Betriebliche Gesundheitsför... / Lohnsteuer

1 Steuerfreie Gesundheitsförderung

Betriebsinterne Maßnahmen, die der Arbeitgeber zum Zweck der Gesundheitsförderung und zur Erhaltung der Arbeitskraft seiner Mitarbeiter durchführt, gehören grundsätzlich zum Arbeitslohn.

Leistungen des Arbeitgebers zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands des Arbeitnehmers oder der betrieblichen Gesundheitsförderung bleiben jedoch bis zu 600 EUR im Kalenderjahr je Arbeitnehmer steuerfrei[1],

  • wenn sie hinsichtlich Qualität, Zweckbindung und Zielgerichtetheit und Zertifizierung die Anforderungen des SGB V erfüllen und
  • die Leistungen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden.

Der Höchstbetrag ist jahresbezogen und gilt pro Dienstverhältnis. Übersteigende Beträge rechnen zum steuerpflichtigen Arbeitslohn.

2 Leistungen zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands und der betrieblichen Gesundheitsförderung

2.1 Begünstigte Maßnahmen

Die Steuerfreiheit gilt ausschließlich für die im SGB V beschriebenen Leistungen zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands und der betrieblichen Gesundheitsförderung, die durch die Spitzenverbände der Krankenkassen konkretisiert wurden.[1] Darunter fallen

  1. gesundheitsfördernde Maßnahmen in Betrieben (= betriebliche Gesundheitsförderung), die den vom Spitzenverband der Krankenkassen festgelegten Kriterien entsprechen, sowie
  2. Maßnahmen zur verhaltensbezogenen Prävention, die nach den Vorschriften des SGB V zertifiziert sind.
[1] S. Leitfaden Prävention des GKV Spitzenverbands zur Umsetzung von §§ 20, 20a SGB V.

2.2 Betriebliche Gesundheitsförderung

Dabei geht es um eine gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeitstätigkeit und der Arbeitsbedingungen sowie den Aufbau und die Stärkung gesundheitsförderlicher Strukturen. Nicht der Einzelne ist primär Adressat, sondern die strukturellen Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz sollen gesundheitsförderlich gestaltet werden.

Dabei kann es sich beispielsweise um Angebote

  • zur Stressbewältigung und Ressourcenstärkung,
  • zum bewegungsförderlichen Arbeiten,
  • zur gesundheitsgerechten Ernährung im Arbeitsalltag und
  • zur Suchtprävention im Betrieb

handeln. Begünstigt sind z. B. Maßnahmen wie die "Bewegte Pause".

2.3 Verhaltensbezogene Prävention

Zur verhaltensbezogenen Prävention gehören Maßnahmen zur Verhinderung und Verminderung von Krankheitsrisiken (primäre Prävention) sowie die Förderung des selbstbestimmten gesundheitsorientierten Handels (Gesundheitsförderung). Dabei handelt es sich regelmäßig um sog. Präventionskurse. Die Maßnahmen richten sich an den einzelnen Arbeitnehmer. Hierunter fallen etwa gesundheitssportliche Aktivitäten wie Rückenschule und Yoga. Bei verhaltensbezogener Prävention ist seit 2019 die Zertifizierung der Maßnahme zwingende Voraussetzung für die Gewährung der Steuerbefreiung.

Für bereits vor dem 1.1.2019 begonnene, unzertifizierte Gesundheitsmaßnahmen ist das Zertifizierungsverfahren erstmals maßgeblich für Sachbezüge, die nach dem 31.12.2019 gewährt werden.[1] Informationen zu zertifizierten Kursen in der Umgebung finden sich bei den Krankenkassen bzw. beim GKV-Spitzenverband.

 
Wichtig

Massagen sind nicht zertifizierbar

Massagen fallen nicht in den Katalog der Krankenkassen und sind deshalb nicht zertifizierbar. Auch physiotherapeutische Behandlungen oder sog. Screenings (Suche nach Krankheiten) können nicht steuerfrei gewährt werden.

Externe Maßnahmen: Steuerbefreiung gilt auch für Barleistungen

Unter die Steuerbefreiung fallen auch Barzuschüsse des Arbeitgebers an seine Mitarbeiter für extern durchgeführte Maßnahmen. Die extern durchgeführten Maßnahmen müssen jedoch den vorstehenden Anforderungen gerecht werden. Die Übernahme bzw. Bezuschussung von Mitgliedsbeiträgen an Sportvereine und Fitnessstudios ist nicht steuerbefreit. Gleiches gilt für Maßnahmen ausschließlich zum Erlernen einer Sportart.

 
Praxis-Tipp

2 Arten der steuerfreien Gesundheitsfürsorge

Die Steuerfreiheit ist also im Ergebnis extern sowie intern möglich für:

  • zertifizierte Leistungsangebote zur verhaltensbezogenen Prävention (Präventionskurse), auf die der Arbeitgeber zurückgreift[2] und
  • sonstige (nicht zertifizierungspflichtige) verhaltensbezogene Maßnahmen des Arbeitgebers im Zusammenhang mit einem betrieblichen Gesundheitsförderungsprozess, die den Vorgaben des Leitfadens Prävention genügen.[3]

Infographic

3 Nur zusätzliche Leistungen begünstigt

Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist, dass es sich um zusätzliche Leistungen des Arbeitgebers handelt (sog. Zusätzlichkeitsvoraussetzung).[1]

Leistungen zur Gesundheitsförderung sind insbesondere dann nicht steuerfrei, wenn sie

  • unter Anrechnung auf den vereinbarten Arbeitslohn oder
  • durch Umwandlung (Umwidmung) des vereinbarten Arbeitslohns erbracht werden.
[1] BMF, Schreiben v. 5.2.2020, IV C 5 – S 2334/19/10017 :002; § 8 Abs. 4 EStG i. d. F. des Entwurfs eines Jahressteuergesetzes 2020, BR-Drucks. 503/20.

4 Leistung im überwiegenden betrieblichen Interesse

Leistungen zur Gesundheitsförderung der Arbeitnehmer sind oftmals im überwiegend betrieblichen Interesse des Arbeitgebers. Solche Leistungen sind kein Arbeitslohn und unterliegen nicht dem Lohnsteuerabzug.

Maßnahmen zur Vermeidung berufsspezifischer Erkrankungen können im ganz überwie...

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