eine Dokumentation von Beispielen guter Praxis, 2016, Zugriff am 28.3.2016, verfügbar unter www.inqa.de/SharedDocs/PDFs/DE/Gute-Praxis/VBG-Arbeitsschutzpreis-2010.pdf?__bl...

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