Als erste Berufsausbildung ist die Ausbildung für einen künftigen Beruf zu verstehen. Hierzu gehören insbesondere der Besuch von Hoch- oder Fachschulen sowie die Ausbildung für einen handwerklichen, kaufmännischen oder technischen Beruf und die Ausbildung in der Hauswirtschaft aufgrund eines Berufsausbildungsvertrags oder an einer Lehranstalt.[1] Ein erstmaliges Hochschulstudium ist i. d. R. eine Berufsausbildung.

5.1.1 Kinderfreibetrag und Kindergeld

Bei einer erstmaligen Berufsausbildung bzw. einem Erststudium des Kindes erhalten Eltern dafür den Kinderfreibetrag oder Kindergeld für Kinder bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres, unabhängig von der Höhe der eigenen Einkünfte/Einnahmen des Kindes.[1] Bei auswärtiger Unterbringung des Kindes gibt es einen Ausbildungsfreibetrag.[2]

Anspruch nach Abschluss der ersten Berufsausbildung

Ein Kind wird bezüglich des Kindergeldes nach Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung oder eines Erststudiums nur berücksichtigt, wenn es keiner anspruchsschädlichen Erwerbstätigkeit nachgeht. Schädlich ist eine Erwerbstätigkeit des Kindes dann, wenn die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit insgesamt mehr als 20 Stunden beträgt.[3]

Die Regelung zur Zahlung des Kindergeldes gilt auch dann, wenn die erstmalige Berufsausbildung bereits vor Vollendung des 18. Lebensjahres abgeschlossen worden ist.

5.1.2 Merkmale der erstmaligen Berufsausbildung

Die Berufsausbildung ist als erstmalige Berufsausbildung anzusehen, wenn ihr keine andere abgeschlossene Berufsausbildung bzw. kein abgeschlossenes berufsqualifizierendes Hochschulstudium vorausgegangen ist.[1] Eine erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium sind grundsätzlich abgeschlossen, wenn sie das Kind zur Aufnahme eines Berufs befähigen.

Kriterien zum Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung

Eine Erstausbildung liegt vor, wenn eine geordnete Ausbildung mit einer Mindestdauer von 12 Monaten bei vollzeitiger Ausbildung durchgeführt wird und mit einer Abschlussprüfung endet.[2] Ist eine Abschlussprüfung nach dem Ausbildungsplan nicht vorgesehen, gilt die Ausbildung mit der tatsächlichen planmäßigen Beendigung als abgeschlossen.

Eine Berufsausbildung als Erstausbildung hat auch abgeschlossen, wer die Abschlussprüfung mit einer Mindestdauer von 12 Monaten bestanden hat, ohne dass er zuvor die entsprechende Berufsausbildung durchlaufen hat.

Die steuerliche Behandlung von Erstausbildungskosten gem. § 9 Abs. 6 EStG ist verfassungsgemäß.[3]

Studienwechsel oder Unterbrechung des Studiums

Bei einem Wechsel des Studiengangs oder bei einer Unterbrechung und späteren Weiterführung des Studiums ohne Abschluss des zunächst betriebenen Studiengangs ist der vorangegangene Studienteil kein abgeschlossenes Erststudium.

[3] BVerfG, Beschluss v. 19.11.2019, 2 BvL 22-27/14, BFH/NV 2020 S. 334,

s. Abschn. 5.4.

5.1.3 Steuerlicher Abzug von Ausbildungskosten

Aufwendungen für die erstmalige Berufsausbildung und für ein Erststudium sind grundsätzlich Kosten der persönlichen Lebensführung, sodass ein Werbungskostenabzug ausscheidet.[1] Aufwendungen des Steuerpflichtigen für dessen erstmalige Berufsausbildung oder für ein Erststudium, das zugleich eine Erstausbildung vermittelt, sind keine Werbungskosten, wenn diese Berufsausbildung oder das Erststudium nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet. Ggf. kommt ein Ansatz als Sonderausgaben in Betracht.[2]

Ist die erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium Gegenstand eines Dienstverhältnisses (Ausbildungsdienstverhältnis, Lehre), werden die entstehenden Aufwendungen als Werbungskosten berücksichtigt, soweit sie nicht vom Arbeitgeber übernommen werden.

Steuerliche Berücksichtigung von BAföG und Studienkrediten

Zweckgebundene steuerfreie Zahlungen zur Förderung der Ausbildung (BAföG) sind auf die als Werbungskosten anzusetzenden Ausbildungskosten anzurechnen. Die Aufwendungen des Steuerpflichtigen werden nur in dem Jahr steuerlich berücksichtigt, in dem sie geleistet wurden. Dies gilt auch dann, wenn sie aus Darlehensmitteln bestritten worden sind. Ausgaben zur Tilgung eines zur Berufsausbildung aufgenommenen Darlehens sind keine abzugsfähigen Ausbildungskosten, wohl aber die Zinsen für ein Ausbildungsdarlehen, auch wenn sie nach Abschluss der Berufsausbildung gezahlt werden.

 
Wichtig

Sonderausgabenabzug bei Berufsausbildung

Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung oder für ein Erststudium des unbeschränkt einkommensteuerpflichtigen und nicht dauernd getrennt lebenden Ehe-/Lebenspartners sind als Sonderausgaben bis zu 6.000 EUR jährlich abziehbar. Der Betrag von 6.000 EUR ist für jeden Ehe-/Lebenspartner ge...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge