Betriebsratswahl: Zeitpunkt... / 2.5.1 Vorrang der Bestellung durch Gesamt- oder Konzernbetriebsrat

Dem Gesamtbetriebsrat oder – falls ein Gesamtbetriebsrat nicht existiert – dem Konzernbetriebsrat wird der Vorrang für die Bestellung des Wahlvorstands in betriebsratslosen Betrieben eingeräumt (§ 17 Abs. 1 BetrVG und § 17 Abs. 2 Satz 1 erster Halbsatz BetrVG). Unerheblich ist, weshalb kein Betriebsrat existiert. Gesamt- oder Konzernbetriebsrat haben dieselben Aufgaben und Befugnisse, die § 16 Abs. 1 BetrVG dem amtierenden Betriebsrat bei der Bestellung des Wahlvorstands gewährt. Sie können insbesondere die Zahl der Wahlvorstandsmitglieder erhöhen, wenn dies zur ordnungsgemäßen Durchführung der Wahl erforderlich ist. Sie können ferner Ersatzmitglieder bestellen. Der Konzernbetriebsrat kommt aber nur zum Einsatz, wenn ein Gesamtbetriebsrat nicht besteht. Existiert indes ein Gesamtbetriebsrat, hat der Konzernbetriebsrat keine Zuständigkeit für diese Angelegenheit.

Dem Gesamtbetriebsrat wird von Teilen der Rechtsprechung ein Auskunftsanspruch gegen den Arbeitgeber aus § 80 Abs. 2 Satz 1 BetrVG über etwaige betriebsratslose Betriebe eingeräumt.

In einen durch diese Gremien bestellten Wahlvorstand kann auch jede im Betrieb vertretene Gewerkschaft einen betriebsangehörigen Beauftragten als nicht stimmberechtigtes Mitglied entsenden, sofern ihr nicht ein ordentliches Wahlvorstandsmitglied angehört (§ 17 Abs. 1 Satz 2, § 16 Abs. 1 Satz 6 BetrVG). Im Betrieb vertreten ist eine Gewerkschaft, wenn mindestens ein im Betrieb beschäftigter Arbeitnehmer bei ihr organisiert ist. Nicht gezählt werden Mitglieder, die die Gewerkschaft aufgenommen hat, obwohl die satzungsgemäßen Aufnahmevoraussetzungen offenkundig nicht vorgelegen haben.

Da der Gesetzgeber die Bestellung des Wahlvorstands dem Gesamt- und Konzernbetriebsrat ausdrücklich zugewiesen hat, muss der Arbeitgeber es dulden, wenn die Mitglieder dieser Gremien die betriebsratslosen Betriebe des Unternehmens oder Konzerns aufsuchen, um bei den einzelnen Arbeitnehmern die Bereitschaft zur Übernahme des Wahlvorstandsamts auszuloten. Im Übrigen haben sich die Vertreter dieser Gremien streng neutral zu verhalten. Insbesondere haben sie kein Mandat für eine im Rahmen ihres Besuchs im betriebsratslosen Betrieb initiierte Erstellung eines Wahlvorschlags. Diese strenge Neutralitätspflicht ergibt sich letztlich daraus, dass die Vertreter dieser Gremien Betriebsfremde bleiben und derartige Aktivitäten von ihrem Amt und insbesondere von der durch § 17 Abs. 1 BetrVG zugewiesenen Aufgabe nicht gedeckt sind. Geschützt wird die unbeeinflusste Wahl des Betriebsrats neben § 20 Abs. 2 BetrVG auch in der Strafvorschrift des § 119 BetrVG, der bei überzogenen Aktivitäten des Gesamt- oder Konzernbetriebsrats unter Umständen sogar zur Strafbarkeit von Mitgliedern des Gesamt- oder Konzernbetriebsrats führen kann.

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