Bewertung lohn- und einkomm... / 5.11 Antragsgrenze von 600 EUR

Das Gesetz unterscheidet zwischen Ermäßigungsgründen, die nur unter Beachtung einer betragsmäßigen Grenze eingetragen werden können, und solchen, bei denen die Eintragung uneingeschränkt zulässig ist. Ein Antrag auf Eintragung eines Freibetrags wegen erhöhter Werbungskosten, erhöhter Sonderausgaben oder außergewöhnlicher Belastungen sowie des Entlastungsbetrags für Alleinerziehende ist unzulässig, wenn die Aufwendungen bzw. die abziehbaren Beträge insgesamt eine Antragsgrenze von 600 EUR nicht überschreiten. Die übrigen Ermäßigungsgründe (Pauschbetrag für Behinderte und Hinterbliebene, Freibetrag für Grundbesitz sowie voraussichtliche Verluste aus anderen Einkunftsarten) bleiben hiervon unberührt.

5.11.1 Berechnung bei Antragsgrenze

Bei der Feststellung, ob die Antragsgrenze von 600 EUR überschritten wird, ist wie folgt zu verfahren.

  • Die Werbungskosten sind in die Berechnung der Antragsgrenze nur nach Kürzung um den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 EUR einzubeziehen.
  • Die Sonderausgaben sind um den Pauschbetrag von 36 EUR bzw. 72 EUR zu kürzen. Allerdings sind die gesetzlichen Obergrenzen auch bei der Feststellung der 600-EUR-Grenze zu beachten.
  • Außergewöhnliche Belastungen sind nicht um die zumutbare Belastung zu mindern, wenn die Antragsgrenze gem. § 39a Abs. 2 Satz 4 EStG geprüft wird; ein Abzug über die in den §§ 33a, 33b Abs. 6 und 33c EStG vorgesehenen Höchstbeträge hinaus ist jedoch nicht möglich.
 

Praxis-Beispiel

Ermittlung eines Freibetrags

 
Aufwendungen (beantragt) anzusetzen steuerlich Antragsgrenze
Fahrten Wohnung – erste Tätigkeitsstätte mit eigenem Pkw an 220 Tagen (220 Fahrten × 20 km × 0,30 EUR) 1.320 EUR 320 EUR
Voraussichtliche Kirchensteuer 300 EUR 300 EUR
Verlust aus Mietwohngrundstück 1 8.437 EUR  
Verlust aus Mietwohngrundstück 2 3.500 EUR  
Summen 13.557 EUR 620 EUR

Es können 12.521 EUR (13.557 EUR – 1.000 EUR Arbeitnehmer-Pauschbetrag – 36 EUR Sonderausgaben-Pauschbetrag) als Steuerfreibetrag berücksichtigt werden. Werbungskosten und Sonderausgaben überschreiten die Antragsgrenze von 600 EUR.

5.11.2 Keine Verdoppelung der Antragsgrenze bei Ehegatten

Bei Ehe-/Lebenspartnern, die beide unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben, ist die Summe der nach den oben genannten Punkten in Betracht kommenden Beträge zugrunde zu legen. Die Antragsgrenze von 600 EUR ist nicht zu verdoppeln.

 

Achtung

Berücksichtigung von Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

Aufgrund der Entfernungspauschale von 0,30 EUR pro Kilometer der Entfernung Wohnung – erste Tätigkeitsstätte kann allein wegen der arbeitstäglichen Fahrten ein Steuerfreibetrag nur ab bestimmten Wegstrecken infrage kommen. Unter Berücksichtigung der Antragsgrenze von 600 EUR sowie des anzurechnenden Arbeitnehmer-Pauschbetrags i. H. v. 1.000 EUR muss die Entfernung mindestens 24 km betragen, damit für den Arbeitnehmer bei 230 Arbeitstagen ein Freibetrag angesetzt werden kann. Bei einer einfachen Entfernung von 24 km beläuft sich der Freibetrag auf 656 EUR.

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