Betriebliche Altersversorgung / 1.2.2 Pauschalierung

Für Direktversicherungen und kapitalgedeckte Pensionskassen besteht die Möglichkeit, die Pauschalierung der Lohnsteuer mit 20 % für Beiträge bis zu 1.752 EUR nach § 40b EStG a. F. fortzusetzen. Dies setzt voraus, dass bei dem jeweiligen Arbeitnehmer bereits vor dem 1.1.2018 mindestens ein Beitrag pauschal versteuert wurde, was nur auf Versorgungszusagen vor dem 1.1.2005 zutreffen kann. Ist dies der Fall, liegen für diesen Arbeitnehmer die Voraussetzungen für die Anwendung der Pauschalierung sein ganzes Leben lang vor. Vertragsänderungen, Neuabschlüsse, Änderungen der Versorgungszusage und Arbeitgeberwechsel sind ohne Bedeutung. Die Entscheidung für oder gegen die Inanspruchnahme der Pauschalierung hat weitreichende Folgen für die steuerliche Beurteilung der Versorgungsleistungen. Der Nachweis der Pauschalierung kann durch Vorlage einer Gehaltsabrechnung oder durch eine Bescheinigung der Versorgungseinrichtung oder des früheren Arbeitgebers erfolgen.

Die Anwendung der Pauschalbesteuerung ist im Übrigen nicht erst nach dem Überschreiten des steuerfreien Höchstbetrags von 6.432 EUR möglich, sondern kann vorrangig angewendet werden und mindert dann das steuerfreie Volumen von 6.432 EUR.

 

Wichtig

Keine Pauschalierung für Pensionsfonds

Beiträge an einen Pensionsfonds können nicht pauschal versteuert werden.

 

Praxis-Tipp

Fortführung der Pauschalierung

Die Fortführung der Pauschalierung nach § 40b EStG a. F. knüpft ausschließlich daran an, dass für den Arbeitnehmer vor dem 1.1.2018 mindestens ein Beitrag für die Zukunftssicherung pauschal nach § 40b EStG in einer Fassung vor dem 1.1.2005 versteuert wurde. Ohne Bedeutung ist, ob die Pauschalierung für denselben Vertrag oder einen anderen Vertrag fortgeführt werden soll oder sogar der Durchführungsweg gewechselt wird.

Keine Verzichtserklärung mehr erforderlich

Im Unterschied zur Rechtslage bis 2018 kann die Pauschalierung der Lohnsteuer bei Direktversicherungen ab 2019 auch ohne ausdrücklich erklärten Verzicht des Arbeitnehmers auf die Steuerbefreiung erfolgen. Damit wird eine steuerliche Gleichbehandlung der Zuwendungen an eine kapitalgedeckte Pensionskasse und der Beiträge für eine Direktversicherung erzielt.

 

Praxis-Beispiel

Steuerbefreiung oder Pauschalierung

Ein Arbeitnehmer ist seit 2003 in einer Pensionskasse versichert. Die jährlichen Beiträge betragen 4.000 EUR. In 2017 blieben im Rahmen der Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 63 EStG Beiträge bis zu 3.048 EUR steuerfrei und 952 EUR wurden vom Arbeitgeber mit 20 % pauschaliert. In 2018 waren die Beiträge in vollem Umfang steuerfrei (Höchstbetrag in 2018 = 6.240 EUR).

Der Arbeitnehmer wechselt zum 1.7.2019 seinen Arbeitgeber. Der neue Arbeitgeber schließt für ihn eine Direktversicherung (Rentenversicherung) ab. Ab 1.7.2019 werden monatliche Beiträge zur Direktversicherung von 300 EUR geleistet. Außerdem erfolgt eine Versicherung in einem Pensionsfonds, an den Zuwendungen in Höhe von 5.000 EUR fließen.

Ergebnis:

  • Weist der Arbeitnehmer seinem neuen Arbeitgeber nach (z. B. durch Vorlage einer Lohnabrechnung), dass von seinem bisherigen Arbeitgeber bereits Beiträge zu einer Pensionskasse pauschal versteuert wurden, kann die Pauschalierung der Lohnsteuer für die Beiträge zur Direktversicherung fortgeführt werden. Der Zeitpunkt der Versorgungszusage sowie der Arbeitgeberwechsel sind ohne Bedeutung. Die Beiträge können bis zu 1.752 EUR pauschal versteuert werden. Das steuerfreie Volumen verringert sich aufgrund der erfolgten Pauschalierung auf insgesamt 4.680 EUR (6.432 EUR – 1.752 EUR), das für den übersteigenden Beitrag zur Direktversicherung von 48 EUR sowie die Zuwendung an den Pensionsfonds von 5.000 EUR verwendet werden kann. Steuerpflichtig und nach den ELStAM zu versteuern sind folglich Zukunftssicherungsleistungen in Höhe von 368 EUR (5.048 EUR – 4.680 EUR).
  • Im Kalenderjahr des Arbeitgeberwechsels können sowohl der bisherige als auch der neue Arbeitgeber das Pauschalierungsvolumen von 1.752 EUR in vollem Umfang ausschöpfen. Die Entscheidung für oder gegen die Anwendung der Pauschalierung ist ausschlaggebend für den Umfang der steuerpflichtigen Versorgungsleistungen.

Voraussetzung für Pauschalierung

Auch die Pauschalierung der Lohnsteuer setzt wie die Steuerbefreiungsvorschrift das Vorliegen eines ersten Dienstverhältnisses voraus. Bei Arbeitnehmern in Steuerklasse VI ist folglich nicht nur die Steuerbefreiung, sondern auch die Möglichkeit der Pauschalierung der Lohnsteuer ausgeschlossen. Die Zahlungsweise der Leistungen der Versorgungseinrichtung ist für die Pauschalierung der Lohnsteuer dagegen unerheblich. Insbesondere ist im Unterschied zur Steuerbefreiung die Pauschalierung der Lohnsteuer auch möglich, wenn als Versorgungsleistung ausschließlich eine Einmalkapitalzahlung vereinbart wird (reine Kapitallebensversicherung).

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge